Meine lang bestehende Abneigung gegen Burley ist keine Laune, sondern das Ergebnis wiederholter, nĂŒchterner Erfahrung.
Burley ist ein Tabak von sehr trockener Natur: Luftgetrocknet, nahezu zuckerfrei, nikotinstark. Ihm fehlt m.E. jene milde SĂŒĂe, die den Rauch abrundet. Stattdessen tritt er herb und karg auf, mit einer spĂŒrbaren Neigung zu ĂŒbermĂ€Ăiger Trockenheit.
Beim Rauchen Ă€uĂert sich das in einer adstringierenden Wirkung, die ich als unangenehm empfinde. Der Rauch wirkt deutlich alkalisch, zieht die SchleimhĂ€ute zusammen und kratzt im Hals â nicht scharf wie Pfeffer, sondern ungehobelt rauh, stumpf und unerquicklich. Was anderen als âKörperâ oder âStrukturâ gelten mag, erscheint mir als Mangel an Balance.
Dabei bin ich keineswegs ein Freund bloĂer sĂŒĂlicher GefĂ€lligkeit. Ich schĂ€tze die Ă€therisch-krĂ€uterig-mineralische WĂŒrze des Orient, den dunklen, balsamisch bis harzigen Lagerfeuerrauch des Latakia und die ebenfalls dunkle, pfeffrig-fruchtige Note des PĂ©rique (ein âveredelterâ Burley); selbst kleinen Mengen der fleischig-rauchigen Umaminote des Dark Fired Kentucky (ein gerĂ€ucherter Burley) stehe ich offen gegenĂŒber, solange sie maĂvoll eingesetzt sind. All diese Tabake besitzen m.E. eigenstĂ€ndigen, positiven Charakter, der die Harmonie einer Mischung ausmacht.
Ich bevorzuge Mischungen, die Tiefe aus Reifung, Spannung aus Kontrast und Milde aus natĂŒrlicher SĂŒĂe gewinnen.
Burley hingegen liefert in meiner Empfindung lediglich unangenehm dominierend, trocken-erdige Substanz - wie Mörtelstaub auf der Baustelle. In Mischungen mag er als saugfĂ€higer Bestandteil stark aromatisierter Kompositionen funktional sein, geschmacklich bleibt er mir fremd. Bestenfalls liefert er zuweilen eine nussige Kakaonote - die manchmal paĂt.
So ist meine Ablehnung keine Frage der mangelnden Gewöhnung, sondern der fehlenden Ăbereinstimmung. Burley spricht eine andere Sprache als die, in der ich Pfeifentabak schĂ€tze.
Mast- und Schotbruch
Sven âïž