Hab ich in letzter Zeit hier aber zu häufig gesehen...
Schluss mit lustig, ich werfe dieses unmögliche, abgelederte Rauchholz in den Ring:
Eine völlig überrauchte Peterson Sherlock Holmes Deerstalker, rustiziert und mit Fishtailmundstück, man kann auf dem Bild hier sehen, wie abgeknabbert sie den Weg zu mir gefunden hat:
Die Rauchkammer ist auf extra-groß ausgebrannt. Würde sie gerne nochmal kaufen, denn sie smoked Latakia-Blends extrem gut, aber leider sehe ich die immer nur mit P-Lip-Mundstück..
Gruß Thorsten
p.s. Auf Grund des durchgebissenen Mundstücks habe ich die auch mal mit Gummiüberzieher geraucht. Fazit: Speichel sammelt sich darunter, wird ekelig und rutschig und ich habe Zahnschmerzen beim Beißen auf den Gummi gekriegt. Alle im Müll gelandet, geht auch so.
die meisten Tabake, die ich nach dem Öffnen der Dose sofort in Gläser umfülle (man erinnere sich an meinen Wassertest zum Feuchteverlust), sind bedeutend feuchter als Zigarren im Humidor, die sich bei ~72% rLF recht pudelwohl fühlen. Dose auf, Teil in die Piepe, Rest ins Glas, Hygrothermometer dazu, normalerweise am nächsten Tag 75-80%!!!!
Außer der Pesse Canoe Latakia 20, der war unter 70%, furztrocken und zerfiel nach Berührung zu kleinen Bröseln. Drei Humydrole, die die rLF zeitweise auf 80% erhöht haben, konnten nix dran ändern.
Die DDLNRs, über 10 Jahre alt, aus der Dose pimpen die rLF teilweise auf 86%!! Wird wohl am Propylenglykol liegen. Im Tabak ist jede Menge Benzoesäure-Zeugs, hält gut die Feuchte und verhindert Schimmel. Ich würde es mit einem kleinen Schälchen 50:50 Destwasser & Propylenglykol versuchen...
Rainer hattet schon recht gut auf den Punkt gebracht: Die Mischung macht's! HH Burley habe ich noch ne Menge da, den Solani Silver fand ich erst super, dann ging er mir irgendwie auf die Nerven wie eine alte Tapete. Den Amphora Burley fand ich schon ganz gut, aber für mich ist die #1:
HU Tobacco Nyala -> Beste Grüße an Hans, toller Stoff...
Gruß Thorsten
p.s. Ich weiß, was Du meinst, Sven. Mir gefällt dieses strenge, quasi adstringierende Ende des HH so überhaupt nicht, aber Burleys Erd- und Kakao-Noten finde ich schon interessant. Muss nur gut gemacht sein und das Finale nicht sooo gradzisch
ja, der Meermin ist schon ganz OK, aber eher süßer, leicht bissiger Virginia. Bei mir ist er in den selbstgestopften Zigaretten gelandet.
Ich möchte aber bezweifeln, dass es der Calume Kiowa-Cut-Ersatz für Dich werden wird, dafür ist er zu sehr auf der VA-Seite des Lebens.
Ich denke eher, wie Sven angeraten hatte, den Kentucky Bird, den Sweet Dublin Irish Whisky oder den Jock Scott Creamy Malt, bitte schlagt mich nicht
Heute rauche ich die nicht mehr, aber in Punkto Aromat fand ich die damals ganz angenehm. Jetzt sind es bei mir auch die Kräuter- Seifen-Dinger aus Nordengland...
vielen Dank für die drei Reviews, ich bin nicht so der Orient-Fan, aber ich werde mir wohl mal den Silk Road in das Tabakregal stellen, wenn ich resumiere.
vielen Dank auch für dieses Review. Deine Erfahrung habe ich ebenfalls gemacht, dieser Tabak ist höchstens für Straßenasphaltbeschichtungsexperten gedacht, die die Geschmacksknospen abgehärtet und sowieso immer ein hohes Nikotin-Level haben.
Für mich auf einer Linie mit den Hoggarth-Ropes (z.B. Sweet Rum Twist) oder dem ehemaligen Dunhill Royal Yacht. Bei denen habe ich große Couch-Affinität und Schweißausbrüche. Muss ich nicht haben.
da muss ich doch wieder eine Lanze für die "afrikanischen" HU-Tabake brechen, da wird jeder Latakia- und/oder Orient-Freund mindestens einen Tabak für sich finden. Ich habe sie fast alle durch (der Karthoum steht hier noch verschlossen, kommt aber nach den drei Gladoras ran) und es wurde besser und besser und besser.. ..und endete für mich beim Port/Sweet Latakia, der straight Latte ist, aber dabei weich, süß, mild. Aber diese extrem ätherische Würze des alten Syrers wird es wohl nicht mehr geben.
schau mal in den Beitrag "Das Märchen vom „naturnahen“ Tabak…", den ich vor knapp 5 Jahren mal verfasst habe, da habe ich die Datenbank mal ausgewertet und die Tabake etwas in Relation gestellt.
Aber wenn wir 'nen Strich drunter machen:
Rauch, was Dir schmeckt. Schmeckt es nicht mehr, hör auf zu schmöcken, ist ungesund....
ich bin nicht wirklich Fan von der Form, aber was diese Pfeife so einzigartig macht, ist dieser Rest an Borke im Rand. Wie der Leberfleck auf dem Po einer schönen Frau.
Dieser hier ist mir aber zu klein und doch zu ausladend
Aber sehr schöne Arbeit, viel Erfolg damit, vielleicht hat sie die Chance in good old Europe zu bleiben.
bevor er vor einigen Jahren gänzlich aus dem Programm verschwand, meine eingelagerten Prügel gab es bis 2020, war er gut 25% günstiger als die Dosenware bei, für mich, keinem erschmeckbarem Unterschied.
Damals hatte ich zwei Keulen für pro Stück (Taschentuch bereithalten) 58€ gekauft. Kann schonmal fast doppelt so teuer werden in 5 Jahren...
Der Original-Motzek wurde mir zwar immer wieder empfohlen, aber bei den neueren Auflagen wurde immer vor Schimmel gewarnt, so ist er nie bei mir eingezogen. Es kann sein, dass Sven (?) mir mal ein Stück geschickt hatte, scheint aber nicht so einen großen Eindruck hinterlassen zu haben.
Alles egal, hab jetzt noch einen Prügel, 16 Dosen Peterson und 6 Dosen Dunhill, das sollte erstmal reichen...
ich habe letzte Woche nochmal die Gelegenheit genutzt, vor der jährlichen Preisanpassung dieses Geröll im Lager aufzustocken. Wie komme ich nur auf die Idee, dass es schon wieder teurer wird?
Kann man auf der Heinrichs-Seite sehen, wo der Tabak bereits teuerer als bei z.B. Benden ist. Der Hammer des vergangenen Jahres ist für mich neben dem HU DC-Schock der Preis für den wieder aufgetauchten Heinrichs-Strang namens Curly Block, der nix anderes ist, als diese Rollies hier in ungeschnittener Form. Da hat die neue STG-Politik dazu geführt, dass er teurer ist, als die Peterson Coins:
ja, die McB-Rolls: ich habe sie alle durch und würde mich so freuen, wenn sie mir die Zunge nicht so in Streifen rösten würden. Der Dark Twist geht noch und beim Stockton nehme ich den Schmerz noch so in Kauf. Aber vor dem Club Blend und dem Roll Cake habe ich dann doch kapituliert
bisher kam der Tabak bei mir eigentlich immer zu feucht an, aber ausgepackt und ins Glas gepackt trocknet der weg wie ´ne Blume im Zeitraffer. Ich mag den 20er ganz gern, der 40er war mir nicht ausgewogen genug, bzw. Latte straight forward, da nehme ich lieber was anderes.
Die Verpackung ist aber schon ein Witz, und wenn die irgendwo im Regal liegen, werden, die f**ztrocken und fühlen sich an, als würden die zu Staub zerfallen.
Auch der Schnitt ist sehr ungleichmäßig, da ist alles von 1-4mm Dicke dabei, teils auf einem Flake. Sieht aus, als hätte da einer mit dem Dolch vom Spieß geschnitten...
Hypen würde ich ihn nicht, aber diese pudrige Konsistenz beim Trockenen erinnert mich schon an manche Lakelands, wie den Ennerdale, der auch gern im Glas vor sich hintrocknet.
da erinnerst Du mich aber wieder einmal an die alten (und extrem hässlichen) Lorenzo-Pfeifen, die ich noch strahlen wollte. Liegen wohl auf der Arbeit im Schrank und ich habe die Zeit nicht gefunden. Da muss ich dann tätig werden, so freitags nach Schluss.. Glas hatten wir auch, bisschen komisch hand zu haben. Ich hätte noch Walnussschale, aber irgendwann will ich auch mal nach Hause
Hans Wiedemanns Kreationen stoßen nicht nur bei mir auf große Begeisterung, überrascht muss ich in letzter Zeit feststellen, dass immer mehr unserer amerikanischen Pfeifenfreunde die Blends des „deutschen Pease“ als ihren Lieblingstabak angeben. Gehört habe ich es jetzt schon öfter in den Podcasts der Pipes Magazine Radio Show oder aber auch in der Country Squire Radio Show, wobei letztere nun nicht mehr on air oder on wire ist…
Muss ich mir da jetzt Gedanken machen? Ich hoffe nicht. Hans konzentriert sich nun mehr auf das Blenden und hat seine Vermarktung an Kopp weitergegeben, die auf Grund ihrer Unternehmensgröße besser mit den Vorschriften zur Nachverfolgung zurechtkommen und das Track & Trace- System wirtschaftlich stemmen können. Vor fünf Jahren hat er zusammen mit Thomas Nitsches von Kopp eine Serie auf von drei Tabaken entwickelt, deren ursprünglicher Charakter durch einen aufwendigen Reifeprozess derart verändert wurde, dass sie einem gealterten Tabak gleichkommen. Die Rede war da von einer Lagerung in einer Klimakammer mit erhöhter Temperatur und Luftfeuchtigkeit für zwei Jahre. Dass diese Tabake was teurer sind, kann man sich bei dem Aufwand vorstellen. Daher hatte ich sie nicht für mich in Betracht gezogen. Heute, fünf Jahre zwei Krisen und eine Zeitenwende später spielt der Unterschied kaum noch eine Rolle.
Hans hat dieser Serie einen spanischen Touch verliehen, gemäß den bekannten Gran Reserva-Weinen, die die Krönung eines jeden Winzers auf der iberischen Halbinsel darstellen. Zwei Jahre gelten nun für einen Wein nicht als besonders alt, für einen Tabak kann es bei dieser Behandlung schon was ausmachen. Man kann sich vorstellen, dass in einem solchen Klima-Schränkle nicht unbegrenzt viel Tabak eingelagert werden kann, was den Zusatz limitada erklärt. Bei der Namensgebung ist er gleich in der Mancha geblieben und hat sich Miguel de Cervantes Überlieferung der tragischen Heldengeschichten des Don Quijote gewählt. Diesen Geschichten bin ich in meiner Kindheit in Form einer Zeichentrick-Serie gefolgt. Während meiner Zeit in Madrid war ich mit Frank von der Band Mägo de Oz zusammengekommen, einer in der spanisch-sprachigen Welt berühmten Folk-Metal-Band, die mit einer modernen Version der Leyenda de la Mancha 1998 so richtig durchstarteten. War und bin ich ein Riesenfan von, auch wenn ich zugeben muss, dass das aus zwei Büchern mit über 1200 Seiten bestehende Werk von Cervantes bei mir im Regal verstaubt, da mich das darin verwendete Altspanisch hat aussteigen lassen.
Nun hat man die Tabakwahl der Qual zwischen dem Rocinante, dem Cervantes und dem Sancho Panza. In der Jugend hatte ich ein umgebautes und selbstlackiertes Hollandrad, dass ich liebevoll nach erstgenanntem Tabak benannt hatte, da es das etwas klapprige Streitross des tragischen Helden war. Da der Name allein ja nicht Grund für diese Wahl gewesen sein kann, gibt sicherlich Hans Beschreibung einen zusätzlichen Hinweis:
„Der Rocinante besticht durch seine süßen Virginias, denen reichlich Burley und jeweils ein Hauch Perique und ein Hauch Kentucky beigemengt wurden. Diese sorgfältig ausgesuchte Mischung lagerte zwei Jahre im Klimaraum bis sie ihr abgerundetes Aroma entwickeln konnte. Der Rocinante überzeugt durch eine unglaubliche Weichheit, eine extreme Fülle, die keineswegs überbordend daherkommt, sondern sich in einem vollendetem Bouqet entlädt. Ein Bouqet, das in seiner Gänze glänzt, ein Bouquet, in dem es nur Teamplayer gibt. Teamplayer, die die perfekte Balance zwischen angenehmer Süße und nussiger Würze beherrschen. Samtigkeit und Fülle verleihen ihm Tiefe, statt Einheitsgeschmack. Der Rocinante überzeugt mit seinem wohl abgestimmten Geschmack bis zum letzten Zug.“
Perique, Bouquet, Weichheit, da bleibt mir keine andere Wahl als den Burschen hier anzustechen.
Tabakbild
Nicht nur zwei Jahre im Kopp’schen Klimakasten, sondern auch noch zwei Jahre im Tabakschrank durfte diese wirklich edel von Alexander Broy gestaltete Dose auf das erste Tageslicht warten, sozusagen Reserve2. Da es eine Schande ist, das Design durch „Wenn Sie das rauchen, werden Ihnen die Genitalien verkümmern, Ihr Partner Sie verlassen und Ihre Kinder jung sterben.“-Aufkleber zu verschandeln, gibt es unter dem Deckel noch einen schicken Ableger des Dosenaufdrucks. Der Tabak ist mittelbraun, die helleren und dunkleren Stücke gleichen sich ansonsten gut aus. Er wurde fein geschnitten nach der Pressung hat teilweise noch bis zu 5cm längere Stücke, die aber beim Handling schnell auseinanderfallen. Zum Ausgleich findet man auch einen Anteil kleine Krümel. Der Tabak ist auf den Punkt optimal konditioniert.
Aus der offenen Dose springt dem geneigten Rauchholzjünger ein sehr heuiger, leicht süßlicher Geruch mit einem etwas saurem Unterton entgegen, der etwas an Pipi-Harnstoff erinnert. Das ist typisch bei lang gelagerten Tabaken, das Nikotin zerfällt durch die magische Zutat Zeit zu Zucker und Ammoniak. In der Zigarren- industrie riecht es in den Naves, in denen die „Burros“, die Tabakstapel fermentiert werden, wie im Pferdestall, allerdings ohne den leckeren Latakia-Weihrauch… Ganz im Hintergrund bzw. nach Verfliegen der „Fermentationsgase“, nenne ich sie mal, kann man etwas erriechen, was mich tatsächlich an den eingetrockneten Rest in einer Rotweinflasche oder den Angels Share in einer Brennerei erinnert. Kann Fantasie sein, oder die Kombination des Periques mit dem Kentucky. Das Nussige oder Schokoladige des Burley kommt mir hier nicht unter, macht vielleicht die Süße aus.
Ab in die Pfeife…
Zu Stopfen ist der Tabak wirklich einfach, da er wie gesagt einmal zwischen den Fingern gerollt schön zerfällt, man muss nicht befürchten, dass irgendwo dickere Stücke Tabak rumblocken oder an der Wandung liegen. So kann man den Tabak stopfen wie man mag, ich probiere ihn in einem oder in Portionen einzubringen.
Nummer
1
2
3
Marke
Peterson
Oldenkott
Rattray‘s
Bezeichnung
Donegal Rocky XL90
Corona 822
Butcher’s Boy 22
Typ
Full Bent
Quarter Bent Belgique
Straight Tomato
Volumen
9,5 cm³
10 cm³
7 cm³
mittleres
mittleres
kleineres
Durchmesser
20 mm
19 mm
21 mm
Filter
9 mm Meerschaum
Ohne
9 mm Meerschaum
Tabakmenge
3,4 g
3,4 g
2,9 g
Packmethode
1 „Rolle“
Zwei Päckchen
2x Reingelöffelt, locker obendrauf
Nachfeuern
1
4
1
Abbrand
gut
OK
flott
Pfeifenkopf
kühl
heiß
heiß
Glimmdauer
1 h 13 min
1 h 14 min
52 min
~ 26 min/g
~ 22 min/g
~ 18 min/g
Kondensat
wenig
Etwas mehr
Etwas mehr
Durch die feine Struktur nimmt er das Feuer sehr gut an, kurz glattgestrichen, nachzünden und kurze Zeit später geht es los. Der Geschmack ist vom Start weg sehr vollmundig mit etwas Strenge, man schmeckt die Virginia-Basis, aber auf eine „britische“ Art, also weniger Heu, eher malzig. Ab und zu sticht geschmacklich der Burley hervor, den Perique schmecke ich eigentlich gar nicht. Er trägt mehr zum Gesamteindruck bei, etwas Süße und Muffigkeit. Der Kentucky würzt nur etwas und sorgt somit für eine Geschmacksfülle von leicht süß bis kernig britisch. Aber alles ohne extrem zu sein. Also kein Heu, kein Lagerfeuer, keine Schokolade, keine Rosinen, es ist eine Melange aus allen verwendeten Tabaken, die sich ergänzen. Nur wird der Geschmack ständig von einer leichten Bitterkeit, einer Strenge
begleitet, die die Zunge tapeziert. Diese wird ansonsten maximal leicht gekitzelt, und das nur wenn man auf einen Filter verzichtet. Manchmal gibt es einen mandel- artigen Geschmack, den würde ich jetzt mal dem Burley andichten.
Die Glut will gut umsorgt sein, sonst nimmt die Rauchdichte merklich ab. Die Asche ist sehr fein und reicht von weiß bis schwarz. Nach einem Viertel der Rauchdauer wird der Geschmack holzig mit Säure, ein Fest für Kentucky-Freunde, die es milder mögen. Sein Pflegebedürfnis lässt über den Rauchverlauf nach und er schmeckt satt holzig, für mich könnte er etwas süßer ein.
Mit Filter ist er gut mittelstark, ohne Filter kann er zum Ende hin was stärker werden, finde ich. Da ist er auch was schärfer und so voll, dass er schon fast überladen wirkt. In der Raumluft verbreitet sich ein brotig warmer Geruch, der für den Pfeifenraucher angenehm ist und mehr Süße offeriert als es der Geschmack beim Rauchverlauf erwarten lässt. Am Ende bleibt eine feine, im Schnitt hellgraue Asche zurück, die von einer vollständigen Verbrennung des Tabaks zeugt, die Pfeife ist trocken und nicht sonderlich versifft.
Resümee
Der Rocinante vermittelt für mich in der Tat den Geschmack eines gealterten Tabaks. Wie ich auf so eine Hypothese komme? Ganz einfach, zeitgleich mit dem Streitross habe ich eine 15 Jahre alte Dose Hal O‘ The Wynd verraucht und viele Parallelen feststellen können, speziell was diese Komplexität und die begleitende Strenge angeht, die dieser Rattrays in der frischen Version durch Süße ersetzt. Qualitativ auf ganz hohem Niveau brauch sich niemand über die 16,90€ pro 50g-Dose beschweren, mittlerweile geht die Spanne bei den Rauchkräutern ja in ungeahnte Höhen (Ja brauch man denn besonders viel Gas für die Produktion? Oder kommt das Zeuch aus der Ukraine? Schutzzölle?).
Sein Abbrand ist sehr unterschiedlich, am besten schmeckte er mir mit Filter in der Peterson, locker im Mundwinkel vor sich hin glimmend. Kleine Schnapperl in der Filterlosen führten zum Nachfeuerwerk. Schneller geraucht schmeckt er auch, dann gehen aber die süßeren Nuancen gänzlich verloren und er ist schnell abgebrannt.
In der „Schlachterjung“, flach und breit, war er ein Rohrkrepierer. Empfehlen kann ich ihn allen Rauchern, die gerne das etwas Strengere mögen und eine „smoothe“ Ergänzung zu Kentucky-forward Blends wie zum Beispiel den Dark Moor mit hoher Komplexität suchen. Mir persönlich hat er zu wenig Perique, es könnte mir fruchtiger und süßer sein und so bleibe ich eher bei meinen eingelagerten Dosen vom HOTW, dem Marlin Flake oder dem Brown Clunee.
Manchmal rauche ich schon mal gerne einen stärkeren Tobak, gerade wenn ich draußen unterwegs bin, eine steife Brise weht, es grau und kalt ist. Latakia geht da für mich eigentlich immer, ansonsten muss es schon ein kräftiger Virginia-Perique- Hammer sein, dessen Kreiselwirkung auf den Geist durch die Bewegung an der frischen Luft abgemildert wird.
Da hat der Hans Wiedemann, ich glaube im Jahr 2022, so einen Outdoor-Tabak für die Pipe Enthusiasts Germany-Reihe herausgebracht, der auch der Night Owl und der Dark Moor angehören. Letzterer hat sich bei mir nicht durchsetzen können, aber HU und Seemannsgarn – da bin ich dabei…
„Der „Dark Sea“ Seemannsblend basiert auf Ready Rubbed Virginias, Kentuckytabaken, Burley, Perique und einem Hauch Latakia Tabak. Abgeschmeckt wurde der Blend mit Rum und einem Anis Aroma, was seinen natürlichen Charakter unterstreicht und ihm einen maritimen Touch verleiht. Der „Dark Sea“ ist kein Leichtgewicht, das wäre ein Verrat an der Idee. Es handelt sich um einen Tabak mit präsenter Stärke und pfiffigem Aromenspiel und zeigt so das Seemannsleben von seiner schönsten Seite. Heuern Sie also an auf dem Schiff Richtung Abenteuer.“
Tabakbild
Dann legen wir mal ab: Der Blend besteht in erster Linie aus mittelbraunen Ready Rubbed Tabaken mit wenigen hellgelben Spitzen, die ich einem Virginia zuweisen würde. Einige größere Flake-Stücke durchziehen die Mischung, mir scheint, dass es sich hier um nicht gänzlich aufgerubbeltes Material handelt.
Wer hat denn da geschludert, könnte man meinen? Ich mag sowas, da sieht man die Kunst des Pfeifentabakmischens. So ähnlich wie ein schrubbeliger Esstisch aus Naturborke gegenüber Ikea Ekedalen aus Pressspan. Dann kann ich auch „Meine Mischung“ rauchen…. Der Griff in die Dose zeigt, dass der Tabak auf den Punkt konditioniert ist. Also ab ins Glas, von hier an kann es nur bergab gehen. Der Rüssel im Glas detektiert einen kernigen Dark Fired-Geruch mit einer Spitze Anis, der Rum ist nicht direkt zu erschnüffeln, vielleicht ist es diese leichte Süße, die die Komponenten miteinander verschmelzen lässt. Insgesamt erinnert mich die Saucierung an die aromatisierten Tabake der Graf Adolf-Reihe, die ersten, die ich mir vor zig Jahren bei Pfeifen Schmitz in Düsseldorf gekauft hatte. Sowas Richtung „Scottisch Mixture“ oder so war es gewesen. So, Nase in den Wind, klar zur Halse, Aye…
Ab in die Pfeife…
Der Blend ist nicht kompliziert zu stopfen, es kann sich aber empfehlen, ihn komplett aufzurubbeln, gerade wenn man ihn in den Kopf „dritteln“ will. Ich bevorzuge es, ihn so zu lassen wie er ist und das Wechselspiel der Komponenten zu genießen, dafür zünde ich dann lieber was häufiger nach.
Da er nicht übermäßig feucht oder gepresst ist, nimmt er das Feuer sehr willig an und dichten, vollen Rauch ab, der klar Kentucky-geprägt ist und wesentlich sanfter ausfällt, wenn er mit Filter geraucht wird. Die Aromatisierung ist eher im Nachgang beim Ausatmen zu erschmecken und hält sich sehr im Hintergrund.
Dabei bildet sich im Rauchverlauf ein zunehmender bitterer Nachgeschmack im Mund. Filterlos ist der Geschmack sehr kräftig, ledrig-pfeffrig mit leichten Holznoten und beißt etwas in die Zungenspitze und-flanken. Der Abbrand ist ganz ordentlich, mit Filter rauche ich ihn lieber was heißer, was er sowieso gern tut. Dann brennt er gleichmäßiger und geht bei regelmäßigem Nachstopfen auch nicht aus.
Nummer
1
2
3
Marke
Bentley Pipemaster Former’s Design
Lorenzo
Mastro de Paja
Bezeichnung
Royal Rustic 6-0.04
Spitfire 33
Animus 03 Sand
Typ
Windsor Standup
Paneled Half Bent Apple
Half Bent Dublin
Volumen
9,5 cm³
10,5 cm³
11,5 cm³
mittleres
Gut mittleres
größeres
Durchmesser
20 mm
20 mm
20 mm
Filter
Ohne
9 mm Meerschaum
9 mm Meerschaum
Tabakmenge
3,4 g
3,8 g
4,0 g
Packmethode
1 „Rolle“ mit Gebrösel
Drittel-Methode
Drittel-Methode
Nachfeuern
3
1
3
Abbrand
OK
Gut
OK
Pfeifenkopf
heiß
heiß
heiß
Glimmdauer
1 h 28 min
1 h 16 min
1 h 28 min
~ 26 min/g
~ 20 min/g
~ 22 min/g
Kondensat
wenig
normal
normal
Im letzten Drittel reagiert er etwas allergisch auf zu intensives Nachstopfen und quittiert dann den Dienst. Wenn der intensive Geschmack, der filterlos wesentlich holziger daherkommt, nachlässt, ist es ein untrügliches Zeichen dafür, den Pfeifenstopfer vorsichtig über die Glut zu streichen und die Asche zu sortieren. Insgesamt eher linear geht er holzig, stark und gutmütig zu Ende, ohne Filter wie so häufig mit unverbranntem Dottel am Boden der Bohrung. Aber auch mit Filter lässt sich in der halb hell-, sonst dunkelgrauen und zum Teil feinperligen Asche etwas verkohlte und sogar gänzlich unverbrannte Tabakreste finden. Aber nichts dramatisches, liegt die sehr von der Stopftechnik und der Kadenz abhängige Rauchdauer im Normalbereich.
Resümee
Ich muss zugeben, dass ich mich sehr auf den „Dark Sea“ gefreut hatte, den es auch heute, drei Jahre und eine Unternehmensumstrukturierung später, noch für 14,40€ die 50g-Dose zu erstehen gibt. Die Freude war so groß, dass ich schon einige Pfeifen davon geraucht hatte, bevor ich dieses Review in Angriff nahm. Ich erinnere mich an die erste, eine handmade Stanwell 11, die ich bei diesigem Wetter hervorragend fand, da nach Öffnen der Dose die Aromatisierung viel stärker mitgespielt hat. Je länger die Dose offen bzw. der Tabak im Glas abhängt, umso flüchtiger wird diese beim Rauchen. Eigentlich ein „Naturnaher“, finde ich es sehr schade, denn das Zusammenspiel war top. Ich konnte es aber mit jeder Pfeife (über einen Monat!) immer weniger herausschmecken. Diese erste Pfeife war damit der beste Smoke, den ich aus dem Tabak generieren konnte. Er ist schon recht kräftig, der Magen kann einem schon mal flau werden, damit passt er in die Reihe. Die Raumluft ist schwer gewöhnungsbedürftig schwer und leicht süßlich und stößt nicht unbedingt auf viel Gegenliebe, eben ein kerniger Ourtdoor-Tabak. Für Kentucky-Raucher ohne Abneigung gegen eine leichte Saucierung sicherlich ein „Must Try“, ist er für mich gegenüber den „Salty Dogs“ von DTM ein zweiter Sieger und geht mit mir nicht auf große Fahrt, ahrg…
p.s. Ich fände es gut, wenn die Curlys erhalten blieben, die sind was Besonderes, auch wenn ich mir nur den Stockton genehmige. Aber die liste ist vom Januar, da kann sich noch viiel tun...