Peterson‘s Irish Flake - Rezension

  • Nachdem ich den letzten Rest dieses legendären Tobacs eher widerwillig verschmökt habe - der größte Teil ging schon vor Jahren als Tabakjauche auf meine Rosen, wo er den Blattläusen auch nicht schmeckte - hier nun subsummierend konkludierend eine Rezension.

    Wie immer berichte ich nicht massenspektroskopische oder gaschromatographische Analysen, sondern persönliche, höchst subjektive Eindrücke und Wertungen in bildhafter Sprache (etwaige Fans des Tabaks bitte ich um Nachsicht):


    1. Einleitung:
    Der Irish Flake aus dem Hause Peterson steht in einer Linie mit jenen kräftigen, unprätentiösen Pfeifentabaken des 19. Jhd, die ihre Wurzeln weniger im Salon als vielmehr im Alltag des arbeitenden Mannes haben. Wer ihn raucht, tritt bewußt in eine historische Kontinuität ein, die von kräftigem Dark Fired Kentucky, eher dunkler Virgina-Struktur und einem ausgesprochen maskulinen Selbstverständnis geprägt ist (à la „Ist er zu stark - bist du zu schwach“).

    2. Optik & Schnitt:
    Optisch präsentiert sich der Tabak in kompakten, dunkelbraunen bis nahezu schwarzen Flakes, von bemerkenswerter Dichte und Festigkeit. Der hohe Anteil feuergedarrter Tabake zeigt sich unmittelbar in der tiefen, öligen Färbung. Die Flakes sind sauber gepreßt und geschnitten, von gleichmäßiger Struktur und ohne bröselige Schwächen – ein Zeichen solider handwerklicher Verarbeitung.

    3. Kaltaroma:
    Das Aroma aus der geöffneten Vakuumdose ist eindringlich und kompromißlos. Dominant sind erdige, dunkle Noten von Dark Fired Kentucky: Feuchtes Leder, angekohltes Holz, eine herbe, bittere, fast medizinische Rauchigkeit. Die Virginias treten lediglich als leise süßliche Unterlage in Erscheinung, eher an Dörrfrucht und Schwarzbrot erinnernd, denn an Gras oder Heu. Bereits hier zeigt sich eine Tendenz, die für empfindlichere Nasen problematisch werden kann: Die intensive, leicht ammoniakalische Tiefe des Kentucky wirkt nicht nur fordernd, sondern kann eine deutliche Abwehrreaktion hervorrufen.

    4. Rauchverlauf:

    Anfang: Der Rauchbeginn ist wuchtig. Schon die ersten Züge entfalten eine massive Präsenz dunkler, rauchiger Aromen. Der Kentucky dominiert nahezu vollständig: Scharf, trocken, mit einer fast aggressiven Bitterkeit. Eine subtile, leicht an Backobst erinnernde Süße ist vorhanden, bleibt jedoch im Hintergrund gefangen und kann die kantige Grundcharakteristik nicht wirklich abmildern.

    Mitte: In der Mitte des Rauchverlaufs stabilisiert sich der Blend technisch, aromatisch jedoch verharrt er in einer strengen Monotonie. Der Rauch wird dichter, schwerer, die dunklen Röstaromen intensivieren sich. Für Liebhaber kräftiger Dark-Fired-Mischungen mag dies als Tiefe empfunden werden; mir hingegen schlägt die Massivität zunehmend auf den Magen. Der hohe Kentuckyanteil erzeugt einen unangenehmen Brechreiz, der wenig Lust für weitere Differenzierung läßt.

    Ende: Im letzten Drittel zeigt sich der Tabak unnachgiebig. Keine neue Facette tritt hinzu, vielmehr verdichtet sich das bereits Bekannte: Asche, Bitterkeit, adstringierend-trockene Rauchigkeit. Die wenigen Virginia-Anklänge sind nun vollständig absorbiert. Das Finale ist konsequent, aber unerquicklich – ein Abschluß ohne versöhnliche Geste.

    5. Abbrand & Technik:
    Technisch ist Peterson’s Irish Flake tadellos. Bei angemessener Vorbereitung brennt er gleichmäßig, kühl und mit minimalem Kondensat. Die Asche ist fein und hellgrau, der Rauch trocken. Allerdings verlangt der Tabak Aufmerksamkeit: Zu hastiges Rauchen bestraft er umgehend mit Schärfe und zusätzlicher Härte.

    6. Raumnote:
    Die Raumnote ist streng, schwer und von deutlicher Rauchigkeit geprägt. Sie erinnert an alte Werkstätten, kalte Öfen und angebranntes Holz. Für Unbeteiligte ist sie kaum angenehm, eher abschreckend – ein Umstand, der dem historischen Charakter des Tabaks durchaus entspricht, seine gesellschaftliche Verträglichkeit jedoch stark einschränkt.

    7. Vergleich & Einordnung:
    Im Vergleich zu Klassikern ähnlicher Komposition – etwa Ogden‘s St Bruno oder Samuel Gawith‘s Cob Flake 1792 – positioniert sich Peterson’s Irish Flake am kompromißlosen, dunklen Ende des Spektrums. Während andere Vertreter trotz deutlicher aromatischer Stärke eine gewisse aromatische Breite und auch Süße entwickeln, bleibt dieser Blend hart und eindimensional.Der Irish Flake ist schlicht weniger ausgewogen als viele seiner Verwandten und verläßt sich fast ausschließlich auf die brachiale Wirkung des Kentucky.

    8. Eignung & Empfehlung:
    Dieser Tabak richtet sich eindeutig an erfahrene Pfeifenraucher mit eher hoher Nikotintoleranz und einer ausgeprägten Vorliebe für Dark Fired Kentucky. Für Einsteiger ist er ungeeignet, für Liebhaber fein ziselierter Aromatik schlicht unerquicklich. Selbst Kenner sollten ihn mit Vorsicht genießen – idealerweise nach in einer kleinen Pfeife (Dunhill 2).

    9. Fazit:
    Peterson‘s Irish Flake ist ein historisch authentischer, handwerklich sauber gemachter, aber aromatisch polarisierender Tabak. Seine Stärke liegt nicht in Nuancierung oder Eleganz, sondern in kompromißloser Konsequenz.

    Für mich persönlich überwiegen die negativen Aspekte deutlich: Der überbordende Kentuckyanteil erdrückt jede Balance und erzeugt eine körperlich unangenehme Reaktion, die den Genuß nachhaltig beeinträchtigt. Als Zeitdokument und Ausdruck einer vergangenen Rauchkultur verdient der Tabak Respekt – als regelmäßiger Begleiter jedoch bleibt er, zumindest aus meiner Sicht, eine schwere Last statt eines kultivierten Vergnügens.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

  • Hallo Sven,


    schönes Review, ich selber habe den Irish Flake damals nur einmal bei mir gehabt. Geschmackstechnisch fand ich ihn gar nicht mal so schlecht, aber seine Stärke und Schärfe war mir dann einfach zu viel. Klar wusste ich, dass es ein schwerer Tabk ist, als ich ihn gekauft habe, aber ich dachte, wenn er so bekannt ist, probier ihn mal aus.


    Ja, Stärke, ich bin neben Pfeife auch Zigaretten Raucher, und das nicht knapp. Dadurch dachte ich, ich kann ne Portion Nikotin vertragen, Dachte ich. der irish Flake hat mich wirklich aus den Latschen gekippt, er war etwas zu viel des Guten. Schluckauf, Magengrummeln, so ein leichtes Schwummergefühl waren so einige Anzeichen, dass er mir zu stark war. Ich habe ihn ein paar mal geraucht, und dann verschwand er in meiner Tabakschublade, bis er vollends vertrocknet war und dann auch nicht mehr rauchbar.


    So gings mir mit dem Irish Flake von Peterson.


    Grüße,

    Sebastian

  • Hallo Sven,

    vielen Dank auch für dieses Review.
    Deine Erfahrung habe ich ebenfalls gemacht, dieser Tabak ist höchstens
    für Straßenasphaltbeschichtungsexperten gedacht, die die Geschmacksknospen
    abgehärtet und sowieso immer ein hohes Nikotin-Level haben.

    Für mich auf einer Linie mit den Hoggarth-Ropes (z.B. Sweet Rum Twist) oder dem
    ehemaligen Dunhill Royal Yacht. Bei denen habe ich große Couch-Affinität und
    Schweißausbrüche. Muss ich nicht haben.

    Gruß
    Thorsten

    "Every morning I wake up thinking, 'Good, another 24 hours of smoking'"

    - J.R.R. Tolkien - 1966 -

  • Hallo Thorsten,


    den Royal Yacht hab ich seiner zeit schon gerne geraucht. Aber auch der war stark, das hab ich beim Rauchen gemerkt. Aber er war für mich soweit verträglich, dass er mir mit seinem Geschmack noch wirklich geschmeckt hat, ohne dabei fast gleich umzukippen. Ich habe ihn zu bestimmten Gelegenheiten geraucht, also zum Beispiel nicht früh morgens oder spät am Abend, eher dann, wenn ich wirklich fit, wach und ausgeruht war. Zu diesen Gelegenheiten habe ich ihn dann rauchen können. So ähnlich gehts mir übrigens mit dem Hal o the Wynd, dafür muss ich fit sein, oder ich rauche draußen an der frischen Luft, dann gehts und schmecken tut der einfach richtig gut.Dadurch ist der für mich auch eher ein Sommertabak.


    Grüße

  • Hi Sven,

    danke auch von mir fürs Review. Mag sein ich hab es irgendwo überlesen...von wann etwa war die Probe?

    In Sachen Vitamin N kann ich einiges ab, aber der Pete IF war mir zu viel des Guten. Schluckauf und Druck unterhalb vom Brustbein. Ich spreche hier über den von vor vielen Jahren im kleinen Rechteckdösl. Außerdem mir zu Böhrlilastig und zu "zigarrig". Ich hatte ihn dann später nochmal gekauft, in der Runddose, und er schien mir dann insgesamt etwas entschärft, aber im etwa gleichen Geschmacksbild. Wie es sich mit der Ersatzlösung Rattrays Stirling Flake verhält weis ich nicht. Schade eher dass es den University auch nimmer gibt, ersatzlos. Der war zwar auch weit oben in der N Richterskala, aber für mich noch erträglich und halt mit schönem dezenten Plum Aroma.

    Apropos Nik... jetzt lese ich hier mehrfach Royal Yacht. Den hab ich mal Ende der 70er gekauft noch London Made...Holladiewaldfee...ebenfalls eine NikBombe...ging nur nach einem opulenten Nachtmal...:shock: ... ich glaub der ist heutzutage auch etwas "defused".

    Happy puffing

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

  • Hallo Rainer,

    Ich würde sagen, der Tabak ist mindestens 10 Jahre alt - noch in der Rechteckdose. Habe ich damals zusammen mit dem University Flake gekauft, der mir deutlich besser gefiel.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Einmal editiert, zuletzt von Sven (24. Januar 2026 um 20:53)

  • Servus,

    den Irish Flake habe ich vor eineigen Jahren auch mal geraucht, als ich noch keine Nikotinunverträglichkeiten kannte. Hab mich damals nur gewundert, daß ich danach nicht einschlafen konnte. Nachdem sich das ein paar mal wiederholt hatte, vermutete ich einen Zusammenhang mit dem Irish Flake und habe ihn tagsüber fertig geraucht. Eine Dose hab ich noch. Rechteckdose, Preis 10,30 €. Müsste also einige Jahre zurückliegen. Nachdem ich mittlerweile beim 1792, den ich früher problemlos in großen Pfeifen geraucht habe, Probleme bekomme, werde ich diesen irish Flake wohl nicht mehr öffnen.

    Gruß

    Stephan