1. Einleitung:
Robert McConnell, ursprünglich im London des frühen 19. Jahrhunderts verwurzelt, gehörte zu jenen traditionellen, britischen Tabakhändlern (berühmtester Kunde: Sir Winston Churchill), deren Rezepturen teilweise noch aus der frühen viktorianischen Epoche stammten. Seit den 1980er-Jahren wird die Marke in Rellingen bei Kopp gepflegt. Dort entstehen die Blends größtenteils nach alten Originalrezepturen.
Die Oriental Mixture ist eine jener klassischen Vierklang-Mischungen (Virginia, Orient, Latakia, Cavendish), wie sie typisch für die „Schottische Schule“ sind. Robert McConnell hält hier aber an einer alt-ehrwürdigen, deutlich orient-betonten Aromengewichtung fest: Würzig, krautig, leicht ätherisch - verbunden durch zurückhaltende, milde Cavendish-Anteile. Auf eine Aromatisierung wird verzichtet. Der Tabak steht in unmittelbarer Verwandtschaft zu anderen traditionsreichen schottischen Mischungen gleicher Architektur, zu denen beispielsweise Dunhill’s My Mixture 965, Rattray’s Black Mallory oder Robert Lewis‘ Tree Mixture gehören. Schottisch bedeutet in diesem Zusammenhang keine Angabe des Produktionsstandortes (dann wäre es eine deutsche Mischung), sondern die Bezeichnung der Schule der Mischkunst.
2. Optik & Schnitt:
Es imponiert ein sauberer Ribbon-Cut mit hellen, goldenen Virginia-Fasern, gemischt mit hell- bis olivbraunen Orientblättern und vereinzelten fast schwarzen Streifen aus Latakia und Black Cavendish. Das Bild wirkt ausgewogen, klar und leicht ölig glänzend - typisch für eine traditionsbewußte britische Tabakmischung.
3. Kaltaroma:
Das Kaltbouquet ist trocken-würzig, an getrocknete Kräuter, frisches Heu und altes Teakholz erinnernd. Die Orienttabake treten als erstes hervor; dahinter folgen eine hellfruchtige Virginia-Süße und ein verhaltener Latakia-Unterton, der weniger rauchig-schwer, als eher harzig und ledrig wirkt. Nicht aromatisierter Black Cavendish tritt abschließend als weiche Rundung auf.
4. Rauchverlauf:
Anfang:
Zu Beginn bestimmen die Orientanteile das Aroma: Feinwürzig, leicht krautig, fast blumig. Ein Hauch hellen Virginias legt sich dezent darunter. Latakia wirkt im Hintergrund strukturierend, aber nicht dominierend. Black Cavendish integriert den Rauch mit seiner typischen voluminösen Cremigkeit.
Mitte:
Die Mischung entfaltet in der Mitte ihre volle Eleganz: Ausgewogen, cremig-süß und leicht balsamisch-würzig. Die Orienttabake entwickeln sanfte Holz- und Kräutertöne, gelegentlich mit einer ätherischen Spitze. Die Virginias treten warm und etwas fruchtiger hervor. Der Latakia bleibt sehr dezent und erscheint eher als dunkel-seidige Tiefe denn als Rauch. Alles wirkt meisterlich fein austariert.
Ende:
Im letzten Drittel nimmt die leicht erdige, trocken-holzige Komponente etwas zu. Die orientalische Würze zieht sich zurück, der Rauch wird runder und gedämpfter. Der Nachklang bleibt mild, mit einer leicht nussigen Wärme.
5. Abbrand & Technik:
McConnell‘s Oriental Mixture ist äußerst gutmütig: Gleichmäßiger Abbrand, wenig Hitzeentwicklung, ausgesprochen zungenfreundlich. Auch ein etwas strafferes Stopfen wird gut vertragen. Ein Tabak, der seinen Ursprung in handwerklicher Tradition verrät: zuverlässig, geradlinig, ohne oberflächlichen Firlefanz.
6. Raumnote:
Die Raumnote ist trocken-würzig, mild und angenehm zurückhaltend. Ein feiner Kräuterduft, etwas Holz, ein Hauch Rauchigkeit. Für Mitmenschen meist gut erträglich.
7. Vergleich & Einordnung:
Zum Vergleich wähle ich 3 mir gut bekannte Protagonisten der Schottischen Schule aus:
1. Dunhill My Mixture 965
ist innerhalb dieser Tabakarchitektur der „kräftigste“ Vertreter:
- Deutlich mehr Latakia-Körper.
- Brown Cavendish betont nussig.
- Insgesamt kräftiger, würziger und voluminöser.
Die Oriental Mixture wirkt im Vergleich heller, feiner, zurückhaltender, orient-betonter.
My Mixture 965 ist ein „schottischer Klassiker mit Format“, McConnell Oriental hingegen ein dezenter, aristokratisch leichter Orient-Blend.
2. Rattray Black Mallory
ist dunkler und voller, mit einer Tendenz zu tiefen Holztönen und leicht malziger Süße:
- Latakia ist präsenter, aber zurückhaltend.
- Das Mundgefühl ist dichter und öliger.
- Die orientalische Spitze erscheint weniger ausgeprägt.
McConnells Oriental Mixture ist dagegen luftiger, schlanker, kräuterfrischer und im Gesamteindruck eleganter, weniger rauchig.
3. Robert Lewis Tree Mixture
kommt McConnell‘s Oriental Mixture am nächsten, ist aber ebenfalls kräftiger strukturiert:
- Mehr Latakiatiefe, leicht erdige Grundlinie.
- Der Black Cavendish ist weicher und verbindender.
- Die Balance breiter im Körper, weniger filigran.
Die Oriental Mixture bleibt die subtilste, orientalischste und feinste aller drei Vergleichsblends - beinahe wie eine kammermusikalische Variante im Vergleich zu vollerem Symphonieklang.
8. Eignung & Empfehlung:
Ideal für Liebhaber feiner, subtiler britischer Mischungen, die nicht nach Stärke, sondern nach Balance und historischer Authentizität suchen. Besonders geeignet für ruhige Tagesabschnitte, für kontemplatives Rauchen und für jene, die ausgeprägte Orient-Charakteristik ohne schwere Rauchigkeit schätzen. Wer Preston‘s Presbyterian Mixture mag, wird McConnell‘s Oriental Mixture schätzen.
9. Fazit:
Die Oriental Mixture von Robert McConnell ist ein traditionsbewußter, ausgesprochen ausgewogener Blend - deutlich orient-betont, fein strukturiert und mit einer wohltuenden, unverfälschten Leichtigkeit, die viele moderne Mischungen nicht mehr erreichen. Im Vergleich zu ihren Artgenossen zeigt sie sich als die subtilste und luftigste Variante der klassisch-schottischen Vier-Komponenten-Architektur. Ein Tabak für Freunde des klassischen britischen Tabaks, nicht für Aromatenliebhaber - und ein schönes Beispiel dafür, wie Kopp alte Rezepturen nicht nur bewahrt, sondern weiterhin mit Respekt und ruhiger Hand führt.