1. Einleitung:
Der Samuel Gawith Cob Flake (außerhalb des UK 1792 Flake) ist ein Tabak, der sich durch seine markante Stärke und komplexe Aromatik auszeichnet. Die Mischung kombiniert reifen Virginia-Tabak mit Dark Fired Kentucky und wird mit einem charakteristischen Tonkabohnendressing verfeinert. Das Ergebnis ist ein Tabak, der sowohl in der Intensität als auch in der Komplexität seines Aromenspektrums überzeugt. Der Tabak ist sowohl als Flake, als auch als Plug erhältlich.
2. Optik & Schnitt:
Die Flakes sind dunkelbraun bis fast schwarz und weisen eine dichte, kompakte Struktur mit leichtem Ölglanz auf. Sie sind relativ feucht und benötigen vor dem Rauchen eine ausgiebige Trocknungszeit, um das volle Aroma zu entfalten und eine gleichmäßige Verbrennung zu gewährleisten. Der sehr feste und relativ dick geschnittene Flake kann aufgerieben, geknickt und gefaltet (weniger empfehlenswert), oder in Kuben geschnitten gestopft werden. Das Stopfen sollte mit Bedacht erfolgen, da zu festes Stopfen ein häufiges Nachfeuern nach sich zieht.
3. Kaltaroma:
Der Duft aus der Dose ist intensiv und unverwechselbar: Dominant ist eine schwere, vanillig-warme Süße, die deutlich an Tonkabohne erinnert – nicht synthetisch-schrill, sondern dunkel, fast balsamisch. Darunter liegen erdige, leicht animalische Noten des stark fermentierten Dark Fired Kentucky, begleitet von Anklängen an Kakao, Leder und feuchte Holzfässer. Eine gewisse medizinische Strenge – entfernt an Kampfer oder alte Apotheken erinnernd – rundet das Bild ab.
4. Rauchverlauf:
Anfang: Der Rauchbeginn ist kraftvoll und unmittelbar. Die Tonkanote ist von Beginn an präsent, jedoch nicht als isoliertes Aroma, sondern fest mit dem Tabak verwoben. Der Kentucky liefert eine würzige, rauchige bis erdige Grundstruktur, die an sizilianischen Ristretto und geröstete Nüsse erinnert. Die dörrfruchtige bis gebäckartige Süße des reifen Virginias bleibt zunächst eher im Hintergrund.
Mitte: In der Mitte entfaltet der Tabak seine größte Tiefe. Die Tonka-Aromatik tritt etwas zurück und macht Raum für den Tabakkörper selbst: Trocken, erdig, nussig, leicht bitter, mit einer markanten Nikotinwirkung (sic!). Die Balance zwischen dattelartiger Süße und herb-rauchiger bis balsamisch-kampferartiger Würze ist hier besonders gelungen. Es entsteht der Eindruck großer aromatischer Dichte und Schwere.
Ende: Im letzten Drittel verdichtet sich der Rauch weiter. Die Tonkanote verliert an Süße und wirkt nun eher dunkel-würzig im Einklang mit dem sich zurückziehenden Virginia, während der Kentucky nun zunehmend lederig und mineralisch-rauh wird. Bei zu forschem Zug kann sich eine gewisse Schärfe einstellen, doch bei ruhigem Tempo bleibt der Abgang würdevoll, trocken und lang anhaltend. Der Nikotingehalt ist sehr deutlich wahrzunehmen.
5. Abbrand & Technik:
Der 1792 Flake verlangt eine bedachte Technik. Zu feucht geraucht oder hastig gestopft, neigt er zu Hitze und Strenge. Sorgfältiges Trocknen und ein eher lockerer Stopfgrad zahlen sich aus. Richtig behandelt, brennt er gleichmäßig mit dichter, cremiger Rauchentwicklung. Nachfeuern ist selten nötig, sofern man Geduld mitbringt.
6. Raumnote:
Die Raumnote ist – höflich formuliert – herausfordernd 😉. Schwer, dunkel, tabakecht und deutlich nikotinsatt. Liebhaber traditioneller englischer Mischungen werden sie als traditionell, eindrucksvoll und würdevoll empfinden, Ungeübte eher als schlichtweg überwältigend. Dies ist kein Salon- oder Gesellschaftstabak, sondern ein Solist.
7. Vergleich & Einordnung:
Im Vergleich zu anderen klassischen Dark-Fired-Flakes – etwa Peterson Irish Flake – nimmt der 1792 Flake eine Sonderstellung ein. Die Tonkabohne verleiht ihm eine aromatische Signatur, die ohne den Tabak zu verfälschen, dessen natürliches Aroma ergänzt und unterstützt. Im Gegensatz zu den traditionellen Lakeland-aromatisierten Flakes fehlt ihm deren florale Leichtigkeit; stattdessen liefert er dunkle und komplexe aromatische Tiefe und Tabakwürze. Ich werte ihn nicht als Aromaten.
8. Eignung & Empfehlung:
Der 1792 Flake ist eindeutig ein Tabak für erfahrene bis exzentrische Pfeifenraucher. Er eignet sich für ruhige Stunden in der Solitüde und verlangt sorgfältige Vorbereitung, Konzentration sowie Respekt. Als Einsteiger- oder Alltagstabak ist er vollkommen ungeeignet, als charakterstarker Begleiter für den entdeckungsfreudigen Connoisseur jedoch von großem Reiz.
9. Fazit:
Der Samuel Gawith 1792 Flake ist ein Tabak für Liebhaber ausgesprochen kräftiger und komplex-aromatischer Mischungen. Seine intensiven Aromen und die hohe Nikotinstärke machen ihn zu einem besonderen Genuß für erfahrene und experimentierfreudige Raucher. Für Einsteiger oder Gelegenheitsraucher dürfte er jedoch zu intensiv und herausfordernd sein. Wer sich auf die komplexe Aromenwelt dieses Tabaks einläßt, wird mit einem einzigartigen, sehr intensiven Raucherlebnis belohnt. Obwohl er in Komposition und Intensität mit Peterson‘s Irish Flake vergleichbar ist, verursacht er mir, im Gegensatz zu diesem, keinen Brechreiz 🤢. Allerdings vermag ich ihn auch nur dann und wann zu genießen.