Warum ich keinen Burley mag đŸ€”

  • Meine lang bestehende Abneigung gegen Burley ist keine Laune, sondern das Ergebnis wiederholter, nĂŒchterner Erfahrung.

    Burley ist ein Tabak von sehr trockener Natur: Luftgetrocknet, nahezu zuckerfrei, nikotinstark. Ihm fehlt m.E. jene milde SĂŒĂŸe, die den Rauch abrundet. Stattdessen tritt er herb und karg auf, mit einer spĂŒrbaren Neigung zu ĂŒbermĂ€ĂŸiger Trockenheit.

    Beim Rauchen Ă€ußert sich das in einer adstringierenden Wirkung, die ich als unangenehm empfinde. Der Rauch wirkt deutlich alkalisch, zieht die SchleimhĂ€ute zusammen und kratzt im Hals – nicht scharf wie Pfeffer, sondern ungehobelt rauh, stumpf und unerquicklich. Was anderen als „Körper“ oder „Struktur“ gelten mag, erscheint mir als Mangel an Balance.

    Dabei bin ich keineswegs ein Freund bloßer sĂŒĂŸlicher GefĂ€lligkeit. Ich schĂ€tze die Ă€therisch-krĂ€uterig-mineralische WĂŒrze des Orient, den dunklen, balsamisch bis harzigen Lagerfeuerrauch des Latakia und die ebenfalls dunkle, pfeffrig-fruchtige Note des PĂ©rique (ein „veredelter“ Burley); selbst kleinen Mengen der fleischig-rauchigen Umaminote des Dark Fired Kentucky (ein gerĂ€ucherter Burley) stehe ich offen gegenĂŒber, solange sie maßvoll eingesetzt sind. All diese Tabake besitzen m.E. eigenstĂ€ndigen, positiven Charakter, der die Harmonie einer Mischung ausmacht.

    Ich bevorzuge Mischungen, die Tiefe aus Reifung, Spannung aus Kontrast und Milde aus natĂŒrlicher SĂŒĂŸe gewinnen.

    Burley hingegen liefert in meiner Empfindung lediglich unangenehm dominierend, trocken-erdige Substanz - wie Mörtelstaub auf der Baustelle. In Mischungen mag er als saugfĂ€higer Bestandteil stark aromatisierter Kompositionen funktional sein, geschmacklich bleibt er mir fremd. Bestenfalls liefert er zuweilen eine nussige Kakaonote - die manchmal paßt.

    So ist meine Ablehnung keine Frage der mangelnden Gewöhnung, sondern der fehlenden Übereinstimmung. Burley spricht eine andere Sprache als die, in der ich Pfeifentabak schĂ€tze.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓

  • Hallo Sven,

    es ist schon erstaunlich wie unterschiedlich Aromen bei einem Raucher ankommen können.

    Ich selber empfinde Burley eher als wenig dominant und finde ihn meistens nur "hintenraus" durch die von dir beschriebene Kakaonote. Ansonsten "stört" er mich nicht weiter 😁

    Viele GrĂŒĂŸe

    -Frank-

    ... ein Narr wer Boeses dabei denkt...

  • Ebenso, ich mag Burley, rauche ihn gerne und er darf auch gerne mal dominieren je nach Mischung.

    ------------------
    Gruss, Phil - Sounds mean nothing without music (Jerry Goldsmith, film composer) | Pipes mean nothing without a silver ring... (Phil, Pete smoker)

  • HU Nashville County und MB Burley Flake aus der HH Serie sind schon seit lĂ€ngerem fester Bestandteil meiner Bar.
    Auch den MF Tullagreme House Nr.20 (angeblich ein reiner Burley Flake) mochte ich ganz gerne. Den gibt es nicht mehr.
    Solani Aged Burley Flake wird gerade als Ersatz fĂŒr den MB HH (den es auch nicht mehr gibt - 7 Dosen hab ich noch) getestet.
    Ebenfalls im Test ist der Dark Moon (erst einmal geraucht und kann daher nichts dazu sagen).

    Den Semois rauche ich ab und an auch ganz gerne. Aber selten. Außerdem weiß ich nicht, ob man den bei Burley einreihen kann. Zu speziell (wohl nur entfernt mit Burley verwandt. Kein casing und keinerlei Aroma. Keine anderen ZusĂ€tze)

    Einmal editiert, zuletzt von Ben (4. Februar 2026 um 10:23)

  • Hi zusammen,

    als ich seinerzeit den ChocoLat/InBeTween zusammengebastelt habe konnte ich einiges ĂŒber Möglichkeiten und Grenzen vom Burley lernen. Kurz ich mag ihn in dezent-moderaten Anteilen, also wenn es noch leicht schokoladig/nussig bleibt. Auch hat er das Talent einen Tabak etwas "mollig" zu machen. Bei mehr davon mag ich ihn dann aber nimmer, dann wenn es erdig oder gar zigarrig wird. Bei den hier erwĂ€hnten HUs ist das bei mir der Makhuwa, und mit dem Solani wurde ich auch nicht Freund. NatĂŒrlich hat auch so was seine Fans und die Bandbreite der Burleys ist sehr groß. Ich denk mal dass man den ominösen Semois auch in den Burley-Genpool einordnen darf. Es gibt halt zahlreiche Sorten und ZĂŒchtungen, nur meist eher mit Nummern statt mit klangvollen Namen wie man es von Kartoffeln usw. kennt. Dazu kommt dann noch Anbaugebiet, Boden und Klima. Analogien zu Wein sind da anwendbar (gilt natĂŒrlich auch fĂŒr andere Tabaksorten...).

    Ohne Burley wĂ€re die Tabakwelt ein ganzes StĂŒck Ă€rmer - offen bleibt wie viel man davon mag, oder halt auch nicht.

    Happy puffing

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

  • Hallöle,

    puh, dass Burley so ein Spalter ist...

    Rainer hattet schon recht gut auf den Punkt gebracht: Die Mischung macht's!
    HH Burley habe ich noch ne Menge da, den Solani Silver fand ich erst super,
    dann ging er mir irgendwie auf die Nerven wie eine alte Tapete.
    Den Amphora Burley fand ich schon ganz gut, aber fĂŒr mich ist die #1:

    HU Tobacco Nyala -> Beste GrĂŒĂŸe an Hans, toller Stoff...

    Gruß
    Thorsten

    p.s. Ich weiß, was Du meinst, Sven. Mir gefĂ€llt dieses strenge, quasi
    adstringierende Ende des HH so ĂŒberhaupt nicht, aber Burleys
    Erd- und Kakao-Noten finde ich schon interessant. Muss nur gut
    gemacht sein und das Finale nicht sooo gradzisch

    "Every morning I wake up thinking, 'Good, another 24 hours of smoking'"

    - J.R.R. Tolkien - 1966 -

  • Ich kenne bisher nur den Amphora Burley und ansonsten ist er schon auch hĂ€ufiger in meinen Aromaten. Den Amphora mochte ich geschmacklich schon und die Struktur die er gibt, aber die adstringierende Wirkung finde ich auch nicht ganz so angenehm bei hohem Burley gehalt.

  • Ich finde das interessant.
    Es handelt sich ja auch nicht nur um rein geschmackliche Vorlieben/Abneigungen.
    Sondern ( Sven korrigierre mich, sollte ich falsch liegen) um eine regelrechte körperliche Reaktion, die unangenehm ist.
    Aus Neugier: Hast Du das auch bei bestimmten Rotweinen, FrĂŒchten, SĂ€ften oder Tee (im allgemeinen oder wenn er zu stark ist oder zu lange gezogen hat)? Oder nur beim Burley? Wie sieht es bei Zigarren aus?

  • Hallo Ben :

    Da hast Du recht: Mir ist Burley in höheren Dosen körperlich zuwider. In geringeren Dosen kann ich ihn ertragen, aber fĂŒr mich ist er aromatisch eher keine Bereicherung. Ich liebe z.B. den Ennerdale - glaube aber, daß er mir ohne Burley noch besser gefiele.

    Es gibt natĂŒrlich auch adstringierende Weine - ich denke da an tanninreiche Rotweine (Barolo, Cahors, Madiran etc). Da stört es mich aber nicht. Beim Burley kommt noch das Kratzige dazu.

    Zigarren, Zigarillos und Zigaretten rauche ich nicht - insofern habe ich da keine Erfahrung (vor etwa 20 Jahren habe ich einmal 3 Cohibas geschenkt bekommen, die ich mit wenig Genuß verschmökt habe - ich mag einfach keinen Tabak im Mund).

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓

  • Exakt so geht's mir mit Kentucky. Komme ich irgendwie nicht ran. đŸ€·â€â™‚ïž

  • Hoesy : Kentucky empfinde ich in geringen Dosen durchaus als Bereicherung (St Bruno). In hohen Dosen (Peterson Irish Flake) wird mir ĂŒbel đŸ€ą.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓

  • Tja, interessant wie unterschiedlich jeder auf den Burley anspricht - und das wĂ€re mit anderen Tabaksorten genauso.

    Überraschend ist das allerdings nicht...Geschmacksache und die ganzen SprĂŒche dazu ĂŒber Affen, Seife usw. 8o

    Ich glaub ich hab das Wort Burley mal im Gleichklang mit dem Wort ChamÀleon gelesen...weis nimmer wo, trifft die Sache aber irgendwie.

    Happy puffing

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

  • Ich schĂ€tze z.B. Latakia, Orient und sogar PĂ©rique - Tabake an denen sich auch die Geister scheiden.

    Ich halte es da mit dem von mir verehrten Alten Fritz: Es soll doch jeder nach seiner Façon selig werden.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓