1. Einleitung:
Wenn ein deutsches Tabakhaus sich an einer Lakeland-Mischung versucht, so weckt das von vornherein Neugier und Skepsis. Mit The Eagle hat Tabac Benden in Düsseldorf einen Tabak im Programm, der sich unverkennbar in dieser Tradition verortet. Hergestellt wird die Mischung bei Kopp, Rellingen, wo man initial von der Idee nicht so begeistert war und eine „Kontamination“ der gelagerten Tabakbestände durch die sehr intensive aber natürliche und teure Aromatisierung befürchtete.
2. Optik & Schnitt:
Schon beim ersten Öffnen der Dose wird deutlich: Hier geht es nicht um leise Zwischentöne, sondern um eine klare, selbstbewußte Ansage. Der Tabak zeigt sich als Ready-Rubbed Virginia mit etwas Burley und Kentucky von heller bis mittelbrauner Farbgebung, locker und rauchfertig vorbereitet.
3. Kaltaroma:
Der Duft in der Dose ist überwältigend floral: Ein Bouquet, das an Patchouli, Lavendel, Veilchen, Rosenwasser und alte Apothekerschränke erinnert. Dazu tritt eine süßliche Nuance von Vanille und Mandeln, während im Hintergrund ganz leicht eine fruchtige, fast tropische Note aufscheint. Schon im Kaltgeruch kündigt sich an, daß hier keine zurückhaltende Komposition vorliegt, sondern ein Blend, der sein florales Herz offen trägt.
4. Rauchverlauf:
Anfang: Beim Anzünden entfaltet The Eagle sofort seine volle florale Wucht: Die Virginia-Süße tritt hervor, doch sie bleibt mehr tragende Basis als eigentlicher Protagonist. Die dominierenden Eindrücke stammen vom der Saucierung - ein betont blumiges Aromenspiel, das an Parfüm und getrocknete Kräuter erinnert. Im weiteren Verlauf treten feine, zitrusartige Spitzen hinzu, die das Bild aufhellen und dem Tabak eine gewisse Leichtigkeit verleihen. Die Stärke bleibt dabei moderat; es ist kein schwerer, sondern ein eher beschwingter Rauch.
Mitte: Der Tabak hält seine Linie: Die florale Aromatik bleibt durchgehend präsent, mal in Richtung Jasmin und Orangenblüte deutend, mal mit einer an Alpenkräuter erinnernden Würze. Die Virginia-Basis gibt eine honigartige Süße und sorgt dafür, dass die Mischung nicht ins Seifige kippt, während Burley und Kentucky etwas mineralische Erdigkeit und rauchige Würze beisteuern.
Ende: Zum Ende hin wird die Tabakbasis würziger, die Aromatik bleibt aber bis zum Schluß präsent. Es verbleibt grau-weiße Asche mit wenigen Sprenkseln unverbrannten Tabaks.
5. Abbrand & Technik:
Der Tabak brennt zuverlässig und gleichmäßig, ohne große Mühe. Ein langsamer Rauchrhythmus empfiehlt sich, damit die floralen Spitzen nicht zu scharf oder aufdringlich wirken. In gemächlichem Tempo genossen, zeigt sich der Blend erstaunlich floral-komplex, cremig und abgerundet.
6. Raumnote:
Die Raumwirkung ist unverkennbar – blumig, süßlich, fast parfümartig. Für die einen ist sie nostalgisch und betörend, für die anderen schlicht zu viel des Guten. Unstrittig ist, daß The Eagle eine deutliche Signatur hinterläßt. Nicht ohne Grund schreibt Tabac Benden „No half measures“ auf die Dose!
7. Vergleich & Einordnung:
Im Vergleich zu Gawith & Hoggarth’s Ennerdale Flake wirkt The Eagle direkter, unmittelbarer, vielleicht etwas weniger tiefgründig im Tabak, dafür mit einer noch stärkeren Betonung des floralen Charakters. Gegenüber Samuel Gawith’s Grousemoor Plug fehlt ihm die deutlich zitrusfrische Dominanz; dafür zeigt er bei leichter Zitrik mehr Wucht im Blumigen, fast wie ein Strauß getrockneter Gartenblumen in konzentrierter Form. Man könnte The Eagle auch als eine Art Synthese-Plus der beiden Mischungen bezeichnen.
8. Eignung & Empfehlung:
Wer Lakelands liebt, findet in dieser exzentrischen Mischung eine große Freude; wer jedoch eher puristische Naturtabake bevorzugt, wird The Eagle womöglich als überladen empfinden.
9. Fazit:
Tabac Benden’s The Eagle ist kein Tabak der leisen Zwischentöne, sondern ein kompromißloses Bekenntnis zum Lakeland-Stil. Er fordert und polarisiert, bietet aber gerade dadurch ein sehr eigenständiges Erlebnis. Wer sich auf ihn einläßt, entdeckt eine Mischung voller floraler Intensität, getragen von einer soliden, qualitativ hochwertigen Tabak-Basis - ein Tabak, der sich keinesfalls zurückhält, sondern den Lakeland-Stil glaubhaft und mit Verve verkörpert. Wieder einmal zeigt sich, daß auch in Deutschland, jenseits von synthetisch aromatisierten Virginia-Burley-Black Cavendish-Mischungen 🥱, eigenwillige bis liebevoll exzentrische, natürlich aromatisierte Tabak-Kompositionen mit hohem Anspruch möglich sind.