1. Einleitung:
Mit Fred the Frog beschreitet Dan Tobacco Manufacturing (DTM) einen bemerkenswert exzentrischen Weg innerhalb der modernen Pfeifentabaklandschaft. Die Mischung entzieht sich bewußt den klassischen Kategorien: Weder handelt es sich um eine reine englische Mischung noch um einen typischen Aromaten oder einen orthodoxen Virginia-Périque-Blend. Vielmehr versucht der Tabak offensichtlich, mehrere historische Schulen miteinander zu vereinen: Die würzige Trockenheit englischer Latakia-Mischungen, die gärige Tiefe der Virginia-Périque-Mischung, sowie eine beinahe altmodisch wirkende Lakritzsüße, wie sie insbesondere in holländischen Mischungen früher anzutreffen war. Die Basis bilden reife Virginias, etwas Périque, Black Cavendish sowie eine nur angedeutete Spur Latakia im Hintergrund.
2. Optik & Schnitt:
Optisch präsentiert sich Fred the Frog ausgesprochen „bunt“. Der Schnitt ist ein Sammelsurium aus Ready Rubbed Flake, gröberen Ribbonbestandteilen und kleinen Würfeln. Die Farbpalette reicht von hellem Goldbraun über mittlere Kastanientöne bis hin zu einzelnen tiefschwarzen Cavendish- und Latakia-Partikeln. Der Feuchtigkeitsgrad ist ordentlich eingestellt; der Tabak wirkt weder klebrig noch übermäßig trocken.
3. Kaltaroma:
Das Bouquet des kalten Tabaks eröffnet ausgeprägt süßlich. Zunächst treten dunkle Trockenfrüchte, eingelegte Pflaumen und ein Hauch Brombeere hervor. Dahinter liegt eine weiche Lakritznote, die weniger an moderne Aromaten erinnert als vielmehr an alte Kräuterbonbons oder Pastis. Die Virginias liefern einen verhaltenen Duft nach Heu und dunklem Brot, während der Latakia sich diskret versteckt. Wer eine rauchige englische Mischung erwartet, dürfte an dieser Stelle bereits irritiert sein. Der Périque zeigt sich lediglich in Form einer dumpfen, gärigen Würze im Hintergrund.
4. Rauchverlauf:
Anfang: Die ersten Züge überraschen durch ihre Milde. Zunächst dominieren süßliche Virginia- und Cavendishnoten: Etwas Honig, dunkles Brot, dazu eine diffuse Fruchtigkeit, die an getrocknete Pflaumen erinnert. Die Lakritzwürze bleibt dezent, ist aber klar wahrnehmbar. Latakia tritt bestenfalls als rauchiger Hintergrundton auf.
Mitte: Im mittleren Drittel gewinnt der Périque an Kontur. Eine pfeffrige Schärfe entwickelt sich retro-nasal recht deutlich, ohne allerdings jene tiefe, weinartige Komplexität hochwertiger Virginia-Périque-Blends zu erreichen. Die Lakritzsaucierung nimmt zuweilen eine leicht salzige Note an. Der Cavendish glättet das Aroma, nimmt dem Tabak jedoch zugleich Struktur und Tiefe. Es entsteht für mich ein etwas wattiger Gesamteindruck.
Ende: Zum Ende hin wird die Mischung trockener und etwas herber. Die Lakritzsüße zieht sich weitgehend zurück, wodurch Périque und Latakia nun etwas stärker hervortreten. Es bleibt ein leicht holziges, bisweilen etwas aschiges Finale mit würzig-pfeffrigem Nachhall.
5. Abbrand & Technik:
Technisch verhält sich Fred the Frog nicht völlig unkompliziert. Der eigenwillige Schnitt erfordert etwas Sorgfalt beim Stopfen. Zu lockeres Befüllen führt schnell zu ungleichmäßigem Zugverhalten, während zu festes Stopfen das ohnehin eher subtile Aroma zusätzlich dämpft. Ist die Pfeife jedoch korrekt vorbereitet, brennt der Tabak wohltemperiert und vergleichsweise langsam ab. Positiv fällt auf, daß der Blend trotz Cavendish und leichter Aromatisierung kaum zur Überhitzung neigt. Kondensat bleibt moderat. Gelegentliche Nachzündungen sind allerdings, insbesondere im letzten Drittel, nicht ungewöhnlich.
6. Raumnote:
Die Raumnote gehört zweifellos zu den angenehmeren Eigenschaften des Tabaks. Der Latakia bleibt so zurückhaltend, daß die Umgebung eher süßlich-würzige Eindrücke wahrnimmt: Etwas Lakritz, dunkle Früchte, Tabakwürze. Anders als viele englische Mischungen hinterläßt Fred the Frog keinen schweren Rauchgeruch in Kleidung oder Raum.
7. Vergleich & Einordnung:
Am ehesten läßt sich Fred the Frog als kontinentale Interpretation einer milden englischen Mischung verstehen. Parallelen zu klassischen Englischen Mischungen bestehen lediglich in Andeutungen. Im direkten Vergleich zu beispielsweise Dunhill‘s London oder Standard Mixture fehlt ihm jene trockene orientalische Noblesse und die klar strukturierte Balance zwischen Virginia, Orient und Latakia. Zu den alten McClelland-Frog Morton-Blends bestehen, nicht nur des Namens wegen, gewisse geistige Verwandtschaften: Milde Rauchigkeit, weiche Textur, publikumsfreundliche Ausrichtung. Doch während die us-amerikanischen Frog-Morton-Blends oft eine fast cremige Geschlossenheit mit „weichgespültem“ Latakia besaßen, wirkt Fred the Frog deutlich kantiger und stilistisch weniger eindeutig. Als Virginia-Périque-Blend betrachtet, verwirrt die Saucierung mit Lakritz. Interessant ist die Nähe zu manchen älteren holländischen oder dänischen Mischungen (z.B. MacBaren‘s mit Ahornsirup traktierte Roll Cakes), bei denen eine leichte Aromatisierung lediglich als verbindendes Element dient.
8. Eignung & Empfehlung
Geeignet ist Fred the Frog vor allem für Raucher, die sich zwischen englischen Mischungen und dezent aromatischen Kompositionen bewegen. Für Einsteiger in die Welt latakiabetonter Tabake kann er durchaus als Brücke dienen. Weniger empfehlenswert erscheint er mir hingegen für Liebhaber streng klassischer englischer Mischungen. Wer die trockene Würde alter London Blends sucht, dürfte die süßliche Weichzeichnung und die fehlende Orient-Tiefe als Mangel empfinden. Besonders gut funktioniert der Tabak m.E. in mittelgroßen bis größeren Köpfen sowie bei ruhigem, langsamen Rauchrhythmus.
9. Fazit:
DTM Fred the Frog ist ein eigentümlicher, schwer einzuordnender Tabak: Der Blend versucht offensichtlich, englische Latakia-Würze, Virginia-Périque-Komplexität und leichte holländische Aromatisierung zu einer alltagstauglichen Mischung zu verbinden. Gerade diese Vermittlerrolle verhindert jedoch zugleich wirkliche Größe. Dem Tabak fehlt m.E. die stilistische Konsequenz klassischer englischer Mischungen ebenso wie die sinnliche Geschlossenheit großer dänischer Aromaten. Vieles bleibt Andeutung, vieles (insbesondere der Latakia) Hintergrund. Dennoch besitzt Fred the Frog einen gewissen exzentrischen Charakter, der ihn für den experimentierfreudigen Pfeifenfreund interessant macht. Als gelegentliche Abwechslung in der wohlsortierten Tabakbar besitzt der Blend zweifellos Reiz.