HU Tobacco - Nebari (Community Tobaccos)

    • Offizieller Beitrag

    HU Tobacco

    Community Tobaccos

    Nebari

    Nun musste ich mir nach den letzten Blends überlegen, ob ich mit ein paar
    Curlies weitermache oder eine weitere Kreation aus Hause HU unter die
    subjektive Lupe lege. Hans Curly Kreationen haben mich mit ansteigender
    Begeisterung belegt und die Cabbie’s ist mal auch nicht schlecht, aber nach
    der Zungenbräunung wollte ich erst einmal wieder in sicherere Gefilde zurück.
    Wenn der Hans dann noch mit unserem Forenkollegen Hösy eine Orientmischung
    entwickelt, ist die Entscheidung, was als nächstes in die Pfeife kommt, wohl
    gefallen. Das Angebot solcher Mischungen ist überschaubar und zumindest lässt
    Hans Beschreibung auf eine ordentliche Orientmenge schließen:

    „Der „Nebari“ ist ein kontrastreicher Orientblend, welcher durch Virginia und
    Burley ready rubbed Tabake, Cube Cut Anteile und ordentlich Perique herrlich
    ergänzt wird und alle Facetten eines interessanten Tabakblends zu zeigen versteht.
    Mr. „Bonsai Pipe“, Tobias Höse, und ich haben uns mit dem „Nebari“ den Luxus
    gegönnt, uns rein von unserem Geschmack leiten zu lassen um einen Blend für uns
    Zwei zu kreieren. Das Ergebnis hat uns aber so überzeugt, dass wir Ihnen den
    „Nebari“ nicht vorenthalten wollen. Steigen Sie ein in den Balkanexpress
    „Nebari“ und nehmen Sie Fahrt auf Richtung süß–würzigem Genuss. Tobi und ich
    wünschen Ihnen viel Spaß.“

    Den Flanagan-Flake von HU und DTM, der ebenfalls auf Orientbasis hergestellt
    wurde, fand ich vor ein paar Jahren ganz gut, aber über den Rauchverlauf etwas
    langweilig. Mal sehen, ob mich der Nebari eher anspricht…

    Tabakbild

    Der erste Blick in die Dose ergibt zwar ein eher hellbraunes Blattgut, aber beim
    näherem Hinsehen fallen schon einige dunkele aufgerubbte Flake-Reste und
    wenige ebenfalls dunklere Tabakwürfelchen zwischen den etwas gröber
    geschnittenen hellen Blättchen auf.

    Der Geruch, der beim Öffnen aus der Dose strömt, erinnert mich an die ersten
    Dosen des Peterson Sherlock Holmes die ich geraucht hatte, so ein orangiger
    Virginia-Duft, hier aber würziger. Also ein fruchtig-blumiges Profil.

    Aus der Dose fühlt sich der Tabak sehr trocken an, scheint aber am Ausgangs-
    material zu liegen, denn nach Wochen im Glas stellt sich doch noch eine
    „normale“ relative Luftfeuchtigkeit ein. Trotzdem zerbröselt der Tabak leicht,
    fasst man ihn zu grob an.


    Ab in die Pfeife…

    Der Tabak ist relativ leicht portionierbar und da gebe ich bei allen Pfeifen an die
    Drittelmethode den Stoff einmal locker bis oben an rein und füge noch zwei
    Päckchen nach. In der Stanwell führt das zwar zu einem etwas strafferen Zug, in
    der oFi habe ich dafür einen sehr leichten. Vielleicht muss man doch etwas auf
    die kleinen Würfelchen aufpassen, die könnten mal der Kanal verstopfen.
    Brennen tun sie aber alle gut, abgesehen von meiner Dottel-Fertigung in den oFis.
    Da muss ich dran arbeiten, an dieser „Luftsack-Methode“…

    Nummer

    1

    2

    3

    Marke

    Stanwell

    Bentley

    Bentley

    Bezeichnung

    Pipe of the Year 2003

    Pipemaster Former`s Design

    Chestnut 5-0.01

    Pipemaster Former`s Design

    Dark Relief

    5-9.15

    Typ

    Half Bent Pot

    London

    Straight Army Billiard/Brandy

    Volumen

    10,5 cm³

    9,0 cm³

    10,5 m³

    Gut mittleres

    Mittleres

    Gut mittleres

    Durchmesser

    20 mm

    20 mm

    20 mm

    Filter

    9 mm Meerschaum

    Ohne

    9 mm Meerschaum

    Tabakmenge

    4,0 g

    3,3 g

    4,4 g

    Packmethode

    Drittel

    Drittel

    Drittel

    Nachfeuern

    2

    4

    1

    Abbrand

    Sehr gut

    Dottel

    Sehr gut

    Pfeifenkopf

    Warm

    Warm

    Warm

    Glimmdauer

    1 h 33 min

    1 h 32 min

    1 h 28 min

    ~ 23 min/g

    ~ 28 min/g

    ~ 20 min/g

    Kondensat

    Wenig

    Etwas mehr

    Wenig


    Nach dem recht unproblematischen Anzünden geht dann auch die Ähnlichkeit mit
    dem Sherlock Holmes gleich dahin, es setzt sich sofort die Würze durch, nicht
    Kentucky-artig, sondern eher eine Mischung aus Virginia, Burley und Perique,
    ohne dass einer vortritt, sehr „fleischig“ oder „blutig“, eine Ladung Umami.
    Ich kann nur wenig Süße feststellen, aber auf jeden Fall viel Geschmack. Der
    rührt aber nicht von der leichten Schoki-Aromatisierung her, die kann ich nicht
    erschmecken, die kuschelt sich zu sehr an die Burleys ran, so wie beim Nyala,
    bei dem ich auch überzeugt bin, dass er sowas mit sich rumträgt.

    Es entsteht schnell eine feine weiße Asche, die verstrichen werden will. Auf diese
    muss man auch aufpassen, sie verteilt sich beim Quatschen gerne im Raum, wenn
    man nicht aufpasst und etwas Luft die falsche Richtung bläst.

    Der Burley scheint sich dann etwas nach vorne zu drängen, aber nicht schokoladig-
    nussig, sondern mit bitterer Streng. Dem Tabak tut es gut, wenn man ab und zu
    durch die Pfeife „atmet“, dann erzeugt er ein großes Volumen, der Perique
    steuert dann nicht Frucht, sondern Pfeffer bei. Dabei ist der Tabak überhaupt nicht
    scharf, die Zunge wird geschont.
    Nach einem Drittel kommt etwas Erde hinzu und mit etwas holzigen Untertönen
    erinnert er mich an gebeiztes Eichenholz. Die Pfeife kann abrupt ausgehen, ganz
    ohne Anmeldung, gerade noch Schornstein, dann plötzlich erloschenes Lagerfeuer.
    Schön ist, dass er keinerlei Geschmackseinbußen beim Nachfeuern hat, auch wenn
    man ihn heißraucht nicht, es wechseln sich nur die Vorturner etwas ab. Doch im
    letzten Drittel ist dies eindeutig diese bittere Strenge, die sich durchsetzt und die
    ich dem Burley/Orient-Anteil zuordne, können der MacBaren HH Burley Flake,
    der HU Tobacco Nyala und der HU Tobacco White Horses das auch ganz gut.
    Burley kann ein Spielverderber sein…
    Diese Strenge zieht sich auch durch das letzte Drittel bis zum Ende. oFi fällt mir
    diese „fleischige Strenge“ gleich von Anfang an auf, da hat man noch einen
    fauligen-muffigen Nachgeschmack dabei, der nicht uninteressant ist. Alle Pfeifen
    brennen so unterschiedlich lange, dass ich nicht wirklich was zur Ergiebigkeit
    sagen kann, hängt scheinbar stark von der Stopfung und dem Cube-Anteil ab.

    Übrig bleibt eine sehr feine, perlige Asche fast ohne verkokelte Tabakreste, die
    Pfeife ist trocken, ein verwendeter Filter normal feucht, kaum verfärbt.

    Die Raumluft ist eher dezent, die Virginia-Süße ist präsent. Aromatisch schon recht
    fordernd und dicht, ist er auf der Schwindelerregungsskala gut mittelstark.

    Resümee

    Auf diesen Tabak hatte ich mich gefreut, ist er doch im Zusammenspiel mit
    Tobias entstanden und häufig in seinen schönen Pfeifen. Auf der anderen Seite
    habe ich für mich feststellen müssen, dass weder große Mengen Kentucky, noch
    selbige an Orient mich wirklich hinter dem Ofen hervorlocken können.
    Auch wenn dieser Tabak qualitativ wieder eine sehr hohe Latte anlegt, ist er nicht
    so mein Geschmack. Ich finde Burley/Oriental-Umami ganz nett und interessant
    auf der Zunge, mich persönlich überfrachtet er aber, sodass mir die zweite Hälfte
    der Pfeife etwas zu monoton streng vorkommt. Ich kann mir aber gut vorstellen,
    dass Kollegen, die den Flanagan oder aber auch den Pesse Canoe Oriental Flake
    mögen, sich von der hohen Qualität dieser gewitzten Mischung für derzeit 13,60€
    die 50g überzeugen lassen (sollten).

    Bewertung:


    Geschmacksintensität: Laue Luft / Nett, aber dünn / Ausgeglichen / Dicht / Überwältigend

    Nicotin-Punch: Cola / Milchkaffee / Schwarzer Tee / Doppelter Espresso / Kaffeeinstantpulver mit dem Suppenlöffel

    Aromatisierung: Taschentuch unparfümiert / Frisch gewaschene Wäsche / Kuchen im Backofen / Duftbaum / Teermaschine

    Raumnote: Blümchen / Neue Ledergarnitur / Tabakfabrik / Wohnzimmer-Lagerfeuer / Scheidung

    Zungenaggressivität: Glas Milch / Prickeln/kurzer Zungenstress / langzeitiger Zungenstress / kurzer Zungenbrand / langzeitiger Zungenbrand

    Empfehlung: Besser nicht probieren / Kann man probieren / Sollte man probieren / Muss man probieren / Wer nicht probiert ist selber schuld

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Genossinnen und Genossen,


    zum International Pipe Smoking Day wollte ich mich nicht lumpen lassen
    und habe mal ein Review in der Woche eingestellt. Auch wenn diese
    Wiedemann & Hösy-Kreation mich nicht so packen kann, bin ich sicher,
    dass hier der ein oder andere Orient-Liebhaber seinen IPSD-Stoff für
    dieses Jahr finden kann.

    Einen schönen internationalen Pfeifenraucher-Tag
    wünsche ich Euch

    Thorsten

  • Hallo Genossinnen und Genossen,

    …bitte keine Wahlbeeinflussung….8o

    Vermutlich wolltest du GeniesserInnen schreiben…;)

    Tja, Thorsten, wieder mal ein umfangreiches Review… und ich fasse mich mal kürzer…an sich sehr guter Tabak, speziell für ZeitgenossenInnen, äh, ZeitgeniesserInnen die gerne nippen für die ganze Geschmacksvielfalt…mir ist er leider zu viel Bruder Leichtfuß.

    Alles im „Bonsai“ Format - der Name ist Programm.

    Happy puffing

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)