Flake-Review Juni 2020 - Flake #3 - SOLANI Blend 660 Silver Flake

  • Flake-Review Juni 2020 - Flake #3

    SOLANI

    Blend 660 Silver Flake


    Auch Flake Nr. 3 besteht aus Virginia, Red Virginia um genau zu sein, und einer größeren

    Menge Dark Fired Kentucky, der den englischen Charakter in den Blend prügeln und die

    Abwesenheit von Latakia vergessen machen soll. Der Hersteller kommt wiederum aus Rellingen

    und so schließt sich der Kreis: drei Flakes, dreimal Virginia/Kentucky, dreimal der gleiche

    Produzent, die gleichen Maschinen. Doch dreimal unterschiedliche Konsistenzen und

    Tabaksbilder…


    Das war aber auch der Grund, weshalb ich ihn mit in die Reihe genommen habe. Des Weiteren

    schließt er als „Premium-Blend“ mit einem Preis von 21,60€ die 100g die Preisrange nach

    oben ab.


    Kohlhase macht es dem Peter nach:

    „Reife, dunkelrote Virginias und eine gute Portion dark-fired-Kentucky. Edler Tabakgenuss. Lange Flakescheiben.“


    Hat entweder ein Roboter ausgespuckt oder die Verben hätten den Tabak einfach zu teuer gemacht.

    Wo sind die prosaischen Anbiederungen vergangener Tage hin? Früher hat man sich darüber

    lustig gemacht, heute weiß man, was man vermisst…



    Die Meinung der Kollegen


    "Every morning I wake up thinking, 'Good, another 24 hours of smoking'"

    - J.R.R. Tolkien - 1966 -

  • Tabakbild


    Um die Reihe nun wirklich perfekt zu machen, zumindest was die Ausgangslage angeht,

    haben wir es bei diesem Tabak auch mit langen Streifen zu tun, die ich ebenfalls versuche

    klein zu schneiden. Er quittiert meine Bemühungen mit der totalen Aufgabe seiner Pressform

    und verwandelt sich auch in einen Marlin-artigen Zustand. Farblich kommt er ihm auch

    näher als der CH Nr. 44. Im Gegensatz zu diesem bröselt er auch nicht sondern bildet

    Ziehharmonika-ähnliche Loose-Flake-Stücke. Finde ich nicht schlimm, aber knicken

    und falten wird wohl nix.



    Der Geruch aus der Dose ist nicht mit dem aus den anderen beiden zu vergleichen, denn

    der Stich in der Nase bleibt vollkommen aus. Statt dessen wird man von einer Süße

    begrüßt, die mich an irgendeinen Keksriegel erinnert, der mir aber nicht einfallen will.

    Wenn die Süße weicht kommen leichte Brotaromen auf, die hinter feuchtem Gras liegen.

    Malz und Erde sind nur leicht vorhanden. Eigentlich verwunderlich für einen „englischen“

    Tabak mit einer „ordentlichen Portion“ Kentucky.


    Der Feuchtegehalt scheint mir perfekt zu sein, der hell- bis mittelbraune Flake fasst sich

    schon fast etwas trocken an. Er klebt nicht, ist nicht ölig, schreit quasi nach dem Pfeifenkopf.

    Da soll er jetzt auch hin.



    Pfeife 1


    So nehme ich ein paar lange „Späne“ und falte sie zusammen. Ich bilde aus dem losen Bündel

    ein Päckchen und bringe es in die Stanwell Royal Guard 87 ein, die ich zuvor, wie bei allen

    anderen Tests, mit einem Meerschaum-Filter geladen habe. Auf diese Weise passen 3,8g

    Tabak in die Pfeife.


    Pfeife 1, 2 und 3 von oben nach unten


    Das Anzünden ist ein Klacks, das Kraut fängt bereitwillig Feuer und qualmt dann bei

    entsprechender Pflege durch. Nur zwei-, dreimal muss nachgefeuert werden.


    Der Geschmack ist tatsächlich edel, ein ausgeglichener Blend, der angezündet mehr Malz und

    Erde verströmt als der Kaltgeruch vermuten lässt. Heuspitzen kann ich nicht feststellen,

    doch das feuchte Gras ist im Hintergrund mit dabei. Der Tabak schmeckt rund, nichts

    stört oder sticht hervor. Ihm geht die Schärfe der Peter Heinrichs Tabak-Gürtel vollends

    ab. Meine Zunge fühlt sich umschmeichelt und das ohne eine starke Zunahme an Würze

    oder Salzigkeit zum Ende hin, dass die Füllung nach 1:45h ereilt.


    Stopp, halt, Nachtrag! Diese Pfeife wurde zweimal zu Rate gezogen, denn bei der ersten

    Füllung hat er doch etwas Schärfe entwickelt und die Zunge gezwickt. Ich wollte nicht

    glauben, dass der Tabak daran eine Schuld getragen hat, denn diese Bitterkeit und Schärfe

    kam mir vom CH#44 bekannt vor. Die zweite Füllung hat das bestätigt. Für mich ist damit

    klar, dass die Zungenquälerei von Zusatzstoffen herrührt, zumindest bei mir.



    Pfeife 2


    Dieser Tabak darf dann auch in die schlanke Peterson System Standard 309, die nach ähnlicher

    Präparation ganze 4,1g aufnimmt. In der etwas schmaleren und höheren Form brennt er ganz

    vorzüglich vor sich hin, er muss kaum nachgezündet werden. Allerdings wird er zum Ende

    hin wesentlich würziger. Auch die Schärfe des Henries ist präsent. Welcher Tabak hinterlässt

    von sich aus so einen Geist nach einer Füllung, ohne dass er mit Zusatzstoffen vollgestopft

    war?


    Ansonsten ist er wie bei Pfeife 1 sehr ausgeglichen und ein edles Rauchvergnügen, dass nach

    1:50h ein Ende findet.



    Pfeife 3


    Kandidat Peterson Filter 87 bringt keine neuen Erkenntnisse. Er brennt extrem gleichmäßig,

    aber nicht heißer als in den anderen Piepen, wobei er nicht intensiver wird. Dafür muss ich

    auch nur einmal fünf Minuten vor dem Ende nachfeuern. Die aufgerubbelten 3,3g brennen

    1:25h. In der unauffälligen Asche sind nur wenige verkohlten Stücke.




    Resümee


    Der Solani Blend 660 Silver Flake wird seiner edlen Aufmachung gerecht. Immerhin wird er in

    der rechteckigen 100g-Schmuckdose verkauft, deren Schwarz-Weiß-Etikett etwas Stilvolles

    verheißt. Ich sehe nur die innenliegende Zellophan-Verpackung der Tabakstränge als

    Hinderungsgrund für einen längeren Einlagerungsprozess. Also da wäre aus meiner Sicht eine

    Umfüllung von Nöten.


    Insgesamt ein sehr gutmütiger, milder Tabakgenuss der mit seinem malzigen Geschmack nach

    feuchtem Gras mit Erde und der mittleren Stärke gut ganztägig genossen werden kann. Ich kann

    ihn jedem Raucher naturreiner Tabake nur wärmstens empfehlen. Nachdem er als „englisch“ und

    „mit viel Kentucky“ angepriesen wurde, hatte ich einen stärkeren und strengeren Tabak befürchtet,

    was ich jetzt nicht als unangenehm empfunden habe. Das Einzige, was mich etwas an ihm stört,

    ist das was ihn auszeichnet: seine Rundheit, seine Ausgeglichenheit, seine Unaufgeregtheit.

    Die könnte mir zu langweilig werden. Ich werde das mal mit einer weiteren Dose testen…



    Bewertung:


    Geschmacksintensität:  Laue Luft / Nett, aber dünn / Ausgeglichen / Dicht / Überwältigend


    Nicotin-Punch:                Cola / Milchkaffee / Schwarzer Tee / Doppelter Espresso / Kaffeeinstantpulver mit dem Suppenlöffel


    Aromatisierung:             Taschentuch unparfümiert / Frisch gewaschene Wäsche / Kuchen im Backofen / Duftbaum / Teermaschine


    Raumnote:                       Blümchen / Neue Ledergarnitur / Tabakfabrik / Wohnzimmer-Lagerfeuer / Scheidung


    Zungenaggressivität:    Glas Milch / Prickeln/kurzer Zungenstress / langzeitiger Zungenstress / kurzer Zungenbrand / langzeitiger Zungenbrand


    Empfehlung:                   Besser nicht probieren / Kann man probieren / Sollte man probieren / Muss man probieren / Wer nicht probiert ist selber schuld






    „Trust me. I´m the leading expert on my own opinion.”

    "Every morning I wake up thinking, 'Good, another 24 hours of smoking'"

    - J.R.R. Tolkien - 1966 -

  • Wer nicht probiert ist selber schuld

    Ich bin unschuldig ! :saint:;)


    Egal auch, Thorsten... ...es scheint wohl hiermit klar, in welchem "Klon" du dich unter Anderen Tabaken wohlfühlst... :)

    Somit erlaube ich mir, dich auf div. andere Kräutermischuingen hinzuweisen, auch wenn weder von der Rezeptur identisch, noch von der Machart, also keine Flakes beispielsweise... dir aber vllt eine Sünde wert sind ?


    a) Reiner Golden Flake (gibts quasi "überall"...)

    b) Pfeifen Diehl/München, die aus dem "Supreme Signum" Klon... ich glaub Stephan aka Getz hat da nen Favoriten... schaun mer mal...

    c) Pfeifen Schilde, die aus der "Grand Cru Selection" Serie (auch wenn der Laden per se leider(!) zu ist, denk ich mal dass der Tabakvertrieb online weiterläuft?)


    Happy puffing,

    Rainer

    Glaube nicht an Dinge von denen du nur Echos und Schatten kennst (Japanisches Sprichwort)

    Glaube versetzt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker (Rafik Schami)

  • Servus Rainer,

    Du meinst The Tiger von Diehl. VA Kentucky und PE vom Feinsten. Hohe Suchtgefahr.

    Hi Stephan,


    ja und nein... ...absolute Zustimmung zum "Münchner Tiger" !!! ...zu einem meiner Lieblingstabake... das "Sreifenhörnchen"... mit seinen zahlreichen Namen quer durch die Republik, bis hin zum Zebra...,;), mit dem "Archetyp" Orlik Dark Strong Kentucky Flake. (Diverse Namensattribute von der EU weggehobelt...)

    https://www.tobaccoreviews.com…-a-s-dark-strong-kentucky


    Ich hatte jetzt aber in diesem speziellen Fall von Thorsten eher dem Diehl sein "Signum" im Sinn, den da...;)

    https://diehlwelt.com/detail/index/sArticle/300


    ...wobei... der DSKF dem häuslich-olfaktorischen Frieden vermutlich wesentlich zuträglicher ist... ;)


    Ich fürchte Thorsten hat jetzt ein "Luxusproblem"... ...Anbauschrank... Keller ausmisten, Tiefgarage buddeln, und so... :lol:


    Happy puffing,

    Rainer

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  • Rainer,

    ich dachte wegen der Zusammensetzung aus Kentucky Va und PE. Der Signum hat auch noch Orient und Latakia ( wenngleich auch fein dosiert) mit drin. Auch ein fester Bestandteil meiner Tabakbar.

    Gruß

    stephan

  • Gud´n Morgen,


    den "Tiger" habe ich als HU-Krater-Klon. Den kriegt man auch als quasi Broken-Version in der Mega-Dose

    von Peter Heinrichs, da nehme ich aber lieber die kleine ordentliche Dose...

    Schilde soll nach wie vor versenden, da hatte ich sowieso was im Blick.


    getz : Den Signum würde ich gerne probieren, hört sich sehr interessant an. ich schick Dir eine PN.


    Gruß


    Thorsten

    "Every morning I wake up thinking, 'Good, another 24 hours of smoking'"

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