HU Zulu - Rezension

  • 1. Einleitung
    HU Zulu tritt auf die Bühne nicht als bloße Reminiszenz an die englische Schule, sondern als eigenständige, kraftvolle Variante innerhalb der von HU Tobacco gepflegten „African Line“. Seine Rezeptur - Latakia, Kentucky, Burley, Louisiana Périque und Orientabak - ist klar im Geiste der Balkanmischungen verankert, also jener klassischen Strömung, in der der Orienttabak als tragendes Fundament Virginia überragt und die rauchige Präsenz des Latakia zur Hauptstimme erhebt. Damit versteht sich Zulu, bei aller Eigenwilligkeit, als ein Balkan Blend, der weniger auf süße Helligkeit als auf erdige Tiefe zielt.

    2. Optik & Schnitt
    Die Mischung zeigt einen gleichmäßig-ribbonartigen Schnitt; dunkle Latakia- und Kentucky-Partien dominieren, durchsetzt von braunen Burley-Streifen und gelb-grünlichem Orient. Das Erscheinungsbild ist gediegen und kräftig.

    3. Kaltaroma
    Aus der Dose steigt ein Geruch, der an verkohltes Holz und Rauchschwaden erinnert, dazu würzige und dunkelfruchtige Untertöne. Diese Nase weist ihn klar als Vertreter der Balkan-Schule aus, wo Tiefgründigkeit über Gefälligkeit gestellt ist.

    4. Rauchverlauf

    Anfang
    Dunkel, torfig, voluminös - rauchig-harziger Latakia formt das Fundament, flankiert von erdigem Kentucky und der würzigen, fruchtig-säuerlichen Pfeffrigkeit des Périque ergibt sich eine weihrauchartige Note.

    Mitte
    Die Burley-Komponente tritt auf, rundet ab und bringt eine herbe adstringierende Note, die an Van Houten Cacao erinnert, ein. Orientals geben, diskreter zwar, eine trockene, ätherisch-balsamische Würze. Der Zulu bleibt dabei stets schwerer und rustikaler als die klassischen englischen Balkans.

    Ende
    Bis zum Schluß hält die Mischung ihre rauchige Intensität, eine diskrete süß-saure Fruchtigkeit mit einem kräftigen, erdigen Finale.

    5. Abbrand & Technik
    Zulu brennt verläßlich, mit beständigem Glimmverhalten, seltenen Nachzündungen und sauberem Aschebild.

    6. Raumnote
    Die Raumnote ist rauchig, würzig und präsent - ein Tabak, den Mitmenschen in tabak-permissiver Gesellschaft ertragen können, der aber zweifellos eine gewisse Toleranz erfordert.

    7. Vergleich & Einordnung
    HU Zulu steht in der Traditionslinie der englischen Balkan-Blends, nimmt aber eine eigene Stellung ein. Vergleicht man ihn mit jenen zeitgenössischen Mischungen, die sich an dem dahingeschiedenen „heiligen Gral“ Sobranie 759 orientieren - etwa Huber English Balkan, Zander Balkan Sobranie oder Falkum Free Minds No. 1 - so fällt auf:

    • Huber English Balkan weicht von der klassischen Balkanmischung ab, insofern als er keinen Orient, das eigentliche Leitmotiv des Balkanblends, enthält.
    • Zander Balkan Sobranie bemüht sich um eine fast museale Annäherung an das Original, wirkt dabei aber süßer und etwas leichter zugänglich.
    • Falkum Free Minds No. 1 ähnelt stark dem Huber und verzichtet ebenfalls auf Orient.

    HU Zulu dagegen zeigt ein etwas dunkleres, schwereres Gesicht: Périque und Kentucky verdichten das Bild, Burley ersetzt die süße Helligkeit des Virginia durch herbe Erdigkeit. So nimmt er im Reigen der Sobranie-Nachahmungen die Rolle des rustikalen Außenseiters ein - weniger Imitation, mehr Neuinterpretation. Ob er überhaupt als Sobranie-Nachahmung konzipiert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

    8. Fazit
    HU Zulu ist, bei aller Eigenständigkeit, ein Balkan Blend - doch einer von noch kräftigerem Kaliber, dunklerer Gestalt und erdiger Würze. Wer die klassisch-ätherische Linie von Sobranie 759 sucht, mag ihn als zu schwer empfinden; wer jedoch eine gewichtigere, tiefgründigere Alternative sucht, die Balkan-Tradition mit Latakia/Kentucky-Wucht und burleybasierter Bodenhaftung verbindet, wird in Zulu einen würdigen Gefährten finden.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

  • Hi Sven,

    danke fürs Review. Unter den ganzen HU-Afrikanern ist der Zulu seit Erscheinen mein pers. Favorit.

    Happy puffing

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

    Einmal editiert, zuletzt von Rainer (13. November 2025 um 13:52)

  • Prinzipielle Frage noch, Sven: Sind deine Reviews miFi oder oFi ? Thorsten als ehemaliger Reviewmeister hat da immer differenziert. Ich kam auf die Frage als ich sah dass du VN Pfeifen rauchst.

    Happy puffing

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

  • Hallo Rainer,

    Der Zulu ist neben dem Fayyum derzeit mein Favorit bei der HU Africa Line. Ich habe aber noch nicht alle durch.

    Für meine Rezensionen rauche ich die Tabake erst einmal mehrfach in einer grundgereinigten Keramikpfeife, um mögliche Einflüsse von Ghosting, Filter, Holz, Brennkammercake etc. auszuschließen.

    Später rauche ich teils miFi, teils oFi - ich habe da keine Präferenz und reserviere auch keine Pfeifen für bestimmte Tabake. Auch den Ennerdale oder Black XX rauche ich nach anfänglicher Vorsicht mittlerweile in allen Pfeifen - das Ghosting kann manchmal ganz interessant sein 😉.

    Für die Rezensionen werte ich aber nur die Rauchopfer in Keramik aus.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Einmal editiert, zuletzt von Sven (13. November 2025 um 14:53)

  • Hi Sven,

    Zulu und Fayyum ( mit und ohne Kake) sind auch meine Favoriten aus der Afrikanerserie, sonst keine weiteren Latakias, die sind zwar auch durchweg gut, aber mir meist bissel zu leicht…haben aber zweifellos auch ihre Freunde…

    Des Weiteren von den Afrikanern der Indaba (nicht weil die Idee für den Namen von mir war…;)) ein echter Leckerschmecker mit bissel extra Arbeit für die Kopps wegen RR Anteilen. Sowas wie Makhuwa allerdings ist nicht so mein Ding, der ist mir zu Burley dominant. Ich mag Burley sehr, aber in kleineren Anteilen.

    Sidekick: Vielleicht rezensierst du ja irgendwann mal einen Semois aus Belgien, das könnte amüsant werden…:P

    Mit Keramikpfeifen meinst du wahrscheinlich Porzellanpfeifen … also mit nicht- porösem ergo nicht-saugendem Scherben, gegensätzlich zu Tonpfeifen die nicht dicht gebrannt werden. Früher billige Massenware, mehr für Weckmänner die gerade wieder Saison haben, als für Raucher. Heute kaum noch, und von den Weckmännern wurden sie verbannt weil heutzutage verpönt… nicht mehr dem Zeitgeist entsprechend… Ein Pfeifenbäcker hat mal vor langer Zeit für Ermuri 2.000 Stück auf einen Schlag gemacht, die wurden dann für einen jeweiligen einzigen Tabakgeschmackstest verwendet und dann verworfen.

    Bin mal gespannt über dein weiteres Vorgehen mit den HU Afrikanern…es kann nicht schaden sich mal durch die ganze Serie zu schwubbeln, da bleibt garantiert noch was hängen. Bei mir spielen auch jahreszeitliche Aspekte mit rein, vereinfacht: Im Winter Latakias mit Single Malts, im Sommer Virginier mit anderen Destillaten…natürlich nicht 100% konsequent.

    Happy puffing

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

  • Hallo Rainer,

    Ich denke, meine Zenith Pfeifen sind aus Porzellan, aber sie sind nur von außen glasiert. Ich kenne mich mit den verschiedenen Keramikarten (Porzellan, Steingut etc) nicht so aus, deshalb spreche ich immer von keramischen Pfeifen.

    Zenith – Pipedia

    Zenith pipes Archives - pipeshop

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Einmal editiert, zuletzt von Sven (13. November 2025 um 18:27)

  • Hi Sven,

    das mit den Trivialnamen ist immer bissel verwirrend. Wenn ich mal „Bares für Rares“ gucke und die Experten sagen „nein das ist kein Porzellan, das ist Keramik“ muss ich immer grinsen, denn auch Porzellan ist Keramik, was denn sonst ? Für die genauen Unterschiede gibt es Normen und Bestimmungen, ist aber nicht mein Metier.
    Ich hatte noch keine Zenith in den Fingern, vermute aber so was wie Feinsteingut, also noch ganz leicht porös. Richtiges Porzellan ist absolut porenfrei und ist transluzent wegen dem hohen Anteil an Glasphase, mal einfach ausgedrückt. Dass die Zeniths außen glasiert sind hat den Grund dass sie leicht sauber zu halten sind, bzw. man nimmt gleich eine farbige Glasur oder Dekor… Wäre dem nicht so würden sie nicht lange weiß bleiben. Eine Kratzspur von z.B. einer Münze bekämst du mit üblichen Mitteln nicht mehr weg. Innen ist das Glasieren natürlich nicht gewollt.

    Ich denk mal der Pfiff bei den Zeniths ist dass sie innen hohl sind, bedingt durch ein Schlickergussverfahren. Im Prinzip ist dein Waschbecken und dein Toilettensitz genauso hergestellt. Gut erkennen kann man das beim nächstmöglichen Polterabend…;)

    Somit kann man die Zeniths unter Feuer wohl am Kopf anfassen, was bei klassischen Tonpfeifen nach ein paar Zügen nimmer geht, Aua…. Gouda ist glaub ich auch ein berühmter Ort auch für diese Unterarmlangen leicht gebogenen Tonpfeifen.

    Echte „Porzellanpfeifen“ sind die Gesteckpfeifen von früher…aber ob man die rauchen möchte? Die waren auch innen glasiert, deswegen auch der Wassersack unten für den Sabbel, bis sich vielleicht mal eine Kohleschicht aufgebaut hat. Legenden sagen dass der Lehensherr eine Neue erst mal zusammen mit einem Pfund Tabak dem Knecht zum Einrauchen gegeben hat…eine Art win-win, der Knecht konnte kostenlos rauchen und der Lehensherr hat eine eingerauchte Pfeife zurückbekommen…

    Ich hab mal gehört dass Sammler auch gerne nach „Royal Kopenhagen“ Porzellanpfeifen gucken, die sind teurer als die Zeniths ( Design teils von Micke, Ivarsson und Konsorten…) und haben das typische blaue Dekor auf weiß, ähnlich dem Delfter Porzellan, unweit von Gouda… aber nun wollen wir nicht noch mehr Verwirrung stiften…;)

    Happy puffing

    Rainer

    PS: Wie stehts bei dir mit Meerschaum? Die haben eigentlich auch kein „Ghosting“…

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

    Einmal editiert, zuletzt von Rainer (13. November 2025 um 20:22)

  • Hallo Rainer,

    Meerschaumpfeifen habe ich bislang nicht, wenn man von einer Vauen mit Meerschaumeinsatz absieht. Die gebe ich immer Gästen, die mal Pfeiferauchen „probieren“ wollen. Das erspart mir Durchbrenner 😉.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️