Robert Mc Connell‘s Oriental Square - Rezension

  • 1. Einleitung:
    Mit dem Oriental Square positioniert Robert McConnell (gehört zu Kopp) innerhalb seiner Heritage Line eine Mischung, die sich explizit in die große Tradition der klassischen englischen Balkan-Mixtures stellt. Konzipiert und gefertigt bei Kopp in Rellingen, ist dieser Blend bewußt als stilistische und sensorische Nachahmung des legendären Dunhill’s Durbar konzipiert – jenem seit 2018 nicht mehr erhältlichen Tabak, der für viele Kenner über Jahrzehnte hinweg den Maßstab eines ausgewogenen, orientbetonten Engländers darstellte.

    Die Komposition folgt dabei dem klassischen englischen (hier speziell, da orientbetont, Balkan-) Dreiklang: Reife Virginias bilden das strukturelle Fundament, feine Orient-Tabake liefern Würze, Duft und ätherische Komplexität, während ein maßvoll eingesetzter zypriotischer Latakia Tiefe und Kontur beisteuert, ohne jemals dominierend zu werden.

    2. Optik & Schnitt:
    In der Vakuumdose zeigt sich der Tabak in einem klassischen Ribbon Cut, überwiegend mittelbreit, sauber verarbeitet und von gleichmäßiger Länge. Farblich reicht das Spektrum von hellem bis oliv-tingiertem Strohgelb des Orients über warme Gold- und Kupfertöne des Virginias bis hin zu dunkleren, nahezu schwarzbraunen Einschlüssen des Latakias.

    3. Kaltaroma:
    Das Kaltaroma offenbart bereits die Grundidee des Blends: Eine sanfte, natürliche Süße aus den Virginias eröffnet den Duft, rasch begleitet von floralen, leicht säuerlich-würzigen Noten der Orienttabake. Der Latakia meldet sich zurückhaltend zu Wort: Rauchig, trocken, leicht harzig, mehr Andeutung als Ansage. Der Duft wirkt trocken, kultiviert – Leder, getrocknete Kräuter, ein Hauch von Zedernholz. Wer hier eine laute Latakiabombe erwartet, wird bereits beim Öffnen eines Besseren belehrt.

    4. Rauchverlauf:

    Anfang: Der Rauch beginnt weich und angenehm: Die Virginias liefern eine runde, fast cremige Grundsüße, die jedoch nie ins Honigartige kippt. Die Orient-Tabake treten früh hinzu und bringen eine zitrische bis floral-ätherische, leicht pikante Frische. Der dunkel-rauchige Latakia bleibt dagegen im Hintergrund und fungiert eher als Rahmen denn als Akteur.

    Mitte: Im mittleren Drittel entfaltet der Oriental Square seine Komplexität vollständig: Die Orient-Tabake gewinnen weiter an Präsenz, zeigen nun mehr würzige, kräuterige und leicht mineralische Facetten, während die Virginias ihre helle Süße etwas zurücknehmen und stattdessen warmen Körper liefern. Der Latakia liefert nun dichtere, balsamische Rauchigkeit, die aber keinesfalls dominiert. Hier zeigt sich die eigentliche Stärke der Mischung: Ein stetiger, spannungsreicher Wechselgesang zwischen Süße, Würze und Rauch.

    Ende: Gegen Ende hin rücken die Virginias erneut in den Vordergrund, nun dunkler, feigenartig, an Früchtebrot erinnernd. Der Latakia legt sich sanft-rauchig darüber und sorgt für einen angenehmen Ausklang. Bitterkeit oder Schärfe bleiben aus, sofern der Raucher Maß hält. Der Nachhall ist lang und trocken, ohne ein Abgleiten in Bitterkeit.

    5. Abbrand & Technik:
    Technisch zeigt sich der Oriental Square vorbildlich. Der Tabak läßt sich leicht stopfen und brennt gleichmäßig ab. Kondensat tritt eher wenig auf, ebensowenig Zungenbrand – vorausgesetzt, man raucht ihn mit der gebotenen Gelassenheit. Der Tabak dankt eine bedächtige Kadenz und straft Hast mit dem Verlust seiner feineren, orientalischen Nuancen.

    6. Raumnote:
    Die Raumnote ist intensiv und klassisch englisch, aber nicht aufdringlich: Sie kombiniert eine würzige bis leicht „stallige“, moderat rauchig-holzige Präsenz mit einer lieblichen, süßen Grundstimmung. In stiller Umgebung kann dieser Duft im Raum umherschweifen – eine gute Wahl für genießerische Abende, weniger geeignet für enge, empfindliche und tabakaverse Umgebungen.

    7. Vergleich & Einordnung:
    Im Vergleich zu anderen, mir bekannten, klassischen, orientbetonten englischen Mischungen drängt sich insbesondere Samuel Gawith’s Skiff Mixture als Referenz auf. Beide Mischungen teilen die klare Betonung der Orienttabake, verfolgen jedoch unterschiedliche Stilistiken:

    • Die Skiff Mixture ist m.E. etwas strenger und kantiger. Ihre Orienttabake treten eher solistisch auf, mit deutlicherer Säure, prominenterer ätherischer Schärfe und trockenerer Würze. Die Virginias dienen dort primär als Träger, der Latakia bleibt eine ganz schmale, rauchige Linie. Der Rauch ist beinahe asketisch.
    • Der Oriental Square dagegen wirkt für mich dagegen ausgewogener und kultivierter. Die Orienttabake sind ebenfalls klar präsent, jedoch eingebettet in eine harmonische Gesamtstruktur. Historisch einordnend möchte ich sagen: Die Skiff Mixture repräsentiert den puristischeren, rustikaleren Balkan-Ansatz, der Oriental Square die elegantere, englische Salon-Tradition, wie sie auch im Vorbild Dunhill‘s Durbar ihren Ausdruck fand.

    8. Eignung & Empfehlung:
    Der Oriental Square richtet sich an den Pfeifenraucher, der subtile Nuancen schätzt und ein gewisses Maßhalten als Tugend begreift. Er eignet sich hervorragend als All-Day-Blend für Liebhaber klassischer englischer Mischungen vom Balkantyp, ebenso aber als bewußter Genuß am Nachmittag oder frühen Abend. Für Freunde schwerer Latakiabomben ist er wohl zu zurückhaltend; für „dyed-in-the-wool“ Aromatenraucher zu tabakecht und nüchtern. Für den traditionsbewußten Pfeifenfreund hingegen ist er ein kultivierter, historisch interessanter Begleiter.

    9. Fazit:
    Robert McConnell’s Oriental Square ist ein meisterhaft komponierter Blend, der die alte englische Tradition des Balkan-Blends in die Gegenwart hineinträgt: Ausgewogen, komplex und dennoch zugänglich. Seine Stärke liegt in der fein strukturierten Balance zwischen süßen, floral-würzigen und rauchigen Elementen, die sich über den gesamten Rauchverlauf entfalten. Wer diesen feinen Dialog zwischen Virginia, Orient und Latakia zu schätzen weiß, findet hier einen würdigen, traditionellen Begleiter. Als moderner Erbe des leider verflossenen Dunhill‘s Durbar, vermag er über dessen Demise hinwegzutrösten.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

  • Hi Sven,

    Danke fürs Review. Durbar ist ja so einer der on-off-on Tabake... Dunhill hatte ihn mal lange, dann wieder nicht, dann wieder... und dann ab 2018 die Kohlkoppschen Spezialpurzelbäume...;) Egal...unsere Wege haben sich nie gekreuzt...wird vielleicht dann mal...;)

    Meine pers. orientbetonte mit weniger Lat. Favoriten sind HU Asmara und der Orcilla v. Robert Lewis....und war Ashbury von GLP.

    Happy puffing

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

  • Ich hatte vor langer Zeit einmal den Durbar (vermutlich Murray). Damals war er mir zu ungewohnt orientalisch-blumig mit zu wenig Latakia. Als er dann von Orlik wieder aufgelegt wurde, gefiel er mir schon besser - was vermutlich eher an meinen sich ändernden Tabakvorlieben lag, als an Änderubgen der Mischung. Mittlerweile bin ich Orientfan 😁.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

  • Bei den Robert Lewis Mischungen ist immer Black Cavendish enthalten, weshalb ich die Tree Mixture nicht in den Vergleich mit einbezogen habe. Tatsächlich ist unter den 4 RL-Mischungen Tree Mixture die orientlastigste, 123 die latakialastigste.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️