HU Tobacco - MacLochain (Clans of Scotland)

  • HU Tobacco

    Clans of Scotland

    MacLochain

    Lange, lange ist es her, dass ich ein Review geschrieben habe und noch länger,
    dass ich eines zur Schottlandsippe von Hans erstellt hatte. Stephan hatte mir vor
    mehr als zwei Jahren den Livinghardt und eben diesen Tabak hier zukommen
    lassen, ertrug er sie nicht wirklich…
    Mein Versprechen, diese Tabake zu begutachten, erhielt nach Probe des
    erstgenannten einen starken Motivationsknick, war und ist dieser auch für mich nix
    gewesen. Doch vom Geruch her konnte mich dieser hier doch reizen und ich
    nahm ihn mir schon vor längerer Zeit vor, finde aber erst jetzt die Zeit, ihm ein paar
    Zeilen zu widmen.
    Reichlich spät, denn der politische Verfolgungswahn lebensgefährlicher Produkte
    wie Tabakerzeugnissen hat dazu geführt, dass kleine Produzenten wie Hans oder
    Tom Darasz von TAK das nun vorgeschriebene Track-and-Trace-System für ihre
    Waren nicht selber stemmen können und sich mit einem großen Produzenten,
    in diesem Fall Kopp, wer sonst, zusammentun und damit den Versand, und teilweise
    die Produktion, auslagern.
    Dies führte bei HU zu einer Reduktion des Programms, dem auch die Clans of Scotland-
    Serie zum Opfer fiel. Dieses Review ist also mehr oder weniger ein Nachruf auf diesen
    Tabak, aber wer weiß, vielleicht kommt er nochmal zurück. Ob es sich lohnt, ihm
    nachzutrauern oder auf eine Rückkehr zu hoffen, versuche ich hier zu klären.


    Hans Prosa von der HU-Seite zum Tabak:
    „MacLochain stellt eine schöne Melange aus Virginia, Latakia und english
    Black Cavendish dar, welche mit den blumigen Aromen von Geranien und einem
    Tupfer von Vanille und Honig veredelt wurde. MacLochain ist eine Hommage an
    die wilden Geranien, welche an den Ufern des Tweed Kelso wachsen.
    Das Ergebnis ist ein ungewöhnliche Blend mit markant floralen Aromen, die durch
    ihr facettenreiches Zusammenspiel dem Blend einen besonderen Schliff verleihen.
    Long story short: blumige Noten gepaart mit rauchigem Latakia.
    Eine außergewöhnliche Kombination, die für einen (ent)spannenden Tabakgenuss sorgt.“

    Nach dem Livinghardt war ich erstmal bedient von Aromaten, die es eh schwer haben,
    sich bei mir einen Platz in der Tabakbar zu erstreiten. Gerade Aromatisierung und
    Latakia, da kam bisher nichts an dem Bob seinen Schokoladen-Flake ran.
    Aber unmöglich ist nichts…


    Tabakbild

    Aus der Dose von Anfang des vorletzten Jahres strömt ein intensiver floraler Duft nach
    Geranien, wie man ihn vom Schneiden der beliebten Balkonblümchen kennt. Er wird
    unterstützt von einer dänischen Grundsüße, die ich mal als Casing abtue. Oder es sind
    die von Hans angegebenen Aromen Vanille und Honig. Natürlich ist die Rauchigkeit
    des Latakias ebenfalls ein Big Player im ersten Eindruck.
    Mir gefällt der Geruch, aber ich finde ja auch den Ennerdale toll.

    Der Schnitt ist schon recht wild mit hellen Stücken in einer eher dunkelbraunen
    Mischung, farblich finde ich sie sehr ausgewogen. Ich erwarte keine Schwierigkeiten
    beim Stopfen des Rauchholzes.


    Ab in die Pfeife…

    Je nach Kopfgröße habe ich versucht, möglichst die Drittelmethode beim Stopfen
    anzuwenden. Bei der VAUEN mit dem kleineren Volumen habe ich eher eine
    Halb-Halb-Methode mit Krümelung durchgezogen.

    Links Pfeife 2: Oldenkott Rubin 312; Mitte Pfeife 1: VAUEN De Luxe 6081; Rechts Pfeife 3: Peterson Donegal Rocky X105.3


    Nummer

    1

    2

    3

    Marke

    VAUEN

    Oldenkott

    Peterson

    Bezeichnung

    De Luxe 6081

    Rubin 312

    Donegal Rocky X105.3

    Typ

    Full Bent Bulldog

    Straight Rhodesian

    Straight Billiard

    Volumen

    7,5 cm³

    11,5 cm³

    12 cm³

    Kleineres

    Größeres

    Größeres

    Durchmesser

    19 mm

    21 mm

    19 mm

    Filter

    9 mm Meerschaum

    Ohne

    9 mm Meerschaum

    Tabakmenge

    2,9 g

    3,7 g

    3,3 g

    Packmethode

    Halbe/Halbe?

    Drittel-Methode

    Drittel-Methode

    Nachfeuern

    1

    0

    2

    Abbrand

    Gut

    Gut

    Gut

    Pfeifenkopf

    Teilweise heiß

    Teilweise heiß

    Teilweise heiß

    Glimmdauer

    54 min

    1 h 19 min

    1 h 17 min

    ~ 19 min/g

    ~ 21 min/g

    ~ 23 min/g

    Kondensat

    Kaum

    Kaum

    Kaum

    Reinigung

    Normal

    Normal

    Normal


    Der Tabak wurde bei mir in der Dose in einer Atmosphäre mit einer relativen Luftfeuchte
    von rund 80% gelagert. Mir erschien er stets frisch, auch wenn fast neun Monate zwischen
    den Rauchopfern lag, vielleicht etwas zu feucht. Das Stopfen viel mir bei dieser Mischung
    nicht so leicht, sind doch schon was größere Stücke darin. Die kleine VAUEN war da
    schon eine Herausforderung.
    Das Anzünden der Pfeifen war stets einwandfrei, der Tabak nahm die Flamme umgehend
    an und mir gelang es bei der Oldenkott ohne Filter sogar, auf ein Nachzünden zu verzichten.
    Das ist schon selten.
    Vom Start weg gab der Tabak einen voluminösen, konzentrierten Rauch ab, der aus einer
    vollen Ladung floraler Aromen á la Geranie bestand, abgerundet durch die cremige
    Weichheit des Anteils an Latakia und dieser dänischen Süße. Schon sehr lecker.
    Über den Rauchverlauf wird der Tabak etwas schärfer, wobei er nie die Zunge reizt, eher
    kommt was Pfeffer hinzu und die Süße lässt etwas nach. Das Geranien-Aroma hält
    tatsächlich den gesamten Pfeifenkopf durch und bleibt neben der Rauchigkeit im Mund.
    Er sottert nicht, benötigt aber viel Pflege in Form des Nachstopfens. Dies wird wohl dem
    wilden Schnitt geschuldet sein.

    Obwohl ich ihn in der tropischen Feuchtigkeit gehalten habe und er gerade bei der letzten
    Verköstigung schon etwas klamm war, hinterließ er in den Pfeifen kaum Feuchtigkeit,
    die verwendeten Filter waren nicht sonderlich feucht und der Pfeifenreiniger nicht über
    Gebühr verschmutzt.
    Die Asche war hellgrau und feinpulverig, es waren nur sehr wenige verkohlte Stückchen.

    Resümee

    Wie bereits am Anfang angemerkt ist der MacLochain aus der Clans of Scotland-Serie
    von HU Tobacco leider nicht mehr verfügbar. Leider? Ja, leider, denn mir schmeckt er
    überraschenderweise, bedenkt man meine negativen Erfahrungen mit dem Livinghardt,
    oder gerade nicht überraschend, kennt man meine Vorliebe für florale Tabake wie den
    Ennerdale von Gawith & Hoggarth oder den Bulldog oder Former’s Private von DTM.
    Ich hatte den Eindruck, er würde sich in eher kleineren Pfeifen wohler fühlen. Wie der
    Livinghardt schmeckte er in der VAUEN am besten, brannte darin auch schneller ab.
    Insgesamt ist es ein schnell glimmender Tabak.
    Er ist für mich zumindest ein Garten-, Grill- oder Wandertabak, denn in der Bude
    hinterlässt er einen für mich zwar herrlich weichen Stallgeruch mit fauler Note, für
    Umstehende wie meine Frau aber eine Zumutung.
    Er benötigt etwas mehr Stopfarbeit, brennt aber toll ab und hinterlässt wenig Schmutz.
    Heißgeraucht ändert sich sein Charakter kaum, er ist sehr gutmütig.
    Für mich ein toller Aromat, den ich kaufen würde, würde es ihn noch geben…

    Bewertung:

    Geschmacksintensität: Laue Luft / Nett, aber dünn / Ausgeglichen / Dicht / Überwältigend

    Nicotin-Punch: Cola / Milchkaffee / Schwarzer Tee / Doppelter Espresso / Kaffeeinstantpulver mit dem Suppenlöffel

    Aromatisierung: Taschentuch unparfümiert / Frisch gewaschene Wäsche / Kuchen im Backofen / Duftbaum / Teermaschine

    Raumnote: Blümchen / Neue Ledergarnitur / Tabakfabrik / Wohnzimmer-Lagerfeuer / Scheidung

    Zungenaggressivität:   Glas Milch / Prickeln / kurzer Zungenstress / langzeitiger Zungenstress / kurzer Zungenbrand / langzeitiger Zungenbrand

    Empfehlung: Besser nicht probieren / Kann man probieren / Sollte man probieren / Muss man probieren / Wer nicht probiert ist selber schuld

    "Every morning I wake up thinking, 'Good, another 24 hours of smoking'"

    - J.R.R. Tolkien - 1966 -