Blindreview August 2019 - Tabak Nr. 1

  • Tabake wie der „Balkan Flake“ von Samuel Gawith oder der „English Balkan“ von Pfeifen Huber waren in den letzten Monaten hier im Forum in verschiedenen „Threads“ sehr präsent. Gerade letztgenannter führte zu einer sehr angeregten Diskussion und als ich im Vorfeld dieses „Blindreviews“ über die möglichen Tabake nachdachte, war mir schnell klar, dass ein „Balkan Tabak“ dabei sein sollte.


    Das nun sagt der Hersteller dazu:

    „Beste Virginia Grades, viel Orientblattgut, etwa 10% Dark Fired Kentucky, gut 40% Latakia (!) und eine gute Prise Louisiana Perique sind in dieser Mixture vereint. Wer den alten, kräftigen und vollen Latakia-Blends nachtrauert, die fast gänzlich aus unserer Tabaklandschaft verschwunden sind, wird hier vollauf getröstet. Das ist Nostalgie pur!“¹


    Schauen wir mal, welchen Eindruck er bei den vier Mutigen hinterlassen hat...


    Frank

    „Rein optisch habe ich eine klassische Mixture vor mir. Neben einigen wenigen hellen Tupfen Virginias, dominieren Solche dunklerer Farbe neben einer Portion Perique und einer Prise Latakia.


    Meine Nase nimmt hauptsächlich den Perique war, vielleicht mit Anklängen dunkeln Brotes und einem Hauch Haselnuss. Jedenfalls keinen Virginia, oder irgendeine Art von künstlichen Aromen.


    Latakia … (was die Möglichkeit, diesen Tabak richtig zu erraten gleich Null setzt) … etwas zögernd schaue ich auf die Uhr, noch etwa 3 Stunden bis die Chefin nach Hause kommt. Ich beschließe es zu wagen, immerhin kann man ja lüften …


    Verstohlen lege ich die zuvor ausgesuchte Bentley zur Seite und wähle stattdessen eine wenig gerauchte Falcum Hauspfeife.


    Das Stopfen dürfte niemanden vor ein Problem stellen. Die etwa 1,5 mm langen, optimal konditionierten Fasern, schmiegen sich wie von selbst in die Rauchkammer. Oben etwas verdichten und Feuer frei:wink:


    Die Fasern brennen willig an, bäumen sich etwas auf, bilden aber dann einen hübschen Deckel heller Asche. Zugegeben, ich hätte gerne mein überraschtes Gesicht nach den ersten Zügen gesehen. Ich war auf eine herbe, Latakia dominierte Va/Per Mischung eingestellt, aber mit dem was da, fast schon unanständig süß, meine Geschmacksnerven verwöhnte, hab ich nicht gerechnet.


    Probe Nr 1 kommt vollsüß daher, mit deutlichen Anklängen von Trockenobst und Röstaromen frischen Brotes, auf einer kaum zu erschmeckenden Virginiabasis. Auch der Latakia, obwohl im Raumduft nicht zu verleugnen, ist bestenfalls als würzige Spitze hintenheraus zu erahnen. Könnte aber auch sein, daß hier noch mit etwas Orient nachgeholfen wurde. Der Rauch ist von dichter, samtiger Struktur, ohne jede Schärfe, wie ich sie etwa von einem Virginia gleicher Süße normalerweise erwarten würde.


    Das Gesamtpaket ist stabil, erst am Ende des letzten Drittels lässt die Süße etwas nach und die Röstaromen treten mehr in den Vordergrund. Der Abbrand ist zu jeder Zeit tadellos, am Ende gibt es nur ein kleines Häufchen heller Asche.


    Fazit:


    Sehr lecker! Ich hoffe das Probe Nr 1 allgemein zugänglich ist und nicht etwa auf der anderen Seite des großen Teiches in einem geheimen Kämmerchen bei Vollmond von einem Schamanen zusammen gemischt wird, denn ich glaube fest das ein oder andere Döschen könnte sich hierher an den Rand der bewohnten Welt verirren.:)


    ...Ach ja, ich habe nicht die leiseste Ahnung was ich da geraucht habe“


    Michael

    „Ich hatte Tabak Nr. 2 zuerst probiert und die Proben Nr.1 und 3 mehrere Tage ungeöffnet im Briefumschlag gelassen.

    Als ich die beiden dann aus dem Umschlag holte kam mir der Duft von Latakia entgegen. Ich schnupperte an beiden (immer noch verschweißten) Beuteln und dachte "owei, da muss ein kräftiger Latakia dabei sein wenn beide Beutel von außen so riechen".

    Da beide Beutel so rauchig rochen entschloss ich mich mehr zufällig für den Tabak Nr. 1.

    Flux aufgeschnitten, dran geschnuppert und tatsächlich war das der mit Latakia.

    Der Geruch war sehr lecker, der Latakia dominierte in der Nase.

    Ganz anders als in der Pfeife: Der Latakia war zwar dominant, aber nicht erschlagend. Geschmacklich eine sehr schön ausgeglichene Mischung aus Latakia, Orient, Virginia und Perique (möglicherweise auch etwas Kentucky, aber dieser wenn nur ganz wenig zur Abrundung ).

    Der Latakia war stets präsent, lies aber auch holzige, ätherische Noten zur Geltung kommen (vermutlich vom Orient).

    Eine sehr gelungene Mischung die ich mir nach der Auflösung auf jeden Fall zulegen werde.

    Im Laufe der Pfeife kam eine leichte pfeffrige Note hinzu die ich mal dem Perique zuschreibe.

    Ich bin von dem Tabak echt begeistert.

    Vielleicht hat Mats, der Schelm, ja seinen Tuarekh verschickt. Mal kurz auf der HU Homepage nachgeguckt, die Beschreibung könnte passen.


    Nun habe ich nicht so viele Latakiamischungen geraucht das ich da große Vergleiche ziehen könnte, aber ich wage mal den Tipp das es der Tuarekh war.


    Er erinnert mich ein wenig an den Fayyum nur eben ohne den dark fired Kentucky (der mir ehrlich gesagt zu kräftig daher kommt).“


    Rainer

    „Also, wenn man 3 Tabakproben bekommt, fängt man konsequenterweise mit Numero 1 an, wenngleich auch die "2" und "3" schon rein vom Angucken wesentlich attraktiver daherkommen, wenigsten für mich mal...

    Egal auch...


    No. 1 kommt schon mal rein visuell als "Ribbon Cut" ziemlich dunkel daher... na, wenn da mal kein Latakia drin ist ?

    Das Beutelchen-Aufschneiden der sehr gewissenhaft und klimawandelresistent eingepackten Probe bestätigt den Verdacht... da ist definitiv Latakia mit drin, und davon so rein nasologisch nicht ganz wenig !

    Man riecht es deutlich... rauchig, irgendwie "kohlig"... Lagerfeuer.... und so... na, ihr wisst schon. Latakia halt, und davon sicher nicht wirklich wenig.

    Man könnte fast denken man steckt den Rüssel in ein Dösl Fayyum von Hans (HU-Tobacco), aber !!! ... beim Rauchen wird man aber eines Besseren (bzw. Schlechteren...) belehrt.

    Also, dann mal zu Rauchen... es raucht... heftig... das Kraut brennt fast ab wie Bohnenstroh... er ist als recht wenig "ergiebig" ...zudem die unbekannte Kräutermischung noch etwas "jung" erscheint, und es somit bissel zwickt beim Rauchen.

    Dazu gesellt sich dann eine gewisse "Weihrauchnote" die für derartige Tabake nicht unüblich ist.

    Aber ! Wenn ich schon mal Fayyum erwähnt habe...dem kann diese No. 1 nicht das Wasser reichen ! Es fehlt dieser Probe einfach an "Tiefe" und einer gewissen "Molligkeit" und "Fülle" die ich an Latakia-Mischungen so gern schätze... er kommt eher recht "Trocken" daher... zwar rauchig, aber ohne weitere Geschmackstiefen incl. einem Ticker an Süße... einfach nur trocken, fast "brut"... stark aber flach...

    Probiert habe ich ihn zweimal in einer Morta sowie einmal in einer Bruyere... ...der Grundtenor blieb der gleiche... leider...

    Kurz: Die Begeisterung hält sich bei mir auf Grund mangelnder Attribute für eine wirklich gute Latakia-Mischung in Grenzen...


    Zurück zur Rätselfrage: Eindeutig kein "Amitabak", jedenfalls nicht ureigentlich von Dorten... tja, also hierzulande... und wo da?


    Ein genauer Treffer ist quasi unmöglich, aber ich weiß dass es viele Tabake mit der Steuernummer 26602 deutlich besser können... und tendiere hiermit eher zu einem Produkt aus Lauenburg (DTM)... so was aus dem Old Ironside/Timm/Bill Bailey's Klon...“


    Rolf

    „Die Probe 1 ist ein kurzfaseriger Ribbon-Cut. Die Schnittbreite ist etwas mehr als 1mm, die Fasern sind selten über 2cm lang. Dazwischen sind Tabakstäube oder -Krümel. Das Tabakbild variiert zwischen mittel- und dunkelbraun zu etwas gleichen Anteilen mit wenigen hellen Einsprengseln.


    Gleich beim Öffnen der Verpackung zeigt sich ein kräftiger Latakia-Duft, kein Orient oder Perique ist hier zu erriechen. Der Tabak kommt für einen solchen klassischen Engländer (für mich) ideal konditioniert daher und ist leicht in die Pfeife zu füllen und zu entzünden.


    Zu Beginn der Füllung zeigt sich, dass die Nase schon beim Riechen aus der Packung recht gehabt hat: Viel Latakia und eine leichte Tabaksüße. Dieser Geschmack hält bis unten durch, wobei zum ab der Mitte der Virginia den größeren Anteil hat. Andere Tabak schmecke ich nicht heraus, also wohl wirklich kein (Frische bringender) Orient und auch kein (schwer-süßer) Perique. Problemloses Durchrauchen ist möglich, aber auch beim Wiederentzünden bleibt die Mischung wie zuvor, also ohne Bitterkeit. Ich denke, hier haben wir einen Samuel Gawith erwischt.



    Fazit: klassischer Engländer aus Virginia und Latakia, jeweils etwa zur Hälfte. Wer wissen will, wie Latakia schmeckt, kommt hier, vor allem zu Beginn der Füllung, auf seine Kosten. Gern mal wieder, allerdings wäre eine dritte Nuance auch interessant, wie zum Beispiel die klassischen Begleiter Orient oder Perique.

    Ich wage mal zu raten: Samuel Gawith Commonwealth?“



    Nun will ich aber die Spannung nicht noch künstlich verlängern.:wink: Bei dem Tabak Nr. 1 handelt sich um den "Bill Bailey's Balkan Blend" von DTM.



    Gruß Mats


    ¹Quelle: Dan Pipe, URL: https://www.danpipe.de/de/Bill…Baileys-Balkan-Blend_2797 (Stand 26.08.2019)

    "Eine Pfeife ohne Tabak ist wie ein Hirn ohne Ideen." (E. T. A. Hoffmann)

  • Hallo zusammen,


    das im Tabak Nr 1 soviel Kentucky, auch noch dark fired, drin ist hätte ich nicht gedacht.

    Ist ja wirklich lustig zu lesen was jeder so rausschmeckt :D

    Immerhin hat Rainer zumindest den richtigen in seiner Aufzählung dabei gehabt :)

    Hut ab...:)



    Gruß , Michael :batman_up:

    "Ich mag Leute die mir reinen Wein einschenken.

    Oder Schorle. Schorle geht aach."
    (gesehen in der Pfalz)

  • Hallo Mats,


    auch hier hat die Auflösung wirklich Erstaunen ausgelöst: Alles was ich nicht drin vermutet habe, ist drin: Or/Ky/Per :shock: . Dabei ist der Tabak wirklich eine Vertiefung wert, um mal in den Tiefen des Geschmackraumes nach diesen Zutaten zu gründeln. Auf den ersten "Schmeck" (und auch die weiteren) kam da bei mir nix 8)

    Kompliment an Rainer: Die Bill Bailey- Verwandschaft hätte ich nicht herausgefunden (habe allerdings eine BBBB-Dose zum Abhängen noch "auf dem Wieben" :))


    Beste Grüße


    Rolf :)

    Bevor man eine Frage beantwortet, sollte man immer erst eine Pfeife anzünden. Pfeiferauchen trägt zu einem einigermaßen objektiven und gelassenen Urteil über menschliche Angelegenheiten bei.– A. Einstein rauch10t5rz3.gif

  • :saint::huh:;)

    Zum Wochenende (synchron auch: Urlaubsbeginn !!! :)) gönne ich mir darauf dann den hastigen Genuss einer ganzen Flasche Bailey's !:lol:... ...ohne den Bill... ;)


    Happy wasauchimmerpuffing,

    Rainer

    PS: @ Rolf: "(habe allerdings eine BBBB-Dose zum Abhängen noch "auf dem Wieben" :))"

    Was einem Ostwestfäler Schinken hilft, muss nicht zwangsläufig... ähm... ;)

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

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  • Hallo zusammen,


    auch ich war mal wieder erstaunt über Rainers Geruchs- und Geschmacksdetektoren. Deren Ergebnisse dann auch noch mit der dazugehörigen "Tabakdatenbank", wo diese sich auch befinden mag:batman_confused:, abzugleichen und fasst eine Punktlandung hinzulegen, ist mir fast schon unheimlich...:wink:


    Der "BBBB" war selbst für mich "Neuland" und meine Erfahrungen mit ihm decken sich mit einigen von euch hier zu lesenden. Er ist ohne Zweifel ein gut gemachter Tabak, aber für mich eher auf Stärke als auf einen "runden" Geschmack ausgelegt und wird keinen festen Platz in meinem Tabakvorrat einnehmen.


    Gruß Mats

    "Eine Pfeife ohne Tabak ist wie ein Hirn ohne Ideen." (E. T. A. Hoffmann)