Beiträge von Sven

    1. Einleitung:
    Der Gawith & Hoggarth Mahogany Flake gehört zur klassischen englischen Tradition natürlich aromatisierter Flakes mit dem typischen Lakeland Charakter. Die Grundlage bilden hochwertige Virginias, ergänzt durch etwas Burley und einen geringen Anteil Dark-Fired Virginia. Eine zurückhaltende Lakeland-Aromatisierung mit einer nur leicht floralen Vanille-Mandel-Essenz vervollständigt die Komposition.

    2. Optik & Schnitt:
    Der Tabak zeigt sich in der leider nicht mehr vakuumisierten Dose als changierend dunkelbrauner bis rötlich-mahagonifarbener Flake, durchsetzt von helleren Partien. Der etwas ungleichmäßige Schnitt wirkt eher manufaturmäßig-rustikal als industriell-perfekt. Die Flakes sind angenehm elastisch und lassen sich leicht aufreiben.

    3. Kaltaroma:
    Das Kaltaroma wird von reifer Virginia-Süße und einer warmen, natürlich anmutenden Vanillenote geprägt. Dahinter erscheinen feine Mandel-, Holz- und ganz dezente Kakaonuancen, ergänzt durch eine leichte florale Würze, die durchaus Ähnlichkeiten mit dem Ennerdale-Bouquet aufweist, aber deutlich zurückgenommener erscheint. Der Gesamteindruck ist dunkel, weich und leicht cremig. Das Bouquet wirkt weder synthetisch und bonbonartig noch übermäßig süß, sondern besitzt jene gedämpfte, etwas herbe Eleganz, die traditionelle englische Scented Flakes von modernen Aromaten dänischer und deutscher Art unterscheidet.

    4. Rauchverlauf:

    Anfang: Zunächst tritt die Virginia-Grundlage deutlich hervor: Helle Fruchtsüße, Brotigkeit und eine milde pflanzliche Frische von Heu verbinden sich mit der warmen, an Tonka erinnernden Vanillenote. Der Rauch wirkt weich und rund; die Aromatisierung bleibt zunächst eng an den Tabak gebunden und überlagert dessen natürliche Süße nicht.

    Mitte: Im mittleren Rauchabschnitt gewinnt der Rauch an Wärme und Tiefe. Die zunächst helle, leicht grasige Virginiasüße wird nun dunkelfruchtig und voller, während Tonka-Vanille, Mandel und dezente Holztöne deutlicher hervortreten. Eine leichte, trockene, kakaoartige Würze des Burleys bildet den dunkleren Hintergrund. Die florale Komponente bleibt sehr diskret und verleiht dem Rauch lediglich einen Hauch der charakteristischen, pudrigen (nicht seifig - denn das wäre alkalisch) Kendal-Note von Lavendel, Rose und Geranie.

    Ende: Zum Ende hin wird der Rauch trockener und würziger. Die anfängliche Süße tritt etwas zurück, während dunklere Tabak-, Holz- und Röstnoten an Gewicht gewinnen. Die Vanillenote verliert zunehmend an Präsenz und bleibt zuletzt nur noch als warme Hintergrundnote erhalten. Die florale Note ist nun fast vollständig verschwunden. Das Finale wirkt dadurch ausgesprochen tabakecht, ohne die Süße oder Aromatik der ersten Rauchphase vollständig aufzugeben.

    5. Abbrand & Technik:
    Der Mahogany Flake wird vergleichsweise feucht ausgeliefert und profitiert gegebenenfalls von einer kurzen Trocknungszeit. Bei entsprechender Konditionierung entwickelt sich ein ausgesprochen langsamer und wohltemperierter Abbrand. Eine behutsam aufgeriebene, eher lockere Füllung ermöglicht einen langen, gleichmäßigen Rauchverlauf. Die Nikotinstärke bewegt sich im mittleren Bereich. Bei angemessen bedächtiger Kadenz tritt Zungenbiß nicht auf.

    6. Raumnote:
    Die Raumnote ist natürlich süßlich und ganz dezent floral. Vanille bildet den warmen Mittelpunkt, begleitet von trockenen Holz- und leichten Mandelnoten. Insgesamt bleibt der Duft angenehm zurückhaltend. Die florale Komponente ist zwar wahrnehmbar, erreicht jedoch keineswegs die Intensität stärker parfümierter Lakeland-Klassiker.

    7. Vergleich & Einordnung:
    Gawith & Hoggarth’s Mahogany Flake steht innerhalb der englischen Tabaktradition zwischen dem weitestgehend naturbelassenen Virginia-Flake und dem stark saucierten Lakeland-Flake aus Kendal. Seine hochwertige Virginia-Grundlage mit leichter Burley-Abrundung bleibt durchgehend deutlich erkennbar, während die Aromatisierung eine zusätzliche warme und würzige Dimension eröffnet.

    Der Vergleich mit dem Ennerdale Flake aus gleichem Hause macht die unterschiedliche stilistische Gewichtung deutlich: Der Mahogany Flake ist wesentlich wärmer und süßer angelegt und besitzt deutlich weniger von der herb-floralen Signatur, die den Ennerdale auszeichnet. Seine Eigenart liegt in der Verbindung von natürlicher Virginiasüße mit einer gedämpften, vanillig-würzigen Aromatik. Die dunkleren und nussigen Noten verleihen dem Rauch zusätzliche Tiefe, ohne den helleren Virginiacharakter zu verdrängen. Eine aromatische Verwandschaft mit Samuel Gawith‘s 1792 Cob Flake besteht in der vanilligen Tonkanote; ansonsten gehen die beiden Tabake aber in verschiedene Richtungen.

    8. Eignung & Empfehlung:
    Der Mahogany Flake eignet sich für Liebhaber traditioneller englischer Flakes, die eine dezent aromatisierte, dennoch deutlich tabakbetonte Virginia-Komposition bevorzugen. Die mittlere Nikotinstärke, der langsame und wohltemperierte Abbrand sowie die ausgeprägte Zungenmilde prädestinieren ihn für längere, ruhige Pfeifenstunden. Seine Aromatisierung bleibt ausreichend zurückhaltend, um den Grundcharakter des Tabaks jederzeit erkennbar zu lassen. Für Freunde stärker floraler, herberer und polarisierender Lakeland-Tabake dürfte seine Parfümierung vergleichsweise gemäßigt erscheinen; gerade darin liegt m.E. jedoch seine besondere Zugänglichkeit.

    Da ich mich auf meinem „Krankenlager“ mit einem schweren Fall von Männerschnupfen 🤧 darniederliegend doch sehr langweilte, habe ich aus meinen Notizen der letzten Tage ein kleines Elaborat über den dankenswerterweise von Stephan ( getz ) erhaltenen, wunderbaren Tobac verbrochen:


    1. Einleitung:
    Iwan Ries & Co. gehört zu den traditionsreichsten Namen des amerikanischen Tabakfachhandels. Das Unternehmen wurde 1857 in Chicago gegründet und entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einem angesehenen Fachgeschäft für Tabakwaren, Pfeifen und Tabakmischungen. Der Namensgeber Iwan Ries stammte interessanterweise aus Deutschland.

    Der Iwan Ries Balkan Supreme steht ganz in der Tradition klassischer, orientbetonter, englischer Mischungen, die auch als Balkan Blend bezeichnet werden. Seine Grundlage bilden Virginia, Orient und reichlich Latakia, ergänzt durch ungesüßten, sog. englischen Cavendish. Produziert wird die Mischung nach Angabe der Firma in Dänemark.

    2. Optik & Schnitt:
    Im geöffneten Gefäß zeigt sich ein klassischer Ribbon Cut, überwiegend dunkelbraun bis nahezu schwarz, durchsetzt mit helleren Virginia- und olivbraunen Orient-Fasern. Die dunklen Latakia-Partien dominieren das Erscheinungsbild, ohne es vollständig zu bestimmen.

    3. Kaltaroma:
    Das Kaltaroma ist der vielleicht charaktervollste Aspekt dieser Mischung: Balkan Supreme riecht in meiner Wahrnehmung tatsächlich so, wie dies vor rund vierzig Jahren ein klassischer Balkan Blend tat: Dunkel, würzig, harzig, rauchig und von einer ausgeprägten „animalischen“ Tiefe. Besonders auffällig ist die klassische, viel besungene Pferdestallnote. Sie erinnert an trockenes Heu, feuchte Erde, Holz und Lederzeug, dazu jene unverwechselbare animalische Wärme eines alten Stalles. Sie wirkt nicht künstlich aufgesetzt, sondern ergibt sich organisch aus dem Zusammenspiel von Latakia und Orient. Der Cavendish hält sich bemerkenswert zurück. Von parfümierter Süße ist nichts zu verspüren.

    4. Rauchverlauf:

    Anfang: Zu Beginn tritt der Latakia sehr deutlich hervor: Kaminrauch, Holz, Erde und Balsam bestimmen das Bild. Virginia liefert eine zurückhaltende, brotige Süße, während der Orient kräuterige Würze und eine feine, mineralische Säure beisteuert. Der erste Eindruck ist sehr rauchig und cremig, aber keineswegs plump. Der Cavendish sorgt für eine gewisse Rundung, ohne die traditionelle Strenge der Mischung aufzuheben.

    Mitte: Im Mittelteil gewinnt der Orient an Kontur. Die anfängliche Latakia-Dominanz nimmt etwas ab; eine trockene Süße mit kräuteriger bis floraler Würze, mineralische Anklänge und eine feine Säure, die an Mineralwasser erinnerern, treten nun stärker hervor. Hier zeigt sich die eigentliche Balance des Blends: Dunkler Rauch im Fundament, darüber die würzig-herbe bis ätherische Orientnote, darunter die milde Süße des Virginia. Die Entwicklung ist nicht spektakulär, sondern von feinen Verschiebungen innerhalb eines konstanten aromatischen Rahmens geprägt.

    Ende: Zum Ende wird der Rauch trockener und dunkler. Die Virginia-Süße tritt zurück, während Latakia und Orient die Führung übernehmen. Erde, Holz und würzige Tabaknoten verdichten sich. Das Finale wirkt dadurch konzentrierter als das Mittelstück, ohne bitter oder scharf werden zu müssen. Es ist ein klassischer, würdiger Abschluß.

    5. Abbrand & Technik:
    Der Ribbon Cut ist unkompliziert zu verarbeiten und läßt sich mit wenig Mühe stopfen und entzünden. Bei bedächtiger Kadenz brennt der Tabak wohltemperiert und gleichmäßig; zu hastiges Rauchen bringt hingegen die Latakia-Komponente stärker nach vorn und läßt die orientalischen Feinheiten zurücktreten.

    6. Raumnote:
    Die Raumnote ist unverkennbar englisch: Rauchig, holzig, erdig und sehr würzig. Der Latakia gibt den Ton an, während der Orient eine trockene, leicht herbe Dimension hinzufügt. Durch den Cavendish wirkt das Ganze etwas runder als bei reinen Virginia-Latakia-Orient-Mischungen. Für den Freund der Balkanmischungen besitzt die Raumnote eine angenehm traditionelle Anmutung. Die „stallige“ Note wird nicht von allen goutiert.

    7. Vergleich & Einordnung:

    • Der Vergleich mit dem historischen Balkan Sobranie 759 drängt sich förmlich auf: Die gemeinsame Grundlage ist die Verbindung von reichlich Latakia, feinstem Orient und einer süßlichen Virginia-Basis. Auf 40 Jahre zurückliegende Erinnerungen zurückgreifend erscheint mir der Balkan Supreme dem Balkan Sobranie 759 durchaus sehr ähnlich, wenngleich möglicherweise etwas runder und cremiger, dafür ohne die ausgeprägte weihrauchartige Note des Originals. Einschränkend ist jedoch festzuhalten, daß wohl wenig so trügerisch ist, wie die Erinnerung.
    • Gegenüber Samuel Gawith’s Balkan Flake wirkt Balkan Supreme aromatisch wesentlich komplexer. Der bei Samuel Gawith fehlende Orient verleiht dem Iwan Ries einfach ein deutliches Mehr an aromatischer Vielfalt und Entwicklung.
    • G. L. Pease‘s Abingdon zeigt m.E. eine noch stärkere aromatische Differenzierung, wirkt aber bezüglich des Latakia etwas gedämpft und insgesamt polierter und weniger balkantypisch „stallig“.

    8. Eignung & Empfehlung:
    Iwan Ries’ Balkan Supreme eignet sich besonders für den Pfeifenraucher, der einen deutlich latakia- und orientbetonten Balkancharakter mit einer gewissen Schwere sucht. Er paßt gut in mittelgroße bis größere klassische Pfeifen und eignet sich besonders für den erfahrenen Freund kräftiger englischer Blends.

    9. Fazit:
    Iwan Ries‘ Balkan Supreme ist ein klassisch konstruierter Balkan-Blend aus Virginia, Orient, Latakia und English Cavendish. Er verbindet dunklen Rauch, trockene Würze, Erde, Holz und eine zurückhaltende Süße zu einem ausgesprochen traditionellen Gesamtbild. Seine eigentliche Besonderheit offenbart sich bereits vor dem Anzünden: Das Kaltaroma besitzt jene ausgeprägte Pferdestallnote, die unmittelbar an das Balkanverständnis früherer Jahrzehnte erinnert. Seine Qualität liegt in der stimmigen Verbindung seiner Bestandteile und in der Konsequenz seines klassischen Profils. Er wirkt eher wie ein guter, altmodischer Tabak aus einem traditionsreichen Fachgeschäft als wie eine moderne, auf maximale Komplexität hin konstruierte Mischung. Balkan Supreme ist damit eine bodenständige und charaktervolle Interpretation der alten Balkan-Idee: Dunkel, würzig, erdig, rauchig und von einem Bouquet, das dem erfahrenen Pfeifenraucher tatsächlich ein Stück jener Tabakwelt zurückgibt, die man heute nur noch selten in dieser unverstellten Form antrifft.
    Obwohl nicht explizit als Re-Inkarnation des legendären Balkan Sobranie 759 beworben, erinnert er mich stark an eben diesen; und das wesentlich mehr als die zahlreichen, größtenteils auf Orient verzichtenden (sic!) Hausmischungen aus Rellingen. Bedauernswerterweise ist er in Deutschland nicht erhältlich 😢.

    Hallo Mats,

    Soweit ich es verstanden habe, soll er im klassischen Peterson System Wasserdampf als Kondensat abscheiden, das sich dann in dem Reservoir sammeln soll. Einerseits soll dadurch der Rauch trockener werden und anderseits auch Teer abgeschieden werden.

    Mast- & Schotbruch

    Sven ⚓️

    1. Einleitung:
    Dan Tobacco’s Bill Bailey’s Balkan Blend (BBBB) gehört der zwischenzeitlich wieder populärer gewordenen Klasse kräftiger, unaromatisierter Latakia-Mischungen an, deren Charakter nicht auf einer künstlichen aromatischen Verfeinerung, sondern auf der Eigenart ihrer Grundtabake beruht. Virginia, reichlich Orient, gut 40 % Latakia, etwa 10 % Dark-Fired Kentucky und eine Prise Louisiana Périque bilden die Rezeptur. Damit steht die Mischung in der Tradition der englischen Balkanmischung, folgt dieser jedoch nicht in streng orthodoxer Weise. Der Kentucky gibt der „heiligen Dreifaltigkeit“ der Balkan Blends von Virginia, Orient und Latakia eine zusätzliche dunkle, erdige Dimension, während der Périque die Komposition im Hintergrund würzt und abrundet. Das Ergebnis wird vom Hersteller dankenswerterweise nicht als museale Rekonstruktion eines nicht mehr erhältlichen, historischen Balkan-Blends beworben (bonum et laudabile est).

    2. Optik & Schnitt:
    Der relativ grobe Ribbon Cut präsentiert ein geradezu klassisches Bild: Helle und goldbraune Virginias, beige bis grünliche Orienttabake und reichlich dunkelbraune, schwarz-violette bis tiefschwarze Partien des Latakias, Dark-Fired Kentucky und des Périque.

    3. Kaltaroma:
    Das Bouquet aus der geöffneten Vakuumdose kündigt eine dunkle und würzige Mischung an: Kaminrauch, trockenes Holz, Harz und Leder bilden latakiatypisch die tragenden Noten; darunter liegt die eigentümliche, leicht säuerliche Würze des Orienttabaks. Die Virginias bringen eher zurückhaltend etwas Duft von Heu, Gras und einen zurückhaltenden zitrischen Anklang ein. Der Dark-Fired Kentucky erweitert das Bouquet um erdige und leicht herbe Töne. Der Périque wiederum zeigt sich weniger als vordergründiger Pfeffer denn als dunkle, fermentiert wirkende Fruchtigkeit von Pflaume und Korinthe. Das Bouquet wirkt tabakecht, ohne künstliche aromatische Manipulation.

    4. Rauchverlauf:

    Anfang: Mit dem ersten Zug übernimmt der Latakia die klare Führung: Lagerfeuer und harziges Holz stehen unmittelbar im Vordergrund, begleitet von einer gedämpften, natürlich wirkenden, dunklen Süße. Der Orient legt darunter eine trockene, leicht säuerlich-florale Würze, während der Virginia zunächst eher als verbindendes Fundament denn als eigenständige Stimme hervortritt. Der erdig-fleischige Kentucky ist früh bemerkbar und verleiht dem Rauch von Anfang an zusätzliche Substanz.

    Mitte: Im Mittelteil gelangt die Mischung zu ihrer eigentlichen Balance. Latakia und Orient verbinden sich zu einem würzigen und zugleich erstaunlich voluminösen Rauchbild. Mitunter tritt der Virginia mit Gras, Zitrus und einer zurückhaltenden dunklen Fruchtigkeit deutlicher hervor. Der Kentucky verleiht dem Ganzen mehr Gewicht und eine erdige bis fleischig (Barbecue) wirkende Tiefe. Der Périque bleibt durchgehend diskret. Er drängt sich nicht so sehr als retronasal spürbare, prickelnde Pfeffernote auf, sondern wirkt gleichsam im Hintergrund als dunkel-fruchtige Würze mit deutlicher Gärnote. Die Komposition beginnt nun, ihre einzelnen Bestandteile immer weniger als voneinander getrennte Stimmen erkennen zu lassen; sie wird zu einem quasi symphonischen, dunklen Gesamtkunstwerk.

    Ende: Zum Ende der Füllung verdichtet sich dieser Eindruck nochmals. Latakia und Kentucky beherrschen im Duett die Bühne, während Virginia, Orient und Périque zunehmend in die Gesamtstruktur eingebunden gleichsam den Basso continuo spielen. Der Rauch wird nun trockener, und erdiger; zugleich zeigen sich die etwas rauheren Kanten der Mischung deutlicher.

    Wer langsam raucht, erlebt diese schwerblütige Rustikalität als Bestandteil des Charakters. Bei allzu forciertem Zug hingegen verliert die Mischung einen Teil ihrer inneren Geschlossenheit und wird merklich herber und bitter. BBBB verlangt daher keine besondere Technik, wohl aber die alte Tugend der Geduld.

    5. Abbrand & Technik:
    In technischer Hinsicht ist die Mischung erfreulich anspruchslos: Der relativ grobe Schnitt läßt sich locker stopfen und benötigt normalerweise keine besondere Vorbereitung. Der Tabak brennt sauber und wohltemperiert, hinterläßt nur wenig Restfeuchtigkeit und verlangt lediglich eine durchaus übliche Zahl von Nachzündungen. Die wichtigste Voraussetzung für ein gelungenes Raucherlebnis ist ein ruhiger, gemessener Zug. Hinsichtlich der Nikotinwirkung bleibt die Mischung latakiatypisch hinter ihrer aromatischen Wucht etwas zurück; ihre eigentliche Stärke liegt in der Fülle der Aromen und weniger in einem ausgesprochenen Nikotinschlag.

    6. Raumnote:
    Latakia und Dark-Fired Kentucky bestimmen die Raumnote mit Kaminrauch, Holz, Harz, Erde und dunkler, gäriger Würze. Sie erinnert eher an eine altväterliche Studierstube als an einen eleganten Salon und besitzt damit durchaus jene charakteristische, virile Strenge, die man von einem kräftigen Balkan Blend erwarten darf. Für empfindliche häusliche Umgebungen ist sie m.E. weniger geeignet.

    7. Vergleich & Einordnung:

    • Als historischer Bezugspunkt drängt sich zunächst der Archetypus der Balkanmischungen Redstone’s Balkan Sobranie 759 auf. Die Gemeinsamkeit liegt in der grundsätzlichen Idee einer kräftigen Verbindung von Virginia, Orient und Latakia. Gleichwohl sind die eingeschlagenen Wege doch verschieden. Der historische Balkan Sobranie 759 bezog einen wesentlichen Teil seiner Eigenart aus seinen charaktervollen Orienttabaken, insbesondere aus dem legendären Yenidje, dessen florale, säuerlich-mineralische und beinahe ätherische Qualität der Komposition eine eigentümliche Aromatik verlieh. BBBB sucht offensichtlich nicht, diese Wirkung nachzuahmen. Seine aromatische Tiefe entsteht vielmehr aus dem Zusammenwirken von Latakia, Orient, Dark-Fired Kentucky und Périque. Wo der Balkan Sobranie 759 stärker von der orientalischen Seite her geprägt war, besitzt BBBB eine ausgeprägtere Erdigkeit und einen deutlich kräftigeren Körper.
    • Dunhill’s Nightcap steht dem BBBB in der Schwere des Auftritts durchaus nahe. Auch dort finden sich Virginia, Orient, Latakia und Périque zu einem ausgesprochen dunklen und schweren Blend vereinigt. Der Nightcap erscheint mir jedoch feingliederiger und eleganter. BBBB erhält durch den zusätzlichen Dark-Fired Kentucky einen rustikaleren, stärker fleischigen und röstigen Charakter.
    • Innerhalb der HU African Line ist der Tuarekh ein besonders interessanter Vergleichskandidat. Dort besitzt der Orient jedoch ein größeres Eigenleben und prägt das aromatische Gesamtbild stärker. BBBB stellt demgegenüber die Rauchigkeit und die körperliche Substanz in den Mittelpunkt.
    • Der HU Tigray nähert sich ihm hinsichtlich seiner kräftigen, substanzreichen Anlage, führt durch den Burley jedoch in eine andere aromatische Richtung.

    So betrachtet steht Bill Bailey’s Balkan Blend nicht als Epigone einer historischen Entwicklung, sondern gewissermaßen seitwärts davon: Er nimmt die klassische englische Balkan-Rezeptur auf und verstärkt deren dunkle Seite durch Kentucky und Périque.

    8. Eignung & Empfehlung:
    DTM’s Bill Bailey’s Balkan Blend ist ein Tabak für den erfahrenen Freund kräftiger Latakia-Mischungen. Wer filigranen Orient, helle Virginia-Süße oder eine ausgesprochen elegante Komposition sucht, wird hier einen deutlich rustikaleren Charakter vorfinden. Wer dagegen virile Rauchigkeit, fleischige Erdigkeit, Orientwürze und eine beträchtliche Latakia-Präsenz schätzt, erhält einen ausgesprochen charaktervollen Tabak. Seine natürliche Heimat ist die größere Pfeife und der ruhige Abend bei einem kontemplativen Schmök. Die Mischung belohnt weniger das analytische Zerlegen ihrer Bestandteile als das geduldig-kontemplative Genießen eines dunklen, kräftigen in sich geschlossenen, gleichsam symphonischen Raucherlebnisses.

    9. Fazit:
    DTM’s Bill Bailey’s Balkan Blend ist ein kräftiger, dunkel geprägter Vertreter der klassischen englischen Balkan-Tradition. Seine besondere Eigenart liegt weniger in einer filigranen orientalischen Differenzierung als in der Verbindung von Latakia, Orient, Dark-Fired Kentucky und Périque zu einem trockenen, erdigen und sehr körperreichen Gesamtbild. Der Tabak gibt sich dabei ausgesprochen eigenständig. Er erinnert in seiner grundsätzlichen Anlage an die großen, legendären Balkan-Mischungen der Vergangenheit, ohne jedoch den Anspruch zu erheben, deren verlorene Rezepturen nachzubilden. Stattdessen führt er die klassische Stilrichtung mit noch größerem Gewicht und einer deutlich rustikaleren Tabaknote fort. Sein Charakter erschließt sich nicht so sehr durch ein aromatisches Wechselspiel der Aromen, als durch die allmähliche Verdichtung eines dunklen und würzigen Rauchbildes. Er ist ein geradliniger, substanzreicher Balkan Blend von altmodischem Zuschnitt, der weniger von feiner Eleganz als von beinahe rustikalem Charakter bestimmt ist.

    Moin Rainer ,

    Ich hab‘s Christian Probst gesagt, der für Cigarworld arbeitet. Er wird es weitergeben.

    Mal schauen, ob sich etwas ändert. Da Cigarworld die umfassendste Sammlung von Kundenrezensionen hat und auch sonst viele interessante Informationen bereithält, würde ich mir wünschen, daß man die Rezensionen etwas lesefreundlicher präsentiert.

    Mast- & Schotbruch

    Sven ⚓️

    Moin Rainer ,

    Das habe ich schon öfters gehört. Ich werde einmal Christian Probst fragen, ob sie den Rezensenten nicht wenigstens das Formatierungswerkzeug „Absatz“ geben können.

    Meine Rezensionen sind eigentlich alle als Worddokument durchformatiert, aber beim Einlesen in die Eingabemaske von cigarworld verschwinden leider alle Formatierungen.

    Mast- & Schotbruch

    Sven ⚓️

    Moin Jens,

    1. Sofern die Flakes geschmeidig sind, reibe ich sie grob auf zum Ready Rubbed und stopfe locker in eine Pot. Bei deutlich erhöhter Feuchtigkeit laß ich die aufgeriebenen Flakes etwas antrocknen. Grundsätzlich mag ich meinen Tabak aber lieber ganz leicht feucht und elastisch als furztrocken und knusprig.
    2. Sehr harte und trockene Flakes oder Plugs werden von mir mit dem Messer gewürfelt und dann locker in die Brennkammer einer Pot gefüllt.
    3. Curly Cuts oder Coins rolle ich zu lockeren, kleinen (bei DDLNR auch größeren) Kügelchen. Auch hier fülle ich eher locker ein.
    4. Knicken und Falten tue ich gar nicht.

      Mast- & Schotbruch

      Sven ⚓️

    Moin Ben,

    Madiran ist im Allgemeinen sehr gut lagerfähig. Entscheidend sind hedoch die Lagerbedingungen: Liegend, damit der Korken nicht austrocknet, gleichmäß kühl und dunkel.

    Ich habe vor einigen Jahren einmal eine ganze Kiste 1996er Barolo entsorgt, weil mein damaliger Keller einfach zu warm war 😢.

    Das Besondere an Madiran ist der hohe Resveratrolgehalt, weshalb er zur „Gesundheitspflege“ angepriesen wurde.

    Mast- & Schotbruch

    Sven ⚓️