Dunhill‘s Aromatic - Rezension

  • 1. Einleitung:
    Dunhill steht seit Beginn des 20. Jahrhunderts für britische Tabakkultur mit höchstem Qualitätsanspruch. Der in den 1980ern erstmals vorgestellte Dunhill’s Aromatic klingt wie eine contradictio in adiecto und nimmt im Dunhill-Kanon eine Sonderrolle ein: Kein klassischer englischer Blend, sondern eine zurückhaltend aromatisierte Virginia-Black Cavendish- Mischung, die Tradition und feine, leichte Süßaromatk vereint. Die Produktion wurde wohl bereits um die Jahrtausendwende eingestellt. Meine Charge wurde von mir als Restant in einem kleinen Tabakwarengeschäft in Forchheim um 2005 erworben.

    2. Optik & Schnitt:
    Der Tabak erscheint als typischer Dunhill Ribbon-Cut in hell- bis dunkelbraunen Virginia-Tönen, von schwarzbraunen Anteilen des Black Cavendish durchzogen. Die Feuchte der mindestens 20 Jahre alten Tabakmischung ist mittlerweile eher trocken und das Einlegeblatt stark braun verfärbt; der Tabak wirkt aber sehr sorgfältig verarbeitet.

    3. Kaltaroma:
    Das Aroma zeigt eine milde Süße: Vanille, Honig, leichte Molasse, ein leichter Anklang von Anis oder Lakritz, dahinter helle, leicht grasige Virginia-Fruchtigkeit. Das Bouquet wirkt natürlich, tabakecht und unaufdringlich - ohne chemisch-synthetische Noten.

    4. Rauchverlauf:

    Anfang:
    Zu Beginn präsentiert sich der Tabak mild, weich und süßlich mit hellen, grasigen und leicht fruchtigen Virginia-Noten, die schnell von einer warmen, cremigen Aromatik des saucierten Black Cavendish getragen werden.

    Mitte:
    Der Rauch wird runder und voller. Die Süße vertieft sich, leichte Noten von Vanille, Karamell und eine Spur Lakritz verbinden sich harmonisch mit der Virginia-Basis. Der Charakter bleibt mild bis mittelkräftig.

    Ende:
    Zum Schluß trocknet das Profil etwas aus. Die Süße tritt deutlich zurück, die Mischung wird kantiger, aschig und bitter. Ähnlich wie auch andere Aromaten, sollte man Dunhill‘s Aromatic vielleicht nicht bis zum Boden der Brennkammer „genießen“; es sei denn, man ist sehr geizig.

    5. Abbrand & Technik:
    Der Tabak entzündet leicht, brennt trocken und zuverlässig, mit wenig Nachzünden. Die Mischung belohnt ruhigen Rhythmus - bei forciertem Zug überhitzt sie schnell, gurgelt und wird bissig.

    6. Raumnote:
    Die Raumnote ist freundlich und dezent süß, mit Vanille- und Karamelltönen, kultiviert, aber nicht aufdringlich - in Nichtraucher-Gesellschaft wird in der Regel ein „typischer“, angenehmer Pfeifentabaksduft als sozial verträglich wahrgenommen.

    7. Vergleich & Einordnung
    Der Tabak steht zwischen klassischen britischen Virginiatabaken und moderaten, dänischen Aromaten. Er verzichtet auf überzogene Süße, künstliche Aromen, bleibt tabakbetont und zeigt Eleganz statt Effekthascherei. Seine Stärke liegt in Balance und Zurückhaltung. Eine gewisse Ähnlichkeit mit den typischen Mac Baren Aromaten, wie z.B. Classic (ehemals Vanilla Cream) besteht - allerdings ohne den von mir nicht so sehr geschätzten Burley.

    8. Eignung & Empfehlung:
    Ideal für Raucher, die ein sanft aromatisiertes, dennoch ernst zu nehmendes Virginia-Black Cavendish-Profil ohne Burley suchen. Geeignet für Einsteiger wie für erfahrene Pfeifenraucher, die gelegentlich eine milde Aromatik schätzen. Besonders stimmig für ruhige Abende. Empfehlenswert ist er insbesondere für jene, die eine aromatisierte Mischung suchen, ohne auf den Charakter der Grundtabake verzichten zu wollen.

    9. Fazit:
    Dunhill‘s Aromatic ist ein kultivierter, mild-bis-mittelkräftiger, vom Stil her dänischer Virginia-Black Cavendish-Aromat aus britischem Hause, der natürliche Virginia-Noten mit feiner karamelliger und zuweilen lakritzartiger Süße verbindet. Er wirkt traditionsverbunden und ausgewogen - ein verläßlicher Begleiter, der nicht überwältigt, sondern mit stiller Eleganz überzeugt. Die relativ kurze Verweilzeit im Dunhill-Repertoire läßt jedoch auf eher geringe Nachfrage schließen.

    PS:

    Wegen des fortgeschrittenen Alters des Tabaks ist meine Rezension cum grano salis zu verstehen. Wie der Tabak im Auslieferungszustand war, weiß ich nicht. Ich hatte die drei Dosen in einer Schreibtischschublade vergessen.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    2 Mal editiert, zuletzt von Sven (12. Dezember 2025 um 12:08)

  • Hi Sven,

    interessante post mortem Studie ohne Zukunftsaussichten…;)

    Ich hatte mir seinerzeit (ca. 1980) eine Dose gekauft, auch weil mir die dunkelblaue Dose mit den weißen Wölkchen gut gefallen hat. An Einzelheiten bez. Geschmack kann ich mich nicht mehr erinnern, nur noch dass ich die angebrochene Dose meinem Onkel geschenkt hatte…

    Die Dose war so um 7-8 DM, also „teuer“, verglichen mit anderen Aromaten seinerzeit. Das könnte evtl. der Showstopper gewesen sein.

    Ähnliches widerfuhr z.B. dem Herbal Fruit von Hans, Aromaprosa Mango-Passionsfrucht, eine Soße im Rellinger Sortiment. Der Tabak war das teuerste Pferd im HU Stall, wegen sehr hochwertiger Tabake die verwendet wurden. Aber auch hier ist das Attribut „Aromat“ mit Preis kollidiert.

    Das mir pers. sehr mundende Aroma lebt noch im Maryland Flake vom Huber weiter, und „ lebte“ auch im „baugleichen“ Solani Tropical Flake. Der ist nun auch wech, aber vllt. liegen irgendwo noch ein paar Dosen rum…(?)

    Happy puffing

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)