HU Fayyum Special Cake - Rezension

  • Noch‘n Gedicht 😂.

    Ich hab so bummelig 30 in petto, alle für Tobacco Reviews geschrieben (dort natürlich in englischer Zunge) - soll keine Drohung sein 😉.

    HU Fayyum Special Cake - Rezension

    1. Einleitung
    Es gibt Mischungen, die nicht nur Tabakblätter vereinen, sondern eine Haltung verkörpern. Fayyum Special Cake von HU Tobacco ist eine solche Komposition aus Virginia, Black Cavendish Latakia und Kentucky. Wer diese Platten aus dunklen Strängen in den Händen hält, spürt sofort: hier spricht die Erinnerung an jene Epoche, in der Namen wie Sobranie oder Dunhill den Maßstab setzten und britische Mischungen als Inbegriff von Würde und Tiefe galten. Hans Wiedemann, der Blender hinter HU Tobacco, hat mit dem Tabak Großes geleistet. Wo heute vielfach künstliche Aromatisierungen dominieren, erhebt der Fayyum Special Cake den Anspruch, ein reiner, ehrlicher Blend zu sein: dunkel, vielschichtig, von gedrungener Kraft und mit jenem cremigen Fluß, der durch sorgfältige Pressung im Cake entsteht.
    So wird die Pfeife zur Bühne, auf der sich Geschichte ins Jetzt verlängert - und jeder Zug wie ein kurzer Blick in die holzgetäfelten Clubs, die mit schweren Ledersesseln gefüllten Bibliotheken und die rauchigen Londoner Tabakstuben längst vergangener Zeiten wirkt.

    2. Optik & Haptik
    Die aufgerubbelten Stücke des Cakes zeigen ein faszinierendes Farbspiel: tiefschwarze Latakia-Stränge, flankiert von dunkelbraunem Kentucky, schwarzem Cavendish und mittelbraunen Virginias. Das Ganze wirkt wie ein Mosaik aus Nacht und Erde, matt schimmernd und von öliger Konsistenz. Schon das Anfassen verrät: dieser Tabak ist dicht, gehaltvoll, fast fleischig.

    3. Kaltgeruch
    Beim Öffnen erhebt sich ein Duft von Rauchholz und Lagerfeuer, Teer und Harz, als beträte man die Halle eines englischen Landhauses, in deren Kamin seit Jahrhunderten ein Feuer lodert. Unter dieser rauchigen Wucht liegt ein dunkler, honigsüßer Grundton der Virginias, begleitet von einer erdigen Tiefe, die an Leder, alte Bibliotheksbände und herbstfeuchten Boden erinnert. Schon der erste Atemzug sagt unmißverständlich: hier tritt keine leichte Mischung an, sondern ein Blend von Gewicht.

    4. Rauchverlauf

    Anfang
    Die Flamme entfacht eine unmittelbare Präsenz: Latakia und Black Cavendish erheben sich wie eine Orgel, deren Pedalregister voll und tief ertönt. Rauchige Harznoten füllen den Gaumen, die Virginias glimmen darunter wie goldene Glut, sanft süß und fruchtig. Schon hier zeigt sich die Eigenart des Cakes: alles wirkt dichter, verschmolzener, weniger kantig als in einem Ribbon Cut.

    Mittelteil
    Im weiteren Verlauf öffnet sich ein Panorama: alt-lederner Duft, Kaminfeuer, voluminöse Rauchigkeit, aufblitzende Noten, die an Weihrauch denken lassen. Die Virginias entfalten eine dunkel-weinige Süße, Kentucky steuert herbe, erdige Konturen bei. Die Rauchtextur ist cremig, beinahe ölig, und besitzt eine Gravität, die an lange gereifte Weine erinnert. Jeder Zug trägt Gewicht, ohne plump zu sein, vielmehr wie ein wohlgesetztes Wort in einem alten Buch.

    Ende
    Gegen Schluß sammelt sich der Tabak, bündelt seine Stimmen: die Süße tritt zurück, die erdige Würze gewinnt, das Rauchbild wird dunkler, fast herb. Es bleibt ein Nachhall, wie der letzte Klang einer tiefen Glocke - lang, ernst, getragen. Zurück bleibt grauweiße Asche, die würdevoll das Ende markiert.

    5. Abbrand & Technik
    Trotz seiner Wucht zeigt sich der Tabak diszipliniert: er brennt gleichmäßig, verlangt wenig Korrektur und belohnt einen ruhigen Rhythmus mit weicher Cremigkeit. Hektisches Ziehen hingegen läßt ihn herb und scharf werden; Bedächtigkeit ist der Schlüssel - dann zeigt er seine wahre Eleganz. Der Fayyum Special Cake liegt im oberen Mittelbereich der Nikotinstärke. Er gibt Nikotin in respektabler Menge, jedoch nicht überwältigend, sondern maßvoll.

    6. Raumnote
    Die Raumnote ist unverkennbar Latakia: Rauchholz, Harz, ferne Lagerfeuer, Weihrauch. Für Uneingeweihte mag sie zu herb sein; Kenner aber erkennen darin ein altes Siegel der Echtheit.

    7. Persönlicher Eindruck
    Ich empfinde den HU Fayyum Special Cake als ein Stück Tabakgeschichte, das in die Gegenwart hineingetragen wurde. Er ist kein alltäglicher Begleiter, kein beiläufiger Rauch für kurze Pausen. Er verlangt Zeit, Sammlung, vielleicht gar ein Glas Port bei einer stillen Stunde am Kamin. Doch wer ihm diese Zeit gibt, der wird reich belohnt: mit Tiefe, Dichte, Komplexität. Es ist, als spräche er eine aristokratische Sprache die man kaum noch hört, und die man doch sogleich versteht (Received Pronunciation), wenn sie wieder erklingt.

    8. Fazit
    HU Fayyum Special Cake ist mehr als eine Tabakmischung; er ist ein Bekenntnis. Ein Bekenntnis zum großen Latakia, zu jener dunklen, erhabenen Seite des Pfeifenrauchens, die nicht gefallen, sondern überzeugen will. Er steht in der Tradition ehrwürdiger britischer Klassiker und zugleich als modernes Werk, das zeigt: es gibt noch Blender, die nicht dem schnellen Gefallen nachjagen, sondern einer Haltung verpflichtet sind.

    Ein Tabak für Kenner, für geduldige Genießer, für jene, die im Rauch nicht nur Genuß, sondern auch Geschichte suchen.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

  • Hi Sven,

    100% Zustimmung, wenn auch etwas umfangreich-schwärmerisch, ein Grundproblem dieses Tabaks - dazu komm ich gleich…

    Ich hab auch einige Reviews bei den Amis verfasst (bei Interesse guckst du „Weisenheimer“), wenn auch nicht so lange Laudatien…;) …hab denen aber abgeschworen weil mir das mit dem VPN Client zu doof ist, dafür geb ich kein Geld aus. Außerdem ist die Zeit vorbei wo ich Reviews regelrecht mit Messer und Gabel verschlungen habe, des Weitern ist mein Keller mit meinen Favoriten rappelvoll, aufgeraucht etwa 2099 ;) Und so der echte Oberüberflieger ist mir, mit ganz wenigen Ausnahmen, die letzten Jahre nicht über den Weg gelaufen, und bitteschön welche „spektakuläre Neuheit“ will man noch erfinden ?

    Back to Fayyum:

    Ich hab selbst gesehen wie sich Hans erst mit einer, und wg. steigender Nachfrage mit einer zweiten Spindelpresse abgemüht hat, und trotzdem der Nachfrage meist hinterhergehinkt ist. Wenn wir auf einer Messe waren war der Bestand gleich weg…und vorher bettelnde Anrufe…“kannst du mir eine Dose auf die Seite legen?“

    Diverse Zeitgenossen von der Fraktion „viel Meinung und wenig Ahnung“ haben Hans vorgeworfen eine künstliche Verknappung zu betreiben, um den Tabak noch legendärer zu machen und zu hypen, analog dem ominösen Penzance. Das war natürlich völliger Blödfug…

    Dementsprechend hat man den nicht minder sehr guten regulären Fayyum etwas links liegen lassen. Ich persönlich würde einen Blindtest zwischen beiden nicht bestehen, zumal hier ja auch noch andere Parameter mit reinspielen.

    Mit Latakias jedweder Herkunft und Machart halte ich es pers. so, egal ob Vakuumdose, Katzenfutter Ringpull oder Farbenblechbüchse, Flake, Kake oder Ribbon statt taufrisch erst mal ein paar Monate liegen zu lassen. Geschadet hat es keinem, eher im Gegenteil…:)

    Happy puffing

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

    Einmal editiert, zuletzt von Rainer (11. November 2025 um 20:18)

  • Glücklicherweise läßt Hans Wiedemann ja nun bei Kopp produzieren, genau wie Tom Darasz von TAK.

    Die meisten Tabake von Hans waren ursächlich 26602… und für seine Leidenschaft für Flakes konnte er mit Herrn Mund von DTM einen „Komplizen“ finden (sowie für einige, teils grauslige Aromabomben) Die seinerzeitigen Kohlköppe hatten da noch keine Flakepressen, und sämtliche Presstabake aus dem umfangreichen Sortiment kamen aus Dänien/STG in unetikettierten Dosen, was dazu führte dass manchmal in Rellingen die falschen Etiketten draufgebappst wurden…;) ist glaub ich mit div. Astleys passiert…egal…da Kopp (ohne Kohlhase) nun auch eigene Flakepressen gekauft hat mag sich manches geändert haben, Details weis ich aber nicht.

    Die TAKs und ich wurden nie so recht Freund. Herr Motzek hatte noch eine Lizenz zum Tabakmischen, und somit auch seine eigene Steuernummer…nun alles Geschichte, und schade für die Nachwelt dass es den „Strang“ nimmer gibt. Frisch „ab Werk“ noch zu nass und zu „grün“, aber der ideale Kandidat ihn in Wurstdosen einzusperren…😋

    Happy puffing

    Rainer

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  • sämtliche Presstabake aus dem umfangreichen Sortiment kamen aus Dänien/STG in unetikettierten Dosen, was dazu führte dass manchmal in Rellingen die falschen Etiketten draufgebappst wurden…;) ist glaub ich mit div. Astleys passiert

    Sicherlich mehrfach eine hübsche Überraschung für jeden Astley-Freund... :batman_lol:

    ------------------
    Gruss, Phil - Sounds mean nothing without music (Jerry Goldsmith, film composer) | Pipes mean nothing without a silver ring... (Phil, Pete smoker)

  • ist glaub ich mit div. Astleys passiert…

    Mir vor einiger Zeit mit dem Larsen 50...habe ihn zurück zu meinem Stammdealer gebracht und der hat die Verwechslung bestätigt und durch eine Dose neuerer Charge ersetzt, die dann wieder OK war :)

    Fehler passieren... Richtig sauer wurde ich beim 3 Nuns, bei dem einfach aus Kostengründen die Mischungsbestandteile grundlegend geändert wurden (nach und nach Kentucky statt Perique) , ohne expliziten Hinweis ||

    Beste Grüßé - Manni

    pfiffig kommt von Pfeife...

  • Hallo Manni,

    ... beim 3 Nuns ... Mischungsbestandteile grundlegend geändert ... ohne expliziten Hinweis ||

    Dafür gibt's inzwischen bzw. gab's zwischenzeitlich mal insgesamt neun Nonnen (3x gelb, 3x grün und 3x farblos). Da kann man schon m,al durcheinanderkommen ;)

    Beste Grüße

    Rolf :)

    Bevor man eine Frage beantwortet, sollte man immer erst eine Pfeife anzünden. Pfeiferauchen trägt zu einem einigermaßen objektiven und gelassenen Urteil über menschliche Angelegenheiten bei.– A. Einstein rauch10t5rz3.gif

  • Das Thema 3N (Gebetsmühle) hatten wir ja schon mal früher näher behandelt, incl. die Info‘s aus Amerikanischen Quellen wo man sehen kann dass da früher auch schon rumgemauschelt wurde.

    Three Nuns & The Shrieks of No Perique!
    Kevin Godbee There are certain pipe tobacco blends that have been around for decades, and a few for over a century. Several of us pipe smokers might consider…
    pipesmagazine.com

    Kurz: Unangekündigte Mischungsänderungen sind kein Relikt der Neuzeit, das war früher schon so…signifikant auch der Wechsel der London made Dunhills nach Murrays/Belfast so vor ca. 45 Jahren…

    Happy puffing

    Rainer

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  • Na gut daß ich erst vor 44 Jahren eingestiegen bin :P

    Knapp daneben ist auch vorbei…;)

    Ich bin nun weis Gott nicht der „früher war alles besser“ Typ (für Inschinöre mit Innovationsambitionen gehört sich das nicht, gell? ;)), aber die London made Dunhills waren schon sehr, sehr gut. Mein Physiklehrer hatte mich auf den Pfad der Tugend (der Latakias…) geführt, nachdem ich mir mit Sweet Dublin das Maul verbrannt hatte. Seine Favoriten waren EMP und Nightcap, sowie Red Rapparee und Black Mallory, damals noch aus Perth… und die Dunhills wurden dann auch meine, sowie die Sullivans Gentleman‘s Mixture. Also quasi 100% auf Latakias. Die 3 Nonnen fand ich damals fürchterlich, und der Royal Yacht eine Zumutung…;)

    Tempus fugit

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

  • Aus dem Dunhill Sortiment habe ich über die Zeit alle Hersteller-Versionen geraucht: Dunhill, Murray, Orlik, STG, Peterson.

    Ich mochte sie alle - auch die rezenten Peterson- Versionen, die ja dem STG-Rezept entsprechen.

    Natürlich gab es immer kleinere Änderungen, die ich allerdings nie als gravierend empfunden habe und die m.E. nicht signifikant über Chargenschwankungen lagen. Ähnlich wie bei etablierten Tee- oder Kaffeemischungen blieb m.E. das Wesentliche relativ konstant.

    Natürlich war früher alles besser 😉. Je älter ich werde, desto häufiger ertappe ich mich bei dem Gedanken 🤔.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

  • Ich bin nun weis Gott nicht der „früher war alles besser“ Typ (für Inschinöre mit Innovationsambitionen gehört sich das nicht, gell?

    Hmja - mein "Nachfolger" hatte neulich eine Frage zu einer US-Norm AMS.... und die Antwort selbst schon per KI gesucht - meine war: Kann nicht sein, diese Norm beginnt erst bei 0,5 inch....diese Antwort hat er dann der KI geschrieben und die ihren Fehler bestätigt (immerhin !) ;)

    "Engländer" rauche ich ebenfalls (neben Atomaten ;) ) seit meinem Raucherbeginn (da in LUX damals sehr billig), eine Versaubeutelung wie bei den 3 Nuns ist mir aber sonst nicht untergekommen X/ - vielleicht der Plumcake, aber den habe ich nicht so oft geraucht.

    Hoffe mal daß die Rente noch so gut wie früher ist :P - Manni

    pfiffig kommt von Pfeife...

  • Wer Atomaten sagt muss auch Btomaten sagen…:P

    Tja, Manni, so ist das heut mit de junge Leut…sehr Computeraffin. Einer der Renner ist Factsage…wir konnten das noch mit Erfahrung bewältigen…

    Erinnert mich an die Zeit wo die ersten Taschenrechner rauskamen. Es hat nicht lang gedauert und man hat 3+5 eingetippt…;)

    Happy puffing

    Rainer

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