1. Einleitung
Schon der Name weckt Assoziationen: Moroccan Bazaar. Man sieht bunte Stoffe vor sich, hört Stimmengewirr und riecht in Gedanken die dichte Wolke aus Gewürzen, Früchten und süßem Rauch. Hans Wiedemann hat mit diesem Blend unternommen, die Aura eben jener orientalischen Welt in die Tabakpfeife zu bannen. Gemischt wird der Tabak bei Kopp in Rellingen.
2. Optik und Beschaffenheit
Das Tabakbild ist von farblicher Vielfalt: goldene Virginia-Fasern durchzogen von eher wenig dunklem Black Cavendish, gelegentlich durchsetzt mit bräunlichen Einsprengseln. Der Schnitt ist als Mischung von Broken Flake und Ribbon Cut von mittlerer Breite mit optimaler Feuchte.
3. Kaltaroma
Schon beim Öffnen der Dose wird klar, wohin die Reise geht. Ein aromatischer Strom entweicht, in dem sich Anis, Zimt, Nelken, Weihrauch und Honig mischen, dazu eine florale Spur, die an Jasmin oder Orangenblüte erinnert. Der Tabakduft tritt dahinter deutlich zurück; die Aromatisierung beansprucht hier den Vorrang.
4. Rauchverlauf
Anfang
Die ersten Züge bringen sofortige Süße und eine exotische Würze. Virginias sorgen für fruchtige Helligkeit, Black Cavendish für Tiefe und runde Fülle. Die Aromen wirken klar definiert, aber kunstvoll aufeinander abgestimmt.
Mitte
Im Mittelteil hält die Mischung ihr Thema souverän durch. Sie bleibt konstant und ausgewogen, niemals flach, doch ebenso wenig schwankend. Die Gewürznoten schweben wie ein orientalischer Teppich über der Tabakgrundlage, präsent und zugleich kultiviert.
Ende
Gegen Ende verdichten sich die Eindrücke. Die Süße tritt zurück, erdigere Noten treten hervor, ohne die Grundmelodie zu verlieren. Der Abbrand erweist sich als zuverlässig, die Asche hell und fein, nur selten ist ein Nachfeuern nötig.
5. Abbrand & Technik
Der Tabak nimmt die Flamme willig an und brennt problemlos ab. Bei übermäßigem Ziehen überhitzt er jedoch schnell und straft mit Zungenbiß und Bitterkeit als Fehlaroma. Sanftes und bedächtiges Rauchen belohnt mit der Entwicklung eines vielschichtigen orientalischen Gewürzaromas auf dem Boden einer hochwertigen Tabakmischung.
6. Raumduft
Die Raumnote ist unverkennbar: süß, würzig, ja fast parfümiert. Sie erfüllt den Raum, ohne ihn zu beschweren und hinterläßt einen Eindruck, der durchaus Gesprächsstoff bietet.
7. Fazit
Moroccan Bazaar ist kein Tabak für Liebhaber nüchterner Naturmischungen. Er ist ein Schauspiel, das genossen werden will, eine bewußt gestaltete Inszenierung. Wer sich auf seine exotische Aura einläßt, erlebt eine Komposition von beachtlicher Eleganz: reich, vielschichtig, stets harmonisch.
So wird die Pfeife zum Basarbesuch - getragen von süßem Rauch, durchzogen von orientalischen Gewürzen, und doch geordnet von einer sicheren Hand.
Eine gewisse Ähnlichkeit im Aroma besteht m.E. mit Germain‘s Mixture No 7; allerdings ist die Tabakgrundlage des Moroccan Bazaar m.E. deutlich hochwertiger.
PS
Der Tabak wurde für die Rezension mehrfach in einer grundgereinigten, doppelwandigen, keramischen Pfeife (Zenith, oFi) geraucht.