1. Einleitung:
Grousemoor gehört zu jenen Mischungen aus dem Hause Samuel Gawith, die weniger durch bloße Popularität als vielmehr durch charakterliche Unverwechselbarkeit seit Jahrzehnten Bestand hatten. Der Name verweist auf die britischen Moorlandschaften Nordenglands, jene kargen, windgepeitschten Regionen, in denen Jagd, Landwirtschaft und handwerkliche Tradition seit jeher eng miteinander verwoben waren. Grousemoor geht auf das frühe 20. Jahrhundert zurück, allgemein wird die Zeit um 1910–1912 als Entstehungsphase angegeben. Samuel Gawith selbst, gegründet 1792 in Kendal, steht wie kaum ein anderer Hersteller für die Bewahrung alter Produktionsmethoden: Pressen unter hohem Druck, lange Reifezeiten und eine aromatische Schule, die sich der modernen Vereinheitlichung stets widersetzt hat. Grousemoor ist in der Wahrnehmung vieler Raucher eng mit dem sogenannten „Lakeland Style“ verbunden, jener eigenständigen englischen Aromatik, die florale, seifige und kräuterartige Noten nicht scheut, sondern kultiviert.
2. Optik und Schnitt:
Der Grousemoor Plug präsentiert sich in seiner ursprünglichen Form als kompakter Block von 250 g, dessen Oberfläche von den Spuren der traditionellen Pressung zeugt. Die Verpackung in einer versiegelten Kunststoffwanne ist wohl praktisch, erfreut das Auge aber weniger. Die Farbe variiert von einem satten Braun bis hin zu goldenen Nuancen, die auf die Verwendung hochwertiger Virginias hindeuten. Beim Schneiden entfaltet sich ein intensives, dörrfruchtig-blumiges Aroma, das die Sinne betört. Die Konsistenz des Plugs erfordert eine sorgfältige Handhabung; zu dicke Schnitte können die Entfaltung des Aromas beeinträchtigen. Es empfiehlt sich, den Tabak in dünne Scheiben zu schneiden und aufzureiben, oder aber kleine Würfelchen (Cube Cut) zu produzieren, um den optimalen Abbrand zu gewährleisten.
3. Kaltaroma:
Bereits vor dem Anzünden entfaltet der Grousemoor Plug ein komplexes Bouquet aus floralen und würzigen Noten. Ein Hauch von Zedernholz mischt sich mit einer dezenten Zitrusnote, die an frisch gemähtes Gras erinnert. Diese Aromen sind nicht aufdringlich, sondern subtil und einladend. Sie zeugen von der meisterhaften Aromatisierung, die typisch für die Lakeland-Region ist.
4. Rauchverlauf:
Anfang: Der erste Zug ist von einer weichen, cremigen Textur begleitet, die den Gaumen umschmeichelt. Die floralen Aromen treten deutlich hervor, ohne die natürliche Süße des Virginias zu überlagern. Ein leichter Hauch von Zedernholz, Dörrobst und Zitrus rundet das Gesamtbild ab.
Mitte: Im weiteren Verlauf gewinnt der Tabak an Tiefe. Die fruchtig-floralen Noten der Aromatisierung treten etwas in den Hintergrund, während die natürlichen Aromen des Virginias dominanter werden. Eine subtile Würze und ein Hauch von Honig ergänzen das Geschmackserlebnis und erinnern an Früchtebrot. Gelegentlich tritt ein an Minzsauce erinnerndes Aroma auf.
Ende: Gegen Ende der Füllung zeigt sich der Grousemoor Plug von seiner besten Seite. Die Aromen haben sich harmonisch entwickelt, und ein sanfter, leicht rauchiger Abgang bleibt im Mund zurück. Der Tabak hinterläßt einen bleibenden Eindruck von Eleganz und Raffinesse.
5. Abbrand und Technik:
Das Entzünden erfordert Beharrlichkeit und mehrere Zündungen, doch der dann einsetzende Abbrand des Grousemoor Plugs gestaltet sich gleichmäßig, vorausgesetzt, der Tabak wurde korrekt vorbereitet. Eine zu feine Zerkleinerung kann zu einem zu schnellen Abbrand führen, während zu grobe Schnitte den Tabak häufig ausgehen lassen und das Rauchen erschweren können.
6. Raumnote:
Die Raumnote des Grousemoor Plugs ist für den Connoisseur angenehm und nicht allzu aufdringlich. Zu Beginn ist sie leicht blumig und frisch. Sie erinnert weniger an Tabakrauch im klassischen Sinne als an getrocknete Kräuter und Zitrus-Zesten. Zustimmung ist hier eine Frage der Gewöhnung – und der Gesellschaft.
7. Vergleich und Einordnung:
Im Vergleich zu Grousemoor in der Loose-Cut-Variante wirkt der Plug tiefer, runder und weniger aggressiv in der Aromatik. Gegenüber anderen Lakeland-Klassikern wie Gawith & Hoggarth’s Ennerdale, Tabac Benden‘s The Eagle oder Gallaher’s Condor zeigt er sich subtiler und weniger parfümiert. Während Ennerdale und The Eagle floral-süß und Condor dunkel-würzig auftreten, bleibt Grousemoor der zitronig-kräuterige Außenseiter. Während Ennerdale, Condor oder The Eagle mit ihrer sehr intensiven floralen Aromatisierung stark polarisieren können, bietet Grousemoor eine harmonische Balance zwischen natürlichen Tabakaromen und dezenten Aromatisierungen. Eine gewisse Ähnlichkeit mit Ogden’s St Bruno ist unverkennbar.
8. Eignung & Empfehlung:
Samuel Gawith’s Grousemoor Plug richtet sich nicht an Einsteiger. Er verlangt Erfahrung, Offenheit und eine gewisse Affinität zur britischen Tabakkultur alter Schule. Für den geübten Raucher jedoch, der bewußt abseits des Mainstreams sucht, bietet er eine seltene, beinahe intellektuelle Raucherfahrung – ideal für den Vormittag oder frühen Nachmittag.
9. Fazit:
Samuel Gawith‘s Grousemoor Plug ist ein Meisterwerk der britischen Tabakherstellung aus der Lakeland-Schule. Er ist kein gefälliger Tabak, sondern ein Statement. Mit seiner harmonischen Balance aus natürlichen Tabakaromen und eher subtilen, zitrischen Aromatisierungen bietet er ein unverwechselbares Raucherlebnis. Die sorgfältige Verarbeitung und die Verwendung hochwertiger Virginias zeugen von der Tradition und dem handwerklichen Können, das in jedem Schritt der Produktion steckt. Für den erfahrenen „Pipe-Man“ ist der Grousemoor Plug eine Empfehlung, die sowohl den Gaumen als auch die Seele erfreut.