Von einem Kollegen erhielt ich eine großzügige Probe Dunhill‘s My Mixture 221 B Baker Street aus den 1980er Jahren - perfekt gelagert und vorsichtig rehydriert - mit der Bitte um eine Rezension.
Nun denn:
1. Einleitung
Die „My Mixture“-Serie von Dunhill verkörpert die alte Kunst des Tabakblendens, wie sie in London seit Beginn des 20. Jahrhunderts gepflegt wurde. Dunhill’s My Mixture 221B Baker Street, benannt nach der Adresse des wohl berühmtesten viktorianischen Detektivs, steht in dieser Tradition: eine Virginia-Burley-Kentucky-Mischung mit zurückhaltender Saucierung, von Anfang an wohl als elegante, alltagstaugliche Komposition konzipiert. Die vorliegende Probe stammt aus den frühen 1980er-Jahren. Nach rund vier Jahrzehnten Lagerung präsentiert sie sich hier in exzellentem Zustand: Der Tabak ist perfekt konditioniert, weist ideale Feuchte auf und hat im Laufe der Zeit möglicherweise eine Abrundung erfahren.
2. Optik & Schnitt
Das Bild zeigt dunhill-typisch einen klassischen, sehr gleichmäßigen Ribbon Cut. Die Farbtöne reichen von hellgoldenem Virginia über rötlich-braune Zwischenstufen bis zu mittel- bis dunkelbraunen Burleys und Kentucky. Weder Latakia noch Orient konnte ich eindeutig erkennen. Auffällig ist die intakte Elastizität des Blattes - ein sicheres Zeichen für optimale Lagerung. Der perfekte Schnitt erlaubt unkompliziertes Stopfen und gleichmäßigen Zug.
3. Kaltaroma
Im kalten Zustand entwickelt der Tabak eine nuancenreiche, aber deutlich gedämpfte Aromatik: getrocknete Früchte, Malz, ein nussiger Grundton und eine ganz leise süßliche, fast likörartige Würze, vermutlich bedingt durch eine dezente Saucierung. Alter und Reife haben den Tabak mutmaßlich harmonisiert, sodaß ein rundes, gedämpftes Bouquet, ähnlich der Firne eines gut gealterten Weines entsteht.
4. Rauchverlauf
Anfang
Der Auftakt ist weich und ausgewogen. Die gereiften Virginias zeigen noch eine gewisse helle, grasige Süße, während der Burley von Beginn an mit nussigen und röstigen Anklängen stützt. Bereits hier treten dezente Holznoten und eine feine Rauchigkeit des Kentucky hervor, die dem Ganzen Substanz verleihen.
Mitte
Mit zunehmender Wärme verdichtet sich das Bild. Malzig-nussige Burleys treten deutlicher hervor, begleitet von klar erkennbaren Röstaromen des Kentucky. Eine erdige Komponente gewinnt an Gewicht, die die Mischung fester und etwas rustikaler erscheinen läßt. Zwischendurch blitzt eine Spur fast orientalisch anmutender Würze auf - keine dominierende Präsenz, sondern eher ein hintergründiges Aroma, das für Tiefe sorgt. Möglicherweise ist doch etwas Orient enthalten?
Ende
Zum Schluß verstärken sich Holz und Erde. Die Süße tritt fast vollständig zurück, während Rauchigkeit, erdige Trockenheit und eine etwas bittere Note den Ton angeben. Das Finale ist somit sehr trocken und von leiser Bitterkeit begleitet, ohne aber ins Scharfe und Beißende abzugleiten.
5. Abbrand & Technik
Der Tabak brennt sehr zuverlässig, mit gleichmäßigem Zug. In dieser gut gereiften Probe sind keine Feuchtigkeitsprobleme festzustellen; der Tabak brennt bis zum Boden sauber ab. Nachzünden ist eher selten nötig.
6. Raumnote
Die Raumnote bleibt unaufdringlich: nussig, ganz leicht süßlich, mit einer unterschwelligen holzig-rauchigen Note. Sie wirkt für den Pfeifenfreund kultiviert, zurückhaltend und für Mitmenschen eher wenig störend.
7. Vergleich & Einordnung
Die mir gut bekannte Royal Yacht Mixture ist eine der bekanntesten Virginia-Mischungen Dunhills: kraftvoll, nikotinreich und von einer intensiven, dunkel-fruchtigen Saucierung geprägt. My Mixture 221B Baker Street zeigt eine ähnliche stilistische Grundidee in reduzierter, gezügelter Form. Während Royal Yacht Mixture fordernd und dunkel auftritt, wirkt My Mixture 221B Baker Street ausgeglichener, kultivierter und alltagstauglicher. Auch die Saucierung unterscheidet sich: bei Royal Yacht Mixture intensiv und deutlich likörartig, bei My Mixture 221B Baker Street hingegen als feiner, zurückhaltend-süßer Hauch, der von nussigen, röstigen und holzigen Nuancen begleitet wird. Man könnte sagen: My Mixture 221B Baker Street ist die mildere, wenngleich ebenso nikotinstarke Schwester der Royal Yacht Mixture - verwandt im Charakter, doch von etwas anderer gesellschaftlicher Rolle. Zu berücksichtigen ist hier aber sicherlich auch der Einfluß der deutlichen Alterung der Probe.
8. Fazit
Dunhill‘s My Mixture 221B Baker Street in einer Probe aus den frühen 1980er-Jahren erweist sich als hervorragend gealtert: harmonisch, rund und geschmeidig. Das Geschmacksbild ist überwiegend geprägt von nussigen und röstigen Tönen, durchzogen von Holz und einer angenehmen Rauchigkeit, die im Mittelteil zunehmend erdiger und würziger wirkt. Feine, orientalisch anmutende Nuancen blitzen insbesondere im Mittelteil auf und verleihen zusätzliche Komplexität. In seiner gereiften Form zeigt der Tabak das Profil eines kultivierten, Kentucky-gewürzten Virginia-Burley-Blends, der Dunhill’s Royal Yacht Mixture etwas ähnelt, jedoch - vermutlich auch durch die Alterung - wesentlich milder und subtiler auftritt. Ein solider, kultivierter Begleiter, der m.E. eindrucksvoll die Reifefähigkeit klassischer Dunhill-Mischungen belegt.