• Vorweg - dies ist keine richtige Rezension.
    Weder wie eine gute Rezension strukturiert noch mit sensorischen Eindrücken professionell untermauert.
    Es ist vielmehr Meinung, Ausdruck der Verwunderung (oder Enttäuschung) und auch Frage.

    Hab den Sligo erst 3-4 Mal geraucht. Bislang finde ich ihn nicht gut. Man riecht oder schmeckt einfach nichts einzeln heraus.
    Ich muss die Nase schon recht lange ins Glas halten und mich arg konzentrieren, um mir einzelne Komponenten zu erriechen.
    Da ich mir dann aber einfach nicht sicher sein kann, was Einbildung oder Tatsache ist - versuche ich gar nicht erst diese Komponenten zu nennen. Auch verliere ich eine Solche in der Nase immer sehr schnell.

    Der erste und immer wiederkehrende Eindruck: das Produkt ist überladen mit einem Aroma, welches zwischen Rasierwasser und Waschpulver pendelt.

    Beim Sligo hab ich fast den Eindruck, dass da ein Aroma-Motto verwendet wurde: Hauptsache Rasierwasser-Assoziationen.
    Und das weniger oft mehr ist, wurde hier nicht bedacht.

    Der Rauch erinnert mich stark an Räucherstäbchen. Raumnote wie im Esoterikladen.

    Rauchen: ich schmecke nicht viel. Das Aroma bleibt stark und lange im Nasenrachen hängen. Aber eben nur als Cluster. Keine Assoziation zu einem natürlichen Aroma.
    Viel mehr kommt bei mir nicht an. Die viel beschworene Tiefe und Vielschichtigkeit bleibt mir verschlossen.

    Ich bin nun wirklich kein Kenner aber:
    Das ist für mich auch kein „Lakeland“ wie ich es kenne (die wenigen, die ich kenne bzw. so einordne) - wo geschickt mit gewissen typischen Aromen balanciert wird.

    Der Sligo Bay kann mE mit anderen Blends, die dem Lakeland-Stil zugeordnet werden, nicht mithalten.
    Hat mE nach nicht die Finesse von Ennerdale, St.Bruno, Untouchables, Grousemoor usw.
    Selbst einfacher gestrickte Tabake die ich dieser Richtung zuordne, wie Haddes Best Irish, MF Anchor Lane 4 oder Oxford Blend (Bergamotte-lastig) und Pfeifendepot Rosemoor (Rosenöl) empfinde ich als bessere Vertreter.

    Und eine Warnung: die Pfeife riecht nach fast 2 Wochen immer noch sehr stark. Ich kann sie so nicht zurück in die Schublade zu den anderen legen.
    Ich habe gestern versucht den Geist auszutreiben. Mit Dark Moor. Den ich extra noch ein wenig angefeuchtet habe (in der Hoffnung es zieht viel ins Holz).
    Das ghosting von Sligo Bay war besser als das Pur-Rauchen. Oder interessanter. Aber auch nicht bahnbrechend. Und selbst wenn - das allein kann’s ja nicht sein

    Ich habe bislang nur 3-4 Köpfe geraucht.
    Daher ist meine recht negative Beurteilung hier vielleicht unfair und/oder verfrüht.
    Vielleicht besitze ich auch nicht die sensorischen Fähigkeiten, um den Tabak zu verstehen. kA.

    Mir stellen sich 2 Fragen:

    Hat jmd hier den schonmal probiert?
    Was soll der Tabak bzw. kann mir jmd. den Tabak erklären?

    Einmal editiert, zuletzt von Ben (9. Februar 2026 um 18:50)

  • Ich kenne den Tabak leider nicht, so daß ich nichts zu seinen „ inneren Werten“ beitragen kann. Grundsätzlich bin ich kein Fan von DTM-Aromaten. Nicht-aromatisierte DTMs (z.B. BBBB, Old Ironsides etc) dagegen schätze ich sehr.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

  • Hi Ben,

    mir gehts da ähnlich wie Sven, allerdings finde ich ein paar Mischungen die die Lauenburger für Hans gemacht haben recht gelungen...Morrocan, Darkwood usw. ...aber auch da welche die nicht getroffen haben...

    Geranium, Heliotrop usw. machen halt noch keinen Lakeland, jedenfalls hab ich keinen gefunden.

    Ähnliches gilt für Versuche einen McClelland nachzubasteln, was m.E. weder hierzuland noch in Amiland bislang gelungen ist...

    Happy puffing

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

  • Ebenfalls „Moin“ 😉

    Ich hab den Sligo Bay erst einmal geraucht und hatte durchaus meinen Spaß dabei. Ich werde ihn auch wieder rauchen … so in zwei, drei Monaten nochmal … vielleicht.

    Der kommt halt mit dem Holzhammer. Hier bin ich und sei dir sicher, ich bleibe eine Weile! Meiner Meinung nach ist es müßig da einzelne Komponenten erschmecken zu wollen. Das Aroma ist viel zu dominant und beherrscht die Tabakaromen. Ich will damit gar nicht sagen, daß sie völlig überdeckt werden, mit einer anderen Tabakgrundlage, würde sich sicherlich auch der Geschmack ändern, aber in der Summe stellt die Aromatisierung eindeutig klar: »Hier geht es um mich!«

    Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Mir hat er wie gesagt durchaus geschmeckt, aber das ist etwas, wo ich richtig Bock draufhaben muß. Das wird sicherlich in diesem Jahr noch zwei, dreimal vorkommen, öfter aber nicht.

    Meine Zweipfennig 😉

    -Frank-

    ... ein Narr wer Boeses dabei denkt...

  • Hi Jungs,

    es kommt ja oft vor dass ein einem Vorbild danebenliegender "Lookalike" seine eigenen Meriten hat.

    Kurz: Ich werde den zu gegebener Zeit mal probieren, da ich nix gegen Omaparfüm, Suleika Delight usw. habe, nun wohlwissend dass knapp daneben auch vorbei ist.;)

    Happy puffing

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

  • Moin,

    der Sligo Bay ist auch bei mir momentan im Einsatz. Er ist tatsächlich ein Vertreter,
    der Dich mit einem penetranten Aroma anlockt, mit dem überbordenden Geschmack
    erstickt er den Tabak und führt zu einer Monotonie, die etwas ermüdet über den Rauchverlauf.
    Den Virginia kann man nur in der filterlosen Pfeife durchschmecken, das Ghosting ist
    überragend gut/katastrophal, er braucht seine eigene Pfeife. Bei mir ist es eine der
    Former's Private Flake-Pfeifen, der eine seichtere Version darstellt, man könnte auch noch
    den Bulldog Golden Flake reinstopfen.
    Aber der Sligo ist schon besonders heftig und auch wenn man genug von ihm hat, drängelt
    er sich trotzdem immer wieder ins Gesichtsfeld. Aber nicht jeden Tag, schon gar nicht
    mehrmals. Nach meinen eher ernüchternden Erfahrungen mit dem neuen "Blümchen"-Ennerdale
    bin ich ganz happy mit diesem Davidoff Classic Eau de Toillete-getränkten Tabak, der in der
    Raumluft ein Aroma von "überparfümierter Hausmeister mit Reval" hinterlässt.
    Meine Frau beschwert sich ausnahmsweise bei dem nicht...

    Gruß

    Thorsten

    "Every morning I wake up thinking, 'Good, another 24 hours of smoking'"

    - J.R.R. Tolkien - 1966 -

  • Hallo Thorsten,

    Vielen Dank für Deine Informationen zum Sligo Bay. Langsam macht mich das neugierig auf den Tobac 🤭.

    Ich habe ja eine norddeutsche Sympathie für Non-Konformismus und schätze u.a. auch Parias unter den Tabake, wie z.B. Gawith&Hoggarth‘s Ennerdale oder Samuel Gawith‘s Black XX 😇.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

  • Nachtrag:

    Hab ihn gestern nochmal geraucht, mit nem Kräutertee als Begleitung.
    (war nicht meine Entscheidung, der Tee wurde mir einfach freundlicher Weise und ungefragt hingestellt)

    Vielleicht keine gute Paarung um denTabak zu beurteilen, weil man stellenweise nicht wusste wo Aroma/Geschmack herkommen.

    Aber: die Kombi war echt gut. Hat Spaß gemacht.
    Wer also den Sligo Bay nicht mag, der kann es ja mal mit nem Kräutertee als Begleitung probieren.
    Ergänzt sich gegenseitig prima.

  • Habe am WE eine großzügige Probe (5-6 Füllungen) von einem hamburger Freund, der sich bei seinem letzten Besuch in Lauenburg, resp. Geesthacht, die vorteilhafte Familienpackung hat aufschwatzen verkaufen lassen, erhalten.

    Der Eindruck ist bislang durchwachsen.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Einmal editiert, zuletzt von Sven (25. Februar 2026 um 15:41)

  • Hallo Sven & Co.,

    ich hatte ihn gestern wieder zwischen, nachdem ich jetzt auch The Eagle immer wieder in der Piepe
    habe und muss sagen, dass es eine suchterzeugende Hass-Liebe zum Sligo ist.
    Er brennt besser und wesentlich länger als der Seifenadler und macht keinen Hehl daraus, was er ist:
    Brutaler Seifen-Parfümist mit wirklich guter, reiner Tabakgrundlage. Der Adler "versumpft" mir gerne
    im Rauchholz , ist nicht so ergiebig, aber auch gefälliger, gibt sich dem Aromen-Hammer nicht hin.
    Sligo brennt super bis zur Asche runter, dafür nicht auf der Zunge.
    Mein Tipp für alle, die das Parfümierte mögen, aber auch helle, mittelstarke Virginias nicht aus dem
    Tabakregal schubsen.
    Nach jeder Pfeife denke ich: "Boahh, jetzt reicht es aber..." um mich anschließend ein paar Tage später
    wieder um das Glas schlawenzeln zu sehen. Bin kein besonders großer DTM-Fan, aber der
    hier ist schon was besonderes (neben Limerick, Formers Private Flake, Golden Flake, St. Bernard....)

    Gruß
    Thorsten

    "Every morning I wake up thinking, 'Good, another 24 hours of smoking'"

    - J.R.R. Tolkien - 1966 -

  • Hallo Thorsten,

    Haßliebe kann ich gut verstehen. Ich bin mir auch noch nicht so einig, wie ich ihn bewerten soll.

    Einerseits finde ich die Aromatisierung hochinteressant; anderseits geht darin der Tabak an sich weitgehend unter.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

  • 1. Einleitung:
    Zu den stilleren, doch nachhaltig befriedigenden Freuden des historisch geneigten Pfeifenfreundes zählt die Hinwendung zu einem Tabak, der nicht durch modische Neuheit, sondern durch wohlbedachte, traditionsbewußte Komposition überzeugt. Der englische Lakeland-Stil, hervorgegangen aus einer Epoche, da das britische Recht für Pfeifentabake lediglich natürliche Aromatisierungen gestattete, besitzt hierin besonderen kulturgeschichtlichen Reiz. Der unter der Bezeichnung Sligo Bay geführte Tabak aus dem Hause Dan Tobacco Manufacturing (DTM) zu Lauenburg scheint prima vista ein solches, seltenes Erzeugnis deutscher Provenienz darzustellen. Grundlage bildet laut Hersteller erlesener Virginia, gepreßt, gereift und sodann aufgerieben, dem florale Essenzen beigegeben sind, welche in der Lakeland-Tradition den Tabak nicht überdecken, sondern ergänzen und gleichsam adeln sollen. In welchem Maße dies hier gelang, sei im Folgenden erwogen.

    2. Optik und Schnitt:
    Der Tabak zeigt sich in warmen, lichten Tönen von Gold bis hellem Braun, gleichmäßig aufgerieben und frei von grobem Beiwerk. Der Schnitt ist wohlabgewogen, weder zu fein noch zu derb, und erleichtert das sachgemäße Stopfen.

    3. Kaltaroma:
    Beim Öffnen des Gefäßes entströmt ein Duft von bemerkenswerter Fülle: Eine zart zitrische Kopfnote, gefolgt von floralen Anklängen an Rose und Lavendel, getragen von einer ganz dezent holzigen Basis. Die Komposition ruft unwillkürlich Erinnerungen an traditionelle Rasierwasser des Chypre-Charakters wach. Der eigentliche Tabakduft tritt dabei kaum hervor.

    4. Rauchverlauf:

    Anfang: Nach dem Entzünden entfaltet sich der Rauch mild und duftreich. Die floralen Bestandteile treten sogleich mit Nachdruck hervor und legen sich wie ein dichter Schleier über den sehr zurückhaltenden, bis kaum wahrnehmbaren, tabakigen Grundton.

    Mitte: Im Fortgang gewinnt der Virginia etwas an Tiefe; bisweilen blitzen grasige und dörrfruchtige Süße auf. Gleichwohl bleibt die sehr eindrucksvolle Aromatisierung vorherrschend.

    Ende: Gegen Schluß zieht sich das zuvor üppige Parfüm etwas zurück und überläßt dem Virginia einen leicht holzigen, herben und trockenen Epilog, der weitgehend entbehrlich erscheint.

    5. Abbrand und Technik:
    Technisch zeigt sich der Tabak zuverlässig. Er läßt sich willig entzünden, brennt gleichmäßig und verlangt nur maßvolle Aufmerksamkeit. Bei ruhigem Zug bleibt der Rauch wohltemperiert und ohne Schärfe. Die Nikotinstärke ist von moderatem bis geringem Grade.

    6. Raumnote:
    Die Raumnote ist unverkennbar floral und von ausgeprägtem Lakeland Gepräge. Die Verbindung von Rasierwasser- und Tabakduft gemahnt an ländliche Barbierstuben vergangener Tage, in denen Handwerk und Muße bei einem Schmök einträchtig nebeneinander bestanden.

    7. Vergleich und Einordnung:
    Im Vergleich mit dem bekannten Ennerdale Flake aus dem Hause Gawith & Hoggarth zeigt sich ein deutlicher Charakterunterschied. Jener entfaltet ein ebenso intensives Bouquet von Rose, Lavendel, Mandel und Rum, gründet jedoch auf einer kraftvollen Virginia-Burley-Basis, die aromatisch niemals verdrängt wird. Beim Sligo Bay fehlt eine solche Balance.

    Auch gegenüber The Eagle von Tabac Benden tritt der Unterschied hervor: Trotz üppiger, dunkler und fast schwülstig-femininer Parfümierung mit Patchouli, Veilchen, Rose und Lavendel läßt jener dank seiner robusteren Tabakgrundlage aus Virginia, Burley und Kentucky den Tabak selbst vernehmlicher sprechen und steht damit dem genuinen Lakeland-Ideal deutlich näher als der DTM Sligo Bay.

    8. Eignung und Empfehlung:
    Empfehlenswert ist diese Mischung dem kundigen und aufgeschlossenen Raucher, der deutlich-florale Traditionen schätzt und vor ausgeprägten Erscheinungen nicht zurückschreckt. Eine eigens hierfür bestimmte Pfeife ist ratsam, da sich die Aromatik dem Holze nachhaltig einprägt.

    9. Fazit:
    Der DTM Sligo Bay erweist sich als eigenwilliger, extremer Tabak: Stark floral im Geiste eines Chypre Rasierwassers parfümiert, mit zwar edler, doch gegen die Duftstoffe kaum durchdringender Virginia-Basis. Gleichwohl besitzt er nonkonformistische Eigenart und eine gewisse, nicht zu leugnende Anziehungskraft des Extremen.

    Ein unmittelbarer Vergleich mit klassischen Lakeland-Vertretern scheint mir somit nur bedingt angezeigt; vielmehr repräsentiert der Tabak wohl eine eigenständige, mir unbekannte, irische Schule der Tabakkomposition (der Name weist ohnehin in diese Richtung).

    Eine kräftigere Tabakbasis, etwa durch Beimischung von Dark Fired Kentucky, Dark Fired Virginia oder aber eine sparsamere Dosierung der Essenzen könnte m.E. das aromatische Gleichgewicht der Mischung fördern.

    Gewiß ist indes: Wer den Tobac einmal geraucht, behält sein Aroma noch geraume Zeit in Erinnerung.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

    Einmal editiert, zuletzt von Sven (25. Februar 2026 um 20:57)