1. Einleitung
Der Gladora Pesse Canoe Latakia Flake 40 ist eine klassische Dreier-Komposition aus Virginia, Latakia und Orient, mithin die traditionelle Trias, auf der die meisten englischen und Balkan Blends fußen. Das Besondere bei den Gladora Blends ist, daß deren Rohtabake vollständig aus türkischen Anbaugebieten stammen. Interessanterweise hat Gladora ursprünglich ausschließlich Hookah-Tabak hergestellt.
2. Optik & Schnitt
Die Flakes sind dunkelbraun bis schwarz, durchzogen von goldenen Virginiastreifen und hellerem Orienttabak. Das Gefüge wirkt weniger elegant als bei den klassischen Dunhill-Flakes, ist aber sorgfältig und fest gearbeitet. Die etwas höhere Grundfeuchte legt ausgiebiges Antrocknen vor dem Stopfen nahe. Der Tabak wird zur besseren Einordnung im Folgenden mit den klassischen Blends Dunhills verglichen.
3. Kaltaroma
Das Aroma aus der Dose zeigt sofort die Trias:
- Virginia: helle Süße, Heu, Zitrus, eine leichte grasige Note.
- Latakia: rauchig, holzig, aber eher weich als kräftig.
- Orient: würzig-floral, kräuterig, ätherisch
- Eine an Pflaumenwein erinnernde Saucierung ist sehr prominent.
Pesse Canoe 40 zeigt schon im Kalten ein komplexes Bild, in dem die Orientatabake eine deutliche, tragende Stimme führen. Ich würde ihn somit als Balkanflake einordnen.
4. Rauchverlauf
Anfang
Der Auftakt wird klar von den Virginias und dem Orient geprägt: frisch, zitronig, mit einer feinherben Würze. Latakia tritt zwar sofort auf, bleibt trotz 40% Anteil aber zurückhaltend – eher Rahmen als Hauptfigur. Der Eindruck: näher an Dunhill Durbar als an Dunhill Nightcap.
Mitte
Hier entfaltet sich der Aromabeitrag des Orient am stärksten. Er bringt Kräuter, florale Noten und eine sehr trockene, leicht mineralische Würze ein, die dem Rauchverlauf Struktur verleiht. Die Latakia-Komponente gibt eine gewisse Tiefe und Rauchigkeit, aber eher zurückhaltend. Die Virginias und eine stets wahrnehmbare Saucierung steuern eine dezente Grasigkeit und Fruchtsüße bei – Pflaume, Trockenfrüchte – die das Bild abrunden. Im Vergleich: Dunhill’s Standard Mixture Full legt hier schwerer und erdiger auf, während Pesse Canoe 40 zurückhaltender bleibt.
Ende
Zum Schluß treten Erdigkeit und eine dunklere Süße hervor, Latakia zeigt sich holzig-rauchig, während der Orient noch mit einer trockenen Würze nachhallt. Diese Mischung aus Rauch, Erde und feiner Würze verleiht dem Tabak einen distinguierten Ausklang.
5. Abbrand & Technik
Der Flake brennt langsam und gleichmäßig, verlangt jedoch Geduld. Ein Ablüften vor dem Stopfen erleichtert den gleichmäßigen Abbrand. Auffällig: selbst bei höherer Kadenz bleibt der Tabak kühl, wird nicht bissig und entwickelt keine Schärfe – eine Eigenschaft, die ihn von manch empfindlicherer Dunhill-Mischung unterscheidet.
6. Raumnote
Die Raumnote ist rauchig-würzig, holzig und schwer. Eine deutliche Duftnote nach abgebranntem Kamin macht den Rauchgenuß inkompatibel in Gesellschaft.
7. Vergleich & Einordnung
Der Latakia-Anteil (40 %) klingt nach Kraft, tritt aber sensorisch deutlich milder auf – ähnlicher vielleicht dem alten syrischen Latakia, mit seinem aromatischen, holzig-weinigen Ton, als dem teerig-kantigen Zyprioten, wie ihn Dunhill in späteren Jahren nutzte.
- Gegenüber Dunhill’s Nightcap: weniger Wucht und Volumen, vielleicht mehr Nuance.
- Gegenüber Dunhill’s London Mixture: ähnlich orientbetont, aber deutlich holziger, süßer und kräftiger.
- Gegenüber Dunhill’s Durbar: vergleichbare Struktur, jedoch mit enttäuschend schwachem Latakia-Aroma, dafür süßer.
- Gegenüber Dunhill’s My Mixtute 965: etwas leichter, weniger Latakiaaroma, weniger ölig und mit ungewöhnlicher Süße durch den gesamten Verlauf.
- Gegenüber Dunhill’s Standard Mixture: weniger erdig, weniger Katakuanote, stärker orientalisch akzentuiert.
8. Fazit
Der Gladora Pesse Canoe Latakia Flake 40 lebt im Wesentlichen von der Balance der drei Grundtabake: Die Virginias geben zitrische Süße und Struktur, die Orientals sorgen für Würze, Kräuter und florale Noten, der Latakia rahmt alles mit weichem, weinig-pflaumigen Rauch. Damit positioniert sich dieser Flake möglicherweise näher an den eleganten, syrisch anmutenden Klassikern der Vergangenheit (die ich nicht so gut kenne) als an den wuchtigeren, zypriotischen Balkan-Mischungen. Der Latakia überzeugt mich nicht - trotz volumenmäßig hohem Anteil. Man erhält den Eindruck, daß mit einer kräftigen, pflaumig-weinigen Saucierung der syrische Latakia der Vergangenheit nachgeahmt werden soll. Möglicherweise spielt auch eine Rolle, daß Gladora klassischerweise Shisha-Tabak herstellt. Den Hype um das Produkt kann ich nicht nachvollziehen.