Tabac Benden‘s Klüverbaum Marineschnitt - Rezension

  • 1. Einleitung:
    Der Klüverbaum Marineschnitt aus dem Hause Tabac Benden in Düsseldorf steht in einer ehrwürdigen Tradition gepreßter Virginiamischungen, die als sog. Navy Cut ihren Ursprung im maritimen Alltag des 18. und 19. Jahrhunderts haben. Es handelt sich um einen bei Kopp auf den historischen, britischen Pressen gefertigten, vergleichsweise festen Plug, bestehend aus sorgfältig ausgewählten Virginias und einem maßvoll dosierten Anteil Périque. Diese Art der Darreichung – fest gepreßt, länger nachgereift, für den eigenhändigen Schnitt bestimmt – erinnert unmittelbar an klassische Seemannstabake. Der Zusatz von Périque verleiht diesen Mischungen traditionell Struktur, pfeffrige Würze und eine gewisse dunkel fermentierte, säuerliche Süße, die das reine Virginiaprofil perfekt ergänzt und abrundet. Die Benamung ist bewußt maritim: Der Klüverbaum ist ein vor dem Bugspriet nach vorn ausgreifender, meist leicht abwärts geneigter Ausleger am Bug eines Segelschiffes. Er dient dazu, die Klüversegel weiter voraus zu führen, wodurch die wirksame Segelfläche vergrößert und insbesondere die Höhe am Wind verbessert wird. Marineschnitt steht klassisch für Navy Cut.


    2. Optik & Schnitt:
    Der Plug präsentiert sich in der klassischen, gekonnt maritim gestalteten Druckdeckeldose kompakt und von bemerkenswerter Dichte: Nicht steinhart, aber doch so fest, daß man definitiv ein Messer zur Vorbereitung braucht. Die Oberfläche zeigt zwei Schichten eines ölglänzenden Mittelbrauns, alternierend mit einer dunkleren Partie, die auf den Périque-Anteil (20% sic!) hindeutet. Im Anschnitt offenbart sich eine feine Maserung: Schichtenweise helle bis mittelbraune Virginiastreifen, abwechselnd mit einer mahagonifarbenen bis violett-schwarzen Partie in der Mitte.


    3. Kaltaroma:
    Im kalten Zustand entfaltet sich ein vielschichtiges, jedoch keineswegs aufdringliches Bouquet. Vordergründig ist eine deutlich reife Virginiasüße wahrnehmbar, die an Pumpernickel, Backobst, Marzipan und Tannenhonig erinnert. Darunter liegt relativ dezent eine würzige, leicht säuerliche Périque-Note, die Assoziationen an fermentierte Pflaumen, Korinthen und eine dezente Pfeffrigkeit weckt.


    4. Rauchverlauf:

    Anfang: Nach dem Anfeuern zeigt sich zunächst die helle Seite der Virginias: Eine feine, ganz leicht grasige Süße tritt hervor, begleitet von Anklängen an Korinthen und Franzbrötchen. Der Périque blitzt gelegentlich pfeffrig auf, hält sich aber noch zurück. Der Rauch ist auffallend weich, jedoch bereits von einer gewissen Dichte getragen.

    Mitte: Im weiteren Verlauf gewinnt der Tabak deutlich an Tiefe. Die Süße wird deutlich dunkler, erinnert nun eher an Honigbrot, karamellisierte Früchte und Backobst. Hier tritt der Périque nun deutlich hervor: Eine feine, fermentierte Würze legt sich über das Geschmacksbild, prickelt leicht pfeffrig auf der Zunge, ohne jedoch dominant zu werden. Die Balance erscheint mir sehr gekonnt und sorgfältig austariert: Weder kippt der Tabak ins rein Süße noch ins Würzig-Strenge.

    Ende: Gegen Ende verdichtet sich das Aroma nochmals. Etwas erdige, leicht ledrige Nuancen kommen hinzu, während die Süße gedämpfter wirkt. Der Périque zeigt sich nun in seiner tiefsten Form: Nicht scharf, sondern warm und fast ein wenig dessertweinartig. Ein würdiges Finale.


    5. Abbrand & Technik:
    Wie bei allen Plug-Tabaken entscheidet die Vorbereitung maßgeblich über das Raucherlebnis. Sorgfältiges Schneiden und angemessenes Antrocknen sind unerläßlich. Je nach Schnittechnik, ob dünne Flakes zum Falten oder Aufreiben, oder aber kleine Würfel, läßt sich der Tabak sehr individuell aufbereiten. Diese Wandelbarkeit gehört zum eigentlichen Reiz solcher Preßtabake und verlangt zugleich eine gewisse Erfahrung und Muße. Richtig vorbereitet, belohnt der Tabak jedoch mit einem gleichmäßigen, ruhigen Abbrand und der Entfaltung seines komplexen Bouquets. Nachzündungen bleiben überschaubar. Geringe Kondensatbildung läßt auf eine gute Reifung und saubere Verarbeitung schließen. Der Tabak verlangt eine langsame, bedächtige Rauchweise – hastiges Ziehen quittiert er mit Schärfe.


    6. Raumnote:
    Die Raumnote ist traditionsgemäß von zurückhaltender Eleganz (wohlplazierter Euphemismus), jedoch nicht unbedingt gefällig im modernen Sinne. Sie bewegt sich im Spektrum von warmem Pumpernickel, dunkler Süße und einer dezenten, würzigen Schwere.


    7. Vergleich & Einordnung:
    Stilistisch steht dieser Tabak klar in der Linie klassischer Virginia/Périque-Plugs. Die Nähe zu dichten, als Plug gepreßten Vertretern wie dem bekannten DTM Salty Dogs ist unverkennbar. Im Vergleich zu manchen Vertretern dieser Gattung wirkt der Klüverbaum m.E. jedoch etwas zugänglicher in der Balance: Der Périque bleibt hier stets eingebunden und tritt nie gänzlich in den Vordergrund. Gleichzeitig fehlt ihm jede Form von Aromatisierung oder auch Rum-Veredelung, wie sie bei vielen Interpretationen häufig anzutreffen ist. Gegenüber dem Klassiker Dunhill‘s De Luxe Navy Rolls erscheint er mir in Verarbeitung und Aromatik rustikaler. Insgesamt läßt sich der Tabak als klassisch-konservativ einordnen: Kein Experiment, sondern eine saubere, handwerklich überzeugende Umsetzung eines bewährten Stils.


    8. Eignung & Empfehlung:
    Dieser Tabak richtet sich eindeutig an den erfahrenen Pfeifenraucher, der bereit ist, sich mit Schnitt, Vorbereitung und ruhigem Rauchtempo auseinanderzusetzen. Für Einsteiger dürfte die feste Pressung (kein Crumble Cake) ebenso wie die aromatische Dichte und Komplexität eine gewisse Hürde darstellen. Wer jedoch bereits mit naturbelassenen Virginias und Périque vertraut ist, wird hier eine verläßliche, tabakechte Mischung finden. Besonders geeignet erscheint er für ruhige Stunden; weniger als beiläufiger Begleiter, vielmehr als bewußt gewählter Genuß.


    9. Fazit:
    Tabac Benden’s Klüverbaum Marineschnitt, bei Kopp auf historischen Pressen gefertigt, erweist sich als ein Tabak von bemerkenswerter Qualität und handwerklicher Solidität. Die Kombination aus gereiften Virginias und markant (20%) eingesetztem Périque entfaltet ein vielschichtiges, jedoch stets ausgewogenes Aromabild. Ohne modische Zugeständnisse, ohne zusätzliche aromatische Effekte präsentiert sich dieser Plug als Vertreter einer traditionellen, maritimen, britischen Schule der Tabakkomposition. Eben darin liegt seine Stärke: In der unprätentiösen Konzentration auf das Wesentliche, in der ruhigen Entwicklung über den Rauchverlauf hinweg und in der Fähigkeit, bei angemessener Behandlung ein tiefes, nachhaltiges Raucherlebnis zu bieten. Ein Tabak, der weniger durch spektakuläre Aromaeffekte, als durch Qualität, Beständigkeit und Substanz überzeugt und sich damit würdig in die Reihe klassischer Navy-Tabake einfügt. Ein würdiger Tribut an die Deutsche Marine.

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

  • Moin Sven,

    danke fürs Review. Wie gewohnt schon zu lesen und detailverliebt incl. Tutorium in die christliche Seefahrt…;) Interessant dass Kopp jetzt scheinbar erstmals die Pressen für einen quasi echten Plug nutzt, und es ist wohl klug da gleich mal mit einem ordentlichen VaPer anzufangen. Interessant auch die beschriebene Maserung durch das lagenweise Einbringen des Tabaks mit den entsprechenden Konsequenzen zur rauchgerechten Aufbereitung.

    Kurz: Als VaPer Fan macht der offensichtlich Lust, und es wird spannend wie er sich mit anderen bekannten vergleicht. Es kann nicht schaden hier mal gleich zwei Dosen zu nehmen, eine zum direkten Ver(b)rauch, die andere zum „Squirrel away“, denn trotz längerer Verweilzeit in der Presse zählt er noch als „frisch“ und hat bestimmt Potenzial zum „Aging“.

    Happy puffing

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

  • Moin Rainer :

    Ich denke, der Plug hat gutes Reifungspotential. Bei Kopp hat er bereits mindestens 6 Monate gereift und ist deutlich dunkler geworden.

    Laut meinem Informanten wurde 1000 Einheitenà 100 g produziert 😉.

    Mast- & Schotbruch

    Sven ⚓️

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️

  • Hi Sven,

    als „Kellermeister“ rechnen wir in Jahren, nicht in Monaten…:P Schon klar dass die herstellungsbedingten 6 Monate ein guter Vorgriff sind, aber wie du auch schon sagst, da geht sicher noch mehr.

    Früher, als es betriebswirtschaftlich scheinbar noch vertretbar war, haben McClelland und C&D bestimmte Tabake erst 6-12 Monate nach dem Eindosen in den Handel gebracht. Als Beweis diente der „date code“…

    Klar dass das nur für Virginiabetonte Mischungen (egal Ribbon Cut oder Presstabake) aus der Richtung „naturrein“ sinnbringend ist, (Hoch)Aromaten verlieren deutlich. Selbst mein sehr dezent aromatisierter „ChocoLat“ (nun InBeTween) hat über die Jahre von seinem ursprünglichen Charme verloren und ist so bissel Flügellahm geworden. Das liegt aber auch mit am Latakia, mehr als 10 Jahre tut den meisten Latakias nicht gut, sie flachen ab, werden dumpf und die Geschmacksspitzen sind weggeschliffen, nach 20 Jahren und mehr haben die Dosen nur noch Sammlerwert ( wofür teils noch horrende Summen gezahlt werden, wenn z.B. die Zahl 759 auf der Dose steht…:P)

    Sodann…bin mal gespannt wie schnell die 100kg Plug weg sind…

    Happy puffing

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

  • Es kann nicht schaden hier mal gleich zwei Dosen zu nehmen, eine zum direkten Ver(b)rauch, die andere zum „Squirrel away“, denn trotz längerer Verweilzeit in der Presse zählt er noch als „frisch“ und hat bestimmt Potenzial zum „Aging“.

    Moin.

    Genau so habe ich es gemacht. 😁

    …und von den 100kg gehen jetzt auch nochmal 200g weg…:saint:

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

  • Hallo Sven,

    wie gewohnt eine wunderbare Tabakbesprechung von dir. Danke dafür.

    Ich bestelle auch zwei Döschen zum Einlagern. Denn in einem guten Haus geht das Gute nie aus. Den hab ich mir gemerkt, entschuldigt zukünftig alle Tabak Hamsterkäufe.

    Er gewinnt sicher, wenn er ein bisschen liegt.

    Gruß - Thomas

    Einmal editiert, zuletzt von Thomas (28. März 2026 um 17:57)

  • Nachdem ich sagen kann, daß mir der Tobac ausnehmend gut gefällt, habe ich noch 2 weitere Einheiten geordert 😉.

    Mast- & Schotbruch

    Sven ⚓️

    Mast- und Schotbruch

    Sven ⚓️