Für Jens (Preusse):
1. Einleitung
Der Squadron Leader aus dem Hause Samuel Gawith gilt als eine der großen Konstanten im Reigen klassischer „English Mixtures“. Seit Jahrzehnten geschätzt, repräsentiert er jene traditionelle Tabakkunst, die weniger auf Wucht und Spektakel zielt, als vielmehr auf Balance, Noblesse und Alltagstauglichkeit.
2. Optik & Schnitt
Der Tabak präsentiert sich als heller bis mittelbrauner Ribbon Cut mit eingestreuten dunklen Strängen von Latakia und gelegentlichen Broken-Flake-Partikeln. Schon beim Öffnen der Dose begegnet dem Raucher ein kühler, würziger Duft: Heu und Brotkruste aus den Virginias, harzig-zitrische Orientnoten und ein zurückhaltend rauchiger Akzent des Latakia. Die Feuchtigkeit ist bei Samuel Gawith traditionell etwas höher, weshalb ggf. eine kurze Antrocknung ratsam erscheint, um gute Zündung und problemloses Abbrennen zu begünstigen.
3. Technik
Das Stopfen gelingt unkompliziert, das Entzünden erfordert keine Kunstgriffe. Einmal entzündet, brennt der Tabak langsam und gleichmäßig nieder, zurück bleibt feine, helle Asche. Zungenfreundlich und gänzlich ohne Schärfe, beweist der Squadron Leader eine ausgesprochene rauchtechnische Zuverlässigkeit.
4. Rauchverlauf
Anfang
Zu Beginn tritt der Orientabak mit seinem würzig-harzigen, teils leicht zitrischen Facetten hervor, während der Latakia als subtil rauchiger Grundton die Tiefe markiert.
Mitte
Im Mittelteil erblühen die Virginias mit sanfter Süße und einem brotig-cremigen Fundament, das die Komposition abrundet. Die Mischung wirkt nie fordernd, sondern von leiser Eleganz.
Ende
Im Finale zieht sich die Süße etwas zurück, die Würze gewinnt an Boden, ohne in Bitterkeit zu verfallen.
Der Rauchverlauf ist betont ausgewogen, das Geschmacksbild bleibt stets kultiviert, frei von Ecken oder Übertreibung.
5. Raumnote
Der Raumduft ist zurückhaltend: trocken-würzig, klar „englisch“ geprägt, für den Pfeifenraucher angenehm, für Außenstehende indes eher gewöhnungsbedürftig.
6. Stärke
Der Squadron Leader bewegt sich im milden bis mittelkräftigen Bereich. Der Nicotingehalt ist maßvoll und erlaubt es, die Mischung bedenkenlos als Alltagsbegleiter zu wählen.
7. Einirdnung & Vergleich
Im Spektrum der englischen Mischungen nimmt der Squadron Leader eine vermittelnde Stellung ein:
• Weniger rauchschwer und opulent als stark latakialastige Blends (z.B. Dunhill’s Nightcap).
• Würziger und charaktervoller als viele leichtere Orientmischungen (z. B. Dunhill‘s Early Morning Pipe).
• Kultivierter und ausgeglichener als manch moderne, aromatisch gefärbte und mit großen Dosen Propylenglycol getränkte US-Variante.
Verglichen mit der hausinternen Skiff Mixture wirkt der Squadron Leader etwas geerdeter und weniger ätherisch-leicht; im Verhältnis zu Samuel Gawith‘s Perfection fehlt hier die bei englischen Mischungen eher ungewöhnliche, dezente Vanille-Note, was ihn etwas strenger und wiederum klassischer erscheinen läßt. Eine gewisse Ähnlichkeit mit Dunhill's London Mixture oder Standard Mixture fällt auf.
8. Fazit
Samuel Gawith’s Squadron Leader ist ein Lehrstück traditioneller englischer Tabakmischkunst: elegant, unaufdringlich, zuverlässig und von kultivierter Ausstrahlung. Wer die leisen Töne einer ausgewogenen Mischung zu schätzen weiß, findet hier einen Tabak, der sich über Jahrzehnte bewährt hat und gleichsam als Maßstab für das Genre gelten darf.